In einem längeren Workshop stellten José Canalejo und Ruth Schönbuchner von gvSig die Version 1.9 ihrer Desktop-GIS-Software vor. In diese sind laut den Entwicklern zahlreich Erweiterungen und Verbesserungen eingeflossen, so lassen sich jetzt auch erweiterte Beschriftungsdefinitionen und individuelles Symboldesign mit einem integrierten Editor bearbeiten und erstellen. GvSig eignet sich vor allem für Umsteiger vom ehemaligen Marktführer ESRI Arcview und ähnlichen Desktop GIS.

Webmapping, Android und Augmented Reality

Welche Webmapping Software eignet sich für welchen Zweck? Dieser Frage widmeten sich Arnulf Christl (Metaspatial) und Christoph Baudson (OsGeo) in einem Vortrag, während Stephan Holl (Intevation) die unbekannten Features des UMN MapServer präsentierte. Mathias Menninghaus von der Universität Osnabrück zeigte in seinem Vortrag, welche GIS-Features mit Googles Handy-Betriebssystem Android möglich sind. Noch im ersten Quartal soll dazu eine mobile GIS-App veröffentlicht werden.
Mit Spannung erwarteten die Teilnehmer den Vortrag von Mario Kluge (Universität Potsdam) zur "Augmented Reality basierten Fußgängernavigation", ein Thema, an dem auch die Großen der Branche (Google, Microsoft) seit Jahren forschen. Kluge wird dabei bewährte und neue Software vorstellen, eines seiner Beispiele wird die Navit Reality View sein.

Von der Erde zur Sonne...

Am Rande der Konferenz, die sich auch in diesem Jahr mit mehreren hundert Besuchern gut gefüllt präsentierte, sickerten bereits aktuelle Daten aus dem 2004 in England gegründeten Openstreetmap-Projekt durch. OSM hat mittlerweile 250 000 angemeldete User, von denen fortwährend etwa 80.000 Kartenmaterial editieren und verbessern. Etwa 4 Millionen Hausnummern sind eingetragen, 36 Millionen Ways (Verbindungslinien zwischen Nodes) addieren sich auf knapp 30 Millionen Kilometern, was ungefähr einem Fünftel der mittleren Entfernung der Erde zur Sonne entspricht . Die freiwilligen Mitarbeiter der Community fügen dem Projekt pro Stunde durchschnittlich 30.000 Nodes in etwa 2000 Ways hinzu.

Besser als der Rest

OSM hat dabei nach einhelliger Meinung der Konferenz-Teilnehmer und GIS-Spezialisten Google Maps und alle anderen Konkurrenten weit hinter sich gelassen. Sowohl beim Erdbeben in Haiti als auch bei der Katastrophe in Chile bevorzugen die Helfer vor Ort die freien Daten auf ihren Routenplanern, vor allem weil die Qualität der Daten erheblich besser ist als bei der Konkurrenz. Zusätzlich dazu kann das freie Projekt durch das öffentliche Interesse, das die Katastrophen auslösen, die Hilfsbereitschaft der Internetgemeinde mobilisieren kann und so schnell und unkompliziert aktuelle und zuverlässige Datensätze anbieten. Dieser riesige Pool an Input bleibt natürlich jedem kommerziell oder militärisch interessierten Konkurrenten verwehrt. Seit wenigen Monaten funktioniert OSM übrigens auch vollständig für die Navigationsgeräte von Marktführer Garmin, endlich auch inklusive der lange erwarteten Routing-Mechanismen.

Und warum das Ganze?

Wer sich für die Motivation und Verteilung der OSM-Mitwirkenden interessiert, sollte am Donnerstag den Vortrag von Professor Hans-Jörg Stark von der Fachhochschule Nordwestschweiz anhören. Ihm zufolge sind die Teilnehmer an OSM überwiegend junge Leute, die sich von der autonomen, selbstständigen Arbeitsweise inspirieren lassen. Der typische OSM-Helfer ist männlich, überdurchschnittlich gebildet, und gehörtentweder der Gruppe der 24-27-jährigen oder der 37-45-jährigen an. Er ist technikbegeistert, übers Internet auf OSM aufmerksam geworden und versteht seine Beteiligung als sinnvolle Freizeitbeschäftigung.