Novell-Übernahme: Welche Patente kauft Microsoft? Was wird aus Opensuse?
Die in Privatbesitz befindliche IT-Firma Attachmate, auf Monitoring und Terminalemulation spezialisiert, kauft Novell für rund 2,2 Milliarden US-Dollar. Unklar ist die Reichweite eines zusätzlichen Verkaufs von fast 900 Patenten an das Konsortium CPTN, dem Microsoft federführend angehört.
In einem an die US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Papier ist die Rede von 882 Patenten, die für 450 Millionen US-Dollar an CPTN gehen. Novell will derzeit zum Verkauf der Patente keine Stellungnahme abgeben. Inzwischen schießen die Spekulationen ins Kraut, was im Patentpool enthalten sein könnte. Die Zusammenarbeit von Microsoft und Novell im Serverbereich ist eine Option, die gehandelt wird. Durch die von Microsoft vertriebenen Coupons für Lizenzen von Novell-Produkten und -Services erzielte Novell in der Vergangenheit einen guten Teil seines Umsatzes. Patentierte Technologien - insbesondere solche für die Virtualisierung von SLES - könnten für Microsoft also durchaus interessant sein. Im Schreiben an die Börsenaufsicht wird auf die Partnerschaft und gegenseitige Patentnutzungsabkommen zwischen Microsoft und Novell hingewiesen. Gut möglich, dass Microsoft sich die davon betroffenen Patente ganz einverleiben will.
Dass Novell auch Rechte an Unix hält und im jahrelangen Rechtsstreit mit dem Unternehmen SCO verteidigt hat, ist ein weiterer Posten, der in der Open-Source-Szene als möglicher Kaufanreiz für Microsoft gehandelt wird. Auch die freie Programmierschnittstelle Mono und die von Novell zugekaufte Platespin-Technologie stehen zur Debatte.
Der ellenlange und von vielen Eventualitäten geprägte Abschnitt des SEC-Antrags von Novell veranlasst den auf der Novell-Gehaltsliste geführten Mono-Entwickler Miguel de Icaza zu weiteren Spekulationen: Für ihn höre sich die SEC-Eingabe so an, als würde Novell die Option auf ein höheres Gebot für seinen Patentpool offen lassen.
Ungewissheit herrscht derzeit auch beim von Novell mitfinanzierten Opensuse-Projekt. Dessen Program Manager Andreas Jäger lässt in der Mailingliste wissen, dass er darüber informiert sei, dass Suse ein eigenständiger Geschäftsbereich bei Attachmate werde. Was der Verkauf aber für Opensuse bedeute, könne er derzeit nicht sagen. Opensuse-Community Manager Jos Poortvliet teilt die derzeit herrschende Unklarheit, gibt aber auch zu bedenken, dass es sich bei Opensuse um ein Open-Source-Projekt handle, das nicht komplett von Novell abhängig sei. Allerdings, schränkt Poortvliet ein, liefere Novell die Infrastruktur, finanziere Gehälter und auch die Namensrechte lägen bei Novell.





