Open Source im professionellen Einsatz

Ubuntu 16.04 LTS ist fertig

21.04.2016

Heute erscheint Ubuntu 16.04. Die Langzeitversion bringt ZFS und Ceph-FS mit, führt mit den Snaps ein neues App-Format ein und wirft AMDs proprietären Grafiktreiber FGLRX sowie Python 2 über Bord.

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Spieler und häufige Nutzer von 3-D-Anwendungen, die Grafikkarten von AMD verwenden, sollten wissen, dass AMD keine proprietären FGLRX-Treiber für Ubuntu 16.04 mehr liefert. Das Unternehmen bat die Ubuntu-Entwickler, stattdessen auf AMDs offenen Treiber-Stack zu wechseln. Dessen proprietäre Teile will die Firma im Laufe des Jahres nachliefern.

Ubuntu 16.04 bringt wieder Langzeitsupport für fünf Jahre mit.

Wer mit FGLRX angetriebene Grafikkarten verwendet, den migriert Ubuntu beim Upgrade automatisch auf die freien AMD-Treiber ("radeon","amdgpu"). Wer jedoch auf die neuesten Open-GL- und Open-CL-Features angewiesen ist, sollte die alte Ubuntu-Version weiterhin nutzen, bis AMD den Hybrid-Stack veröffentlicht hat. Die proprietären Nvidia-Treiber unterstützt Ubuntu, neben den freien Nouveau-Treibern, hingegen weiterhin.

Zugleich führt Canonical mit den Snaps ein neues Paketformat ein, das vor allem sicherer sein soll und das die User parallel zum traditionellen Debian-Paketformat nutzen. Snaps bringen neue Sicherheitsmechanismen, die enthaltene Software vom System isolieren. Zudem lassen sich neuere Bibliotheken mit einzelnen Anwendungen bündeln und über transaktionale Updates aktualisieren. Das versetzt Entwickler in die Lage, auch auf einem ältere Ubuntu neuere Versionen ihrer Software zu installieren. Zugleich funktionieren Snaps für verschiedene Gerätetypen, laufen also auch auf Tablets, Smartphones und IoT-Geräten.

Software lässt sich in Ubuntu 16.04 über Gnome Software installieren, das Software-Center wurde ausrangiert.

Für größere Ubuntu-Setups und den Einsatz der Distribution in Rechenzentren und Cloud-Umgebungen dürfte die Integration des LXD Container-Hypervisor von Interesse sein. Indem er es erlaubt, LXC-Container anstelle von virtuellen Maschinen als Gäste zu betreiben, passen mehrere Gäste auf eine Maschine, zugleich steigert sich deren Performance. Zugleich hat sich Ubuntu als führende Open-Stack-Plattform etabliert und will diese Position durch die LXD-Integration weiter ausbauen. Dabei hilft sicher auch, dass Ubuntu das neue Open Stack Mitaka ausliefert.

Die zweite große Neuerung in diesem Zusammenhang ist die Integration von Open ZFS als Dateisystem. Das soll den Einsatz von Containern beschleunigen und dank Datenkomprimierung, automatischen Reparaturen, Copy-on-Write-Cloning und Snapshots noch effizienter machen. Rechtlich ist der Schritt durchaus umstritten: Während Canonical die Integration von ZFS für rechtlich legitim hält, sehen die Software Freedom Conservancy und die Free Software Foundation rechtliche Probleme auftauchen.

Von Hause aus unterstützt Ubuntu 16.04 kein Python 2 mehr, sondern setzt auf Python 3. Wer sie braucht, kann die alte Version aber problemlos nachinstallieren. Der Editor Vim wurde mit Python 3 gebaut. Nach anfänglichem Zögern ist nun auch PHP 7 an Bord von Ubuntu 16.04. Für PHP-Entwickler bringt das einen Gewinn an Performance und neue Features. Ubuntu unterstützt ansonsten GCC 5.3.0, Java 7 und 8, Go 1.6 und MySQL in Version 5.7.

Desktop-User dürfte freuen, dass die Onlinesuche im Dash nun automatisch deaktiviert ist. Wer sie braucht, kann sie explizit einschalten. Als Basis für Unity 7 (Unity 8 lässt weiterhin auf sich warten) dient Gnome 3.18, einige Anwendungen haben die Ubuntu-Entwickler auch aus Gnome 3.20 integriert. Die Distribution schickt zudem das Softwarecenter in den Ruhestand und ersetzt es durch Gnomes Softwareverwaltung, die schlicht Gnome Software heißt. Für die Büroarbeit wartet Libre Office 5.1 auf seinen Einsatz.

Libre Office ist in Version 5.1 an Bord.

Ubuntu 16.04, Codename "Xenial Xerus", ist eine LTS-Version und wird fünf Jahre lang Support erhalten (Long Term Support). Sie setzt auf den Linux-Kernel 4.4. Die Verwandtschaft, namentlich Kubuntu, Xubuntu, Lubuntu, Ubuntu Gnome, Ubuntu Mate, Mythbuntu und Ubuntu Studio warten immerhin noch mit 3 Jahren Unterstützung auf. Lediglich von Edubuntu wird es keine LTS-Variante geben. Wer Ubuntu 16.04 herunterladen möchte, findet die Images unter http://releases.ubuntu.com/16.04/

[Update,21.4.]: Doppelte News entfernt, danke für den Hinweis.

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