Open Source im professionellen Einsatz

Rückblick auf Open Moko: Schöne neue Smartphone-Welt

29.11.2016

Die Smartphone-Welt sei restriktiver und proprietärer als zu Zeiten von Open Moko schreibt Entwickler Harald Welte in einem Rückblick auf 10 Jahre Open Moko.

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Gerade jüngeren Lesern dürfte Open Moko womöglich kein Begriff sein: Das Projekt trat 2006 an, einen freien Software-Stack für Mobiltelefone zu entwickeln. Trotz einiger Erfolge konnte Open Moko nicht an den kommerziellen Erfolg der erst später erschienenen I-Phones und Android-Smartphones anknüpfen. In einem Blogpost versucht Welte nun, die Entwicklung rückblickend zu analysieren.

"Wir stecken in einer Smartphone-Welt, in der wir dem Vendor-Lock-in kaum entkommen.", schreibt der Open-Source-Entwickler. In der I-Phone-Welt sei es "virtuell" unmöglich, in der Android-Welt schwierig, so Welte. 2016 gebe es zwar mehr Smartphones als je zuvor, zugleich aber weniger Freiheit als jemals. Die Gründe dafür seien vielfältig:

* es gebe weniger Hardware-Dokumentation, die Hersteller geben keine vollständigen Beschreibungen ihrer SoCs mehr raus

* durch die festere Integration von Anwendungs- und Baseband-Prozessor sei eine Trennung (unfreies Baseband, freier Anwendungsprozessor) in der Regel nicht mehr möglich, wenn man nicht eigene Hardware baut

* Google verwische in Android die Linien zwischen freier Software und proprietärem Code. Sicher gebe es die Open-Source-Variante von Android. Dieser würden aber viele Funktionen fehlen, sie lässt sich auf nur wenigen Geräten installieren. Einzig das Fairphone 2 sei ein gewisser Lichtblick.

* doch Probleme verursachen auch die unzähligen Binärdateien. Die Blobs für die Qualcomm SoCs, die im Fairphone 2 stecken, umfassen bereits komprimiert 70 MByte, was in etwa der kompletten Software für das Open Moko entspreche

Welte schließt seinen Beitrag mit der Feststellung, dass die Smartphone-Welt von heute deutlich restriktiver und proprietärer ist als zu Zeiten von Open Moko. Wäre es erfolgreich gewesen, sähe die Lage eventuell anders aus, resümiert der Entwickler. So sei Open Moko eine verlorene Chance gewesen.

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