Open Source im professionellen Einsatz

VJ-System Milkymist als Entwicklerboard erhältlich

28.01.2011

Milkymist, das Musikkunst-System auf Basis freier Hard- und Software gastierte unter anderem auf dem 26c3 und ist jetzt als "Milkymist One Early Developers Kit" mit eigener Video-Synthesizer-Software käuflich zu erwerben.

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Für 380 Euro erhält der Käufer das Board Milkymist One, ausgestattet mit einem projekteigenen design-offenen SoC und der brandneuen, quelloffenen Video-Jockey-Software Flickernoise. Dazu kommen ein weiteres, FT2232H-basiertes Board und ein USB-Kabel. Wer mag, spickt in den Produktflyer (PDF), der der Bestellung beiliegt. Bezugsquellen sind derzeit Tuxbrain (Italien) und Hackable-Devices (Frankreich/Belgien). Hinzu kommen rund 50 Euro Versandkosten.

Das VJ-Board Milkymist One ist als Entwicklerkit für 380 Euro erhältlich. Foto: Adam Weng, CC-by-sa 3.0

Optional ist für gut 70 Euro ein in einem Berliner Hackerspace entstandenes Gehäuse erhältlich, das laut Produktbeschreibung als Bausatz geliefert wird.

Dieses passende Acryl-Gehäuse wird für 70 Euro als Bausatz geliefert. Foto: Joachim Steiger, CC-by-sa 3.0

Das Board misst 15 x 12,5 x 3 Zentimeter und ist für entwicklungsnahe Video-Jockeys und anspruchsvolle Embedded-Bastler gedacht. An Schnittstellen besitzt das Board neben den vor einem Jahr versprochenen USB- und Ethernet-Ausgängen jetzt auch Video-Input, DMX, Midi und Infrarot sowie Ein-und Ausgänge für selbstentwickelte Sensoren und Erweiterungen. Die technische Dokumentation ist mitsamt Design- und Quellcode-Dateien auf der Milkymist-Projektseite zu finden.

Die Entwicklerversion des Boards ist für Bastler oder aber für VJs, die sich auf diese Ebene ihrer Technik begeben wollen.

Der Hauptentwickler des Boards Sebastien Bourdeauducq findet den Preis nicht überzogen: "Für Gadget-Enthusiasten ist es sicher teuer. Aber in seiner Kategorie (VJ-Systeme, d. Red.) ist der Preis fair und konkurrenzfähig, wenn man zum Beispiel FPGA-Entwicklersysteme mit dem XC6SLX45-Chip vergleicht, den wir benutzen." Der in Berlin ansässige Franzose, der sein Hardware-Projekt "Eyecandy on a Chip" nennt, visiert mit dem Board den Profimarkt der Videokünstler an: Ziel für Milkymist ist ein fertiges Produkt, um Musik zu visualisieren. "Ein Nachwuchs-Videojockey verdient zwischen 50 und 200 Euro pro Nacht", erläutert er seine Preispolitik. "Das Milkymist One wäre also mit einer Handvoll Auftritte wieder eingespielt. Typische VJ-Hardware kostet normalerweise mehrere Tausend Euro", so Bourdeauducq, und nennt Video-Mixer, HD-Projektoren oder den Bewegtnbildgenerator Edirol CG-8 als Beispiel, welch letzteren er als Konkurrenzprodukt betrachtet.

Die VJ-Software Flickernoise steht unter der GPL und ist - wie ihr Entwickler zugibt - im Moment noch nicht sehr gut dokumentiert.

Man könne allerdings auch ohne das Gerät zu Milkymist beitragen und sich so vielleicht sogar einen Rabatt verdienen, meint Bourdeauducq. Denn das Milkymist One richtet sich neben Early-Adoptern unter den Video-Jockeys, denen "ein paar Mängel an der Software nicht weh tun", in seinem Entwicklungsstatus auch an FPGA- und Open-Hardware-Fans, so Bourdeauducq: Um die Software oder die Dokumentation zu verbessern, reiche ein Qemu-Emulator. Anlaufstelle für Interessierte ist zum Beispiel die Open-Hardware-Community Qi Hardware, deren kommerzieller Arm Sharism.com auch der Hersteller des Milkymist One ist und die sich schon eine To-Do-Liste für die nächste Version des Boards angelegt hat. Beim Milkymist-Projekt gibt es außerdem ein neues Forum, in dem Patches ihren kommunikativen Pool finden sollen.

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