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Fallstudie: Slowenisches Zentrum für Open Source

Eine neue Fallstudie des europäischen Informationsdienstes OSOR stellt das vom slowenischen Staat geförderte, privatwirtschaftliche Open-Source-Zentrum COKS vor. Mit Informationen, Support und Softwaredatenbank soll es quelloffene IT-Lösungen im öffentlichen und gesellschaftlichen Sektor verbreiten helfen.

COKS ist die Abkürzung für "Center Odprte Kode Slovenije", zu deutsch "Open Source Zentrum Slovenia". Das im Oktober 2007 gegründete Zentrum besteht aus einem Webportal und einem Support-Callcenter. Es bietet zusätzlich kostenpflichtigen Support sowie eine Datenbank für Open-Source-Software aus dem öffentlichen Sektor. Der englischsprachige Text der Fallstudie lässt sich auf der OSOR-Seite nachlesen und liegt dort auch im PDF- und ODT-Format bereit.

Die Idee für das Zentrum entstand im slowenischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie, welches auch die Anschubfinanzierung übernahm. Den Betrieb hält eine Gruppe von Bildungsinstitutionen und Firmen unter der Leitung der 15-köpfigen Open-Source-Entwicklerfirma Agenda aufrecht. Das Zentrum soll laut Studie das Argument aus den Angeln heben, dass es für Open-Source-Software keinen Support gebe und man sich - vor allem im öffentlichen Sektor - scheue, sie einzusetzen.

Das Zentrum geht mit gutem Beispiel voran und arbeitet selbst mit quelloffener Software: Auf der webseite kommt Mediawiki zum einsatz, das Callcenter ist mit Asterisk verwirklicht und das Team bearbeitet Aufgaben mithilfe des Open Ticket Request Systems (OTRS).

Entstanden sei die Idee, so heißt es in der Fallstudie, im Juni letztes Jahres als Teil einer nationalen Zukunftsstrategie, die die Entwicklung der slowenischen Informationsgesellschaft ins Auge fasse. Dieses Strategiepapier bespricht unter anderem die Notwendigkeit von plattformübergreifender Zusammenarbeit und offener Standards in der IT des öffentlichen Sektors. Quelloffene Software soll der Motor dafür sein. Auch die üblichen Argumente der Unabhängigkeit von proprietären Produkten und Kostenersparnis führt das Papier an. Als Vorlage diente der slowenischen Regierung das European Interoperability Framework (EIF), erarbeitet von IDABC, dem europäischen Informationsdienst für IT im öffentlichen Sektor.

Der Autor der Studie, Karsten Gerloff, ist Kulturwissenschaftler mit Forschungsschwerpunkt freie Software. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der gemeinsamen Forschungseinrichtung der Maastrichter Universität und der United Nations Universität (UNU-MERIT) in Maastricht. Vorher war er bei der Free Software Foundation Europe (FSFE) beschäftigt.

In Auftrag gegeben wurde die Fallstudie von OSOR (Open Source Observatory and Repository), das die Verbreitung von Open-Source-Software fördern will. Es ist Teil des europäischen IDABC-Programms, ein Programm der europäischen Kommission, das Bürger und Unternehmen über grenzübergreifende öffentliche Dienste im Bereich E-Governance informiert (IDABC, Interoperable Delivery of European eGovernment Services to public Administrations, Business and Citizens).

(Anika Kehrer)
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