Open Source im professionellen Einsatz

FSF und Gnome wollen Frauen für die Community werben

25.08.2009

Die Free Software Foundation (FSF) und die Gnome Foundation wollen gezielt um weiblichen Nachwuchs in der Community werben. Ein erster Schritt ist ein "Mini-Gipfel" zum Thema "Women in Free Software".

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Initiiert wird das Treffen von Stormy Peters, seit Juli 2008 Geschäftsführerin der Gnome Foundation, der „lebenslangen Aktivistin“ und Buchautorin Hillary Rettig und Deborah Nicholson, bei der FSF zuständig für die Mitgliederverwaltung. Die drei wollen am 19. September in den Räumen der FSF in Boston Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Vordenkerinnnen zusammentrommeln und gemeinsame Strategien und Initiativen zur Frauenförderung erarbeiten. Nicholson will hierzu erfolgreiche Beispiele aus anderen Projekten heranziehen: "Einzelne Projekte haben Wege gefunden, dass sich Frauen willkommen fühlen. Diese werden wir genauer betrachten und diskutieren, wie wir auf diesen Erfolgen aufbauen können." Gnome-Chefin Peters sieht die Aktion als Grundlage für eine längerfristige Strategie der beiden Stiftungen und verspricht, dass die Ergebnisse in das Programm der FSF mit einfließen werden.

Sowohl die Stiftung hinter dem freien Desktop als auch die FSF unterstützen die Aktion mit der Begründung, dass Frauen im technischen Umfeld und in der Community bislang in der Minderheit sind. Obwohl Freie Software an Marktanteilen gewinne, habe das nichts an der Geschlechterverteilung geändert. Dies grundsätzliche Missverhältnis bestätigt unter anderem eine Studie des US-amerikanischen Anita-Borg-Instituts für Frauen in Wissenschaft und Technologie. In einer Erhebung aus dem Sommer 2009 legt das Institut Zahlen zu US-amerikanischen Studiengängen vor: Im Jahr 2006 machten in Computerwissenschaften nur 20 Prozent einen Bachelor-Abschluss, den weiterführenden Master machten noch 4,5 Prozent und bis zum Doktortitel blieben sogar nur 0,5 Prozent dabei. In Deutschland sieht es nicht besser aus: Der Informationsdienst Wissenschaft berichtet über einen Frauenanteil zwischen 10 und 15 Prozent bei Informatik-Studiengängen.

Eine aktuelle Aktion der Linux-Community scheint jedoch zu belegen, dass sich die vorwiegend männliche Leserschaft über Frauennachwuchs freut: Die Schwesterpublikation hatte ingesamt fünf Notebooks für Linux-Neulinge zur Verfügung gestellt, die im Anschluß über "drei Monate ohne Windows" berichten müssen. Vier der Probanden wurden per Leserwahl bestimmt – gewählt wurden drei Frauen, nur ein Mann konnte sich durchsetzen. Ein fünfter Rechner ging per Losentscheid gleichfalls an eine Frau.

Auch die Herausgeberin unseres amerikanischen Schwestermagazins beschäftigt sich derzeit gezielt mit dem Thema: In einer Interviewreihe bittet sie Frauen, die bereits aktiv im Open-Source-Umfeld tätig sind, um Argumentationshilfen für die Nachwuchsgewinnung. Ihren Fragen gestellt haben sich bislang unter anderem die Linux-Today-Chefin Carla Schroder, Umweltaktivistin Kelaine Vargas und die Unternehmerin Erica Brescia.

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