Open Source im professionellen Einsatz

Guadec 2010: Gnome-Shell nach einem Jahr Arbeit

28.07.2010

Auf der Gnome-Konferenz Guadec hat der Entwickler Owen Taylor den Entwicklungsstand der Gnome-Shell gezeigt, der zentralen GUI-Komponente in der kommenden Gnome-Version 3.0.

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Die Shell ersetzt unter anderem das Gnome-Panel, das derzeit Menüs und Applets aufnimmt sowie Systeminformationen anzeigt. Taylor demonstrierte im Detail, was sich im vergangenen Jahr seit dem Desktop Summit auf Gran Canaria getan hat, wo die Shell vorgestellt wurde.

Die Gnome Shell zeigt bei [Alt + Tab] nicht mehr ein Symbol pro Fenster, sondern pro Anwendung.

Vor einem Jahr war der Applikationsbrowser nur eine Nachahmung der Gnome-2.x-Menüs, nun listet das Fenster die Anwendungssymbole nach Kategorien sortiert auf. Das Message Tray zeigt Nachrichten des Systems und anderer Anwender kurzzeitig am unteren Rand des Bildschirm an, auf Wunsch kann der Anwender die Nachrichtenleiste mit der Maus hervorholen, um die Mitteilungen in Ruhe zu lesen.

[Alt + Tab] in der Gnome-Shell: Firefox besitzt zwei geöffnete Fenster, wird aber nur mit einem Anwendungssymbol dargestellt.

Der Activities-Überblick lässt sich in der derzeitigen Shell-Version nicht nur per Klick in die obere Leiste aufrufen: Das Feature Hot Corner reagiert auf eine Mausbewegung in die linke obere Ecke, um die Activities einzublenden. Bei den Workspaces ist jeweils nur einer sichtbar, damit die enthaltenen Fenster nicht zu klein ausfallen. Der Anwender blättert zwischen den Spaces.

Damit verfüge die Shell über die grundlegenden Funktionen, stellte Owen Taylor fest, auch wenn es noch einige Bugs gebe. Daneben fehle noch ein konsistentes Aussehen für alle Elemente sowie die Integration mit dem Rest des Systems, etwa dem Dialog zum Herunterfahren des Rechners. Auch beim Dateimanager und der Einbindung des Kalenders gibt es für das Entwicklerteam noch einiges zu tun. Zudem ist die Entscheidung noch nicht gefallen, ob die Shell schon in die Gnome-Version 3.0 eingehen soll oder erst noch weitere Entwicklung erfährt.

Taylor gab zum Abschluss einen Ausblick auf weitere Funktionen wie beispielsweise eine Bildschirmlupe. Zudem demonstrierte er Looking Glass, eine interaktiven Javascript-Konsole für die Gnome-Shell.

Auf der Guadec demonstriert: Anwendungen lassen sich per Schlagwort suchen.

William Jon McCann erläuterte in einem weiteren Vortrag die Designprinzipien hinter der Shell. Nach einem philosophisch-historischen Rückgriff auf Konzepte der Aufklärung und Friedrich Schiller formulierte er einen Anspruch für Gnome: "Wir wollen ein schönes Betriebssystem bauen, das bei der Verbesserung der Welt hilft". Ein solches System müsse ein konsistentes Erlebnis für Anwender und Entwickler bieten und in ein Ökosystem und einen Markt für Anwendungen eingebunden sein. In diesem Zusammenhang widmet sich Gnome 3.0 der neuen Schnittstelle für den Anwender, bis zu Gnome 4.0 möchte McCann schrittweise die weiteren Ziele erreicht sehen.

Für alle Daheimgebliebenen gibt es Videostreams aus den drei Hörsälen der Konferenz. Dabei kommt allerdings der relativ neue Open-Source-Codec Web-M zum Einsatz, was einen passenden Browser oder Videoplayer erforderlich macht.

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