Open Source im professionellen Einsatz

Oracles Open Office geht in die Cloud

16.12.2010

Mit Release 3.3 von "Oracle Open Office" stellt der neue Sun-Eigentümer kommerzielle Konnektoren und das passende Cloud-Produkt vor. Vom kostenlosen "Open Office" in der neuen Version 3.3 fehlt noch jede Spur.

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Das kommerzielle Produkt Oracle Open Office bringt in Version 3.3 vor allem eine Reihe Anbindungen zu Oracles anderen Produkten mit. So sind Anwender von Oracle Open Office in der Lage, ihre Office-Suite mit der E-Business-Suite aus gleichem Haus zu verbinden sowie mit dem Oracle Business Intelligence Server, darüber hinaus mit Microsofts Sharepoint Server und mit der CMS-Plattform Alfresco. Und natürlich mit MySQL. Die zweite Neuigkeit mit dem Versionsschritt besteht in einem neuen Produkt, der Oracle Cloud Office, mit der das Oracle-Büro via Cloud-Computing zugänglich wird (siehe Galerie).

Malte Timmermann, ein Urgestein der Open-Office-Entwickler und heutiger Oracle-Mitarbeiter, berichtet in seinem Blog, dass Oracle Cloud Office ein komplett neu geschriebenen Produkt sei. Er weist außerdem darauf hin, dass Oracle Open Office etwas anderes sei als Open Office. Für die Unterschiede verlinkt er eine FAQ-Sammlung. Nach dieser FAQ-Sammlung ist Oracle Open Office dasselbe wie Suns ehemaliges kommerzielles Produkt, Star Office. Allein der Name sei anders. Auffällig ist, dass der Name von Oracles kommerziellem Open-Office-Produkt ebenfalls "Open Office" enthält. Es gibt jetzt also offenbar zwei verschiedene Open Offices: die freie Bürosuite Open Office und deren kommerzielle Ausgabe Oracle Open Office.

Von Oracle Open Office sind weder Quellen noch Release Notes verlinkt (die sind betreffs Version 3.3 bei Openoffice.org zu finden). Oracle rechnet offenbar nicht damit, dass sich die potentiellen Anwender von Oracle Open Office für Versionsunterschiede oder Quelltexte interessieren. Oracle Open Office gibt es auch nicht umsonst: Selbst die Standard-Edition, die zum Beispiel nur Forum-Support, nur eine einzige Systemsprache und die Erlaubnis für nur eine Installation mitbringt, kostet 40 Euro (die Business-Edition 70 Euro ohne Support). Von der freien Bürosuite Open Office, die man gewöhnlich von der Webseite Openoffice.org bezieht, ist die neue Version 3.3 im Downloadbereich jedoch noch nicht erhältlich.

Das wortlose Beiseitelassen der quelloffenen und kostenlosen Version von Open Office irritiert bereits vereinzelte Anwender. Der Debian-Entwickler Lior Kaplan schreibt beispielsweise in seinem Blog, dass er Oracle im Rücken von Open Office eigentlich gut findet. Die jetzige Praxis, das kommerzielle Produkt vor dem freien zu veröffentlichen, lässt ihn allerdings schreiben: "Ist da etwas, das uns Oracle oder seine Entwickler verschweigen? Ich habe keinen Beweis dafür, aber irgendwie sieht diese Aktion ziemlich schlecht aus."

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