Die kalifornische Softwarefirma Appjet stärkt ab sofort das Wave-Team bei Google. Appjets kollaborativer Web-Editor Etherpad sollte erst eingestampft werden, nun soll er aber als Open Source herauskommen .
Vergangenen Freitag gaben Appjet und Google bekannt, dass die fünfköpfige Mannschaft ab sofort unter Googles Ägide an der seit einigen Monaten heranwachsenden Wave-Kommunikationsplattform mitarbeitet. Im gleichen Atemzug hieß es, der bisher bei Appjet online frei zugängliche Etherpad-Dienst sowie seine kommerziellen Versionen würden zum April 2010 eingestampft. In den folgenden 48 Stunden sammelten sich unter dem entsprechenden Announcement enttäuschte Kommentare (“Not cool google”). Offenbar in Reaktion darauf handelte Appjet nun mit Google aus, dass Etherpad bleiben darf – Open-Source-Software wird. Der Dienst bleibt mindestens solange online, bis die Quellenöffnung abgeschlossen ist, heißt es in einem neuen Announcement vom Samstag. Die neuen Kommentare dürften eher nach Googles Geschmack sein: “What a cool thing to do!”
Etherpad ist ein webbasierter Texteditor. Gruppen können komplett ohne Registrierung ein gemeinsames Dokument anlegen und in Echtzeit bearbeiten. Das Besondere daran nach Angaben der San-Francisco-Crew: Mittels eines patentierten Synchronisationsalgorithmus dürfe man “Echtzeit” wörtlich verstehen. Mit welcher Verzögerung Änderungen auf den Bildschirmen der Teilnehmer landen, hängt lediglich von der Übertragungsgeschwindigkeit der Netzwerkkabel ab. Das motiviert auch den Namen “Etherpad”. Die Teilnehmer einer Schreibsitzung erscheinen in einer Liste am rechten Bildschirmrand. Jedem Anwender ist eine eigene Farbe zugeordnet, mit der auch der Text unterlegt ist, die er in das gemeinsam bearbeitete Dokument eingibt. Der fertige Text lässt sich anschließend als Text, HTML, MS-Office-Dokument oder PDF exportieren.
Die Gründer der Etherpad-Firma rekrutieren sich größtenteils aus Googles eigenen Reihen: Der Mitgründer und CEO, der CTO sowie der COO arbeiteten vor ihrer Appjet-Zeit bei dem Suchmaschinenriesen und kehren nun quasi zurück. Google arbeitet offiziell seit Mitte dieses Jahres an der Browser-basierten Kommunikations- und Kollaborationsplattform Wave, die das Unternehmen genauso wie Appjet Etherpad als “Echtzeit-Kollaboration” positioniert. Im Gegensatz zu Etherpad soll Wave mehr können, beispielsweise auch Wiki- und E-Mail-Funktionen mitbringen. Etherpad hingegen punktet mit der Konzentration auf ein Feature – gemeinsame Textverarbeitung in Echtzeit – für die verschiedene Anwendungsszenarien wie gemeinsame Notizen bei einer Telefonkonferenz, gemeinsames Coden oder auch das Testen von Programmierfähigkeiten für Remote-Bewerbungsgespräche in Frage kommen. Inhalt der neuen Abmachung zwischen Appjet und Google ist auch, die Nutzer von Etherpad zu dem Ende September gestarteten Testlauf von Google Wave einzuladen.
- Die farbliche Unterlegung kann abgeschaltet und der Schrifttyp für Programmierer zu Mono geändert werden.
- Etherpad erlaubt den Import von Dateien sowie den Export zu TXT, DOC, PDF und HTML.
- Der Screenshot von der Appjet-Seite zeigt Etherpad in Action: Farblich unterlegte Textbeiträge verschiedener Teilnehmer.
- So sieht das gemeinsame “Etherpad” aus, das sich jeder online ohne Angabe persönlicher Daten anlegen kann.
- Unkompliziert a la Doodle: Link zum Pad verschicken.








