Open Source im professionellen Einsatz

Mark Shuttleworth kommentiert Debian-Releases

06.08.2009

Streitgespräche um feste Releasezeitpunkte bei Debian sind nichts Neues. Jetzt mischt sich auch der Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth in die aktuelle Diskussion mit ein.

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Mit seiner Ankündigung, von Debian zukünftig alle 24 Monate eine neue Version herauszubringen, entfachte das Release-Team eine alte und immer wieder gern geführte Diskussion. In einer Mail an die Debian-Projektliste bezieht nun auch der Ubuntu-Gründer Shuttleworth Stellung und weist einmal mehr auf die Wichtigkeit regelmäßiger und gemeinsamer Veröffentlichungen hin:

"Nun, der erste Punkt ist, sich darin einig zu sein, vorhersagbare Kadenzen zu wollen. Obwohl die langen Threads auf dieser Liste für mich oft sehr traurig zu lesen sind, bin ich froh, dass sich die Diskussion nicht so sehr um die Frage dreht ob, es regelmäßige Veröffentlichungen geben soll, sondern mehr in welcher Kadenz. Letzteres können wir lösen, ersteres nicht. Zumindest das freut mich."

Shuttleworth begründet die Wichtigkeit fester Releasezeiten damit, dass sich damit der Einsatz von Linux vereinfache, weil während einem festen Zeitraum (zum Beispiel 2 Jahre), die Hauptkomponenten fest bleiben. Über dieses Thema schrieb Shuttleworth schon vor längerer Zeit in seinem Blog und ließ auch jetzt wieder durchblicken, dass selbst Red Hat sich einem solchen Zyklus anpassen würde, wenn erst mal ein Konsens in dieser Frage gefunden sei.

Als zweiten Punkt hob Shuttleworth hervor, dass es sich bei der Diskussion nicht um die Frage Ubuntu vs. Debian handle es nicht darum gehe, dass sich Debian ändern müsse, um die Bedürfnisse von Ubuntu zufriedenzustellen. Er bemerkt in seiner Mail, dass diese Ansicht zu kurz gegriffen sei und die Frage regelmäßiger Veröffentlichungen vielmehr alle Distributionen betreffe.

Schließlich gab sich Mark enttäuscht darüber, dass die lautesten Stimme diejenigen seien, die nichts zur Diskussion beitragen und sich nur gegen eine Kooperation mit Ubuntu richten würden. Als eine dieser Stimmen meldete sich dann auch gleich Julien Blache zu Wort und meinte:

"Ich glaube nicht, dass gemeinsam geplante Releases etwas bringen. [...] Wenn ich dies und das "Ubuntu liebt euch" aus der Mail lösche, dann bleibt nichts mehr übrig."

Es gab jedoch auch konstruktive Kritik, die zum Beispiel darauf hinwies, dass ein in Zukunft womöglich gar keine größeren Releases mehr gibt, sondern der Nutzer sein System praktisch ständig aktuell hält und so Versionssprünge praktisch wegfielen.

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