Open Source im professionellen Einsatz

Mehr Open Source und offene Standards in der EU

14.03.2008

Mehrere Organisationen haben beim Europäischen Parlament eine Petition eingereicht, in der sie den umfassenden Einsatz von Open Source und offenen Standards fordern. Auch die Europäische Kommission selbst will künftig Open-Source-Software gegenüber proprietären Lösungen bevorzugen.

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Die Initiative wird von den Abgeordneten der Grünen im Europäischen Parlament (EP) unterstützt und hat derzeit rund 3700 Unterzeichner. Der spanische Parlamentsvertreter David Hammerstein erklärt auf seiner Webseite: "Wir unterstützen die Kampagne, weil wir glauben, dass das aktuelle Monopol einen negativen Effekt auf die demokratische Beteiligung, Innovation und Wettbewerb in Europa hat." Vorzugsweise sollte das Parlament ausschließlich Open Source-Software nutzen, jedoch zumindest dafür sorgen, dass die hauseigenen IT-Systeme mit offenen Standards arbeiten. Er ergänzt: "Wenn zum Beispiel Leute die Video-Streams des Europäischen Parlaments nutzen, sollten sie nicht gezwungen sein, Microsoft-Software zu nutzen. Wir müssen diese Herstellerabhängigkeit loswerden, nicht nur im EP, sondern auch bei der Europäischen Kommission und im Europarat." Hammerstein hält Interoperabilität und offene Standards für grundlegende Prinzipien der Europäischen Union und will diese notfalls auch durch den Europäischen Gerichtshof sichern lassen.

Beim Exekutivorgan der EU rennt die Petition offene Türen ein: Letzte Woche hat die Europäische Kommission ein Strategiepapier veröffentlicht mit der Absichtserklärung, für neue IT-Projekte vorzugsweise Open Source zu wählen. Hier heißt es: "Für alle neuen Entwicklungen, wo Verwendung und Nutzen von Parteien außerhalb der Infrastruktur der Kommission vorgesehen ist, wird Open-Source-Software die bevorzugte Entwicklungs- und Verteilungsplattform." Mit offensichtlichem Bezug auf das bereits eingeführte freie Dokumentformat ODF (Open Document Format) formuliert die Kommission auch für Standards eindeutige Präferenzen: "Für alle künfitgen IT-Entwicklungen und Beschaffungsvorgänge soll die Kommission die Verwendung von Produkten begünstigen, die offene, gut dokumentierte Standards unterstützen", und weiter: "Interoperabilität ist ein kritisches Thema für die Kommission, und der Einsatz von gut eingeführten offenen Standards ist ein Schlüsselfaktor, diese zu erreichen und bewahren."

Nachdem die Europäische Kommission erst Ende Februar eine Rekordgeldbuße gegen Microsoft verhängt hatte (Linux-Magazin berichtete), dürfte dies ein weiterer herber Schlag für das Unternehmen sein. Bis Ende März läuft die vorerst letzte ISO-Abstimmung, bei der darüber entschieden wird, ob das Microsoft-eigene OOXML als Standard zugelassen wird. Falls die Europäische Kommission weiterhin ernst macht, dürfte das Microsoft-Format in jedem Fall geringe Chancen als Standard in der offiziellen IT Europas haben.

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