Auf eine Einladung zur Gnome-Entwickler-Konferenz musste die niederländische Politikerin zwar mit einer Absage antworten. Sie bescherte den Organisatoren aber einen Videoclip, in dem sie sich für freie Software stark macht. Er ist auf der Guadec-Homepage eingebunden.

"Im E-Government und in der öffentlichen Verwaltung galt Open Source früher lediglich als Hobby", beginnt die Kommissarin und Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission ihre Video-Botschaft. Damals habe niemand gewagt, sich für Open Source in öffentlichen Einrichtungen einzusetzen - zu groß sei die Sorge um professionellen Support und die rechtliche Unsicherheit gewesen.

Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, findet in ihrer Video-Botschaft viele lobende Worte für die Open-Source-Community.

Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, findet in ihrer Video-Botschaft viele lobende Worte für die Open-Source-Community.

Auch jetzt stehe freie Software nicht vollkommen gleichberechtigt neben proprietärer, fährt Kroes fort, doch die Einstellung der Verantwortlichen verändere sich. Ein Anzeichen dafür sei beispielsweise das Open Software Observatory and Repository (OSOR), ein Webportal, auf dem öffentliche Einrichtungen europaweit Software entwickeln und austauschen können. Einen wichtigen Beitrag zur Rechtssicherheit leiste die freie Lizenz European Union Public License (EUPL).

Als Beispiele für den mittlerweile etablierten Einsatz freier Software nennt die Kommissarin die Stadt München und die britische Verwaltung. Sie lobt die finanziellen Einsparung und die Herstellerunabhängigkeit. Mittlerweile gehöre es auch in der Wirtschaft zum guten Ton, Open Source nicht nur zu benutzen, sondern sich auch an der Entwicklung zu beteiligen.

Neben dem European Interoperability Framework gebe es in jüngster Zeit strategisches Engagement, um freie Standards und Interoperabilität EU-weit umzusetzen. Damit ändere sich laut Neelie Kroes die Einstellung der Entscheidungsträger zu Open Source, was wirtschaftliche Perspektiven auch für kleine und mittlere IT-Dienstleister eröffne.

Open-Source-Projekte spielten eine wichtige Rolle für die digitale Zukunft Europas, schließt die Politikerin. Regierungen könnten in dieser Sache keine Entschlüsse im Alleingang machen, die Entwicklung wachse vielmehr organisch aus einer verantwortungsvollen Zusammenarbeit. Die EU könne die wichtigsten Mitwirkenden an dieses Prozess zusammenbringen, Hindernisse ausräumen sowie Forschungs- und Entwicklungsprojekte finanziell fördern. Die größte Rolle spielten aber ihrer Ansicht nach Menschen und Communities wie die Open-Source-Gemeinde.