IBM wittert Mainframe-Verschwörung
Supercomputer-Hersteller IBM vermutet anlässlich der neuesten gegen ihn gerichteten Wettbewerbsbeschwerde, der Beschwerdeführer wolle gemeinsam mit Microsoft und anderen Konkurrenten gezielt IBMs Mainframe-Geschäft untergraben.
Der Beschwerdeführer Roger Bowler und in seiner Folge andere Open-Source-Verfechter befürchten, dass IBM sein 500-Patente-Versprechen aus dem Jahr 2005 brechen wird, um gegen den Mainframe-Emulator Hercules beziehungsweise dessen Kommerzialisierung durch die Firma Turbohercules vorzugehen. Auf Microsofts Initiative Mainframe Migration Alliance schielend, argwöhnt IBM seinerseits: "Turbohercules ist Mitglied in Organisationen, die von IBM-Konkurrenten wie Microsoft gegründet und finanziert werden. Wir bezweifeln Turbohercules' Motive", heißt es in einem offiziellen Statement gegenüber der Redaktion.
Roger Bowler ist Erfinder der Emulationssoftware Hercules und Mitgründer des darauf aufbauenden Unternehmens Turbohercules. Im Unternehmensblog hat er ausführlich über eine seit März anhängige Wettbewerbsbeschwerde bei der EU berichtet. Er wolle "den freien und fairen Wettbewerb auf dem Markt der IBM-Mainframes wieder herstellen. Mainframe-Kunden soll erlaubt sein, ihre eigenen Programme auf einer Hardware ihrer Wahl laufen zu lassen", begründet er in seinem Blog den Schritt.
Nach eigenen Angaben sei dieser Schritt einige Tage nach einem Brief von IBM erfolgt, der öffentlich dokumentiert ist. In diesem Brief wiederholt IBMs System-Z-CTO Mark Anzani die Vermutung, dass das Hercules-Projekt IBM-Patente für die Mainframe-Technologie verletze und IBM daher z/OS-Lizenzen für den Hercules-Emulator auf Drittplattformen nicht erlauben werde.
Eine entsprechende Anfrage hatte Roger Bowler ein Jahr zuvor - am Anfang der ganzen Geschichte - an IBM gestellt, und darauf gründet auch die Geschäftsidee seiner im Jahr 2009 gegründeten Firma Turbohercules. Hercules selbst steht unter der vom Open Source Institute (OSI) als Open-Source-Lizenz anerkannten Q Public Licence.





