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Erfolg für Microsoft: ISO lehnt Einsprüche gegen OOXML-Zertifizierung ab

Der Weg für Microsofts Dokumentformat OOXML als Standard ist wieder frei: Die technischen Ausschüsse der ISO und IEC lehnten die Einsprüche von vier Mitgliederländern ab.

„Keiner der Einsprüche aus Brasilien, Indien, Südafrika und Venezuela erhielt die Unterstützung für weitere Verfolgung von zwei Dritteln der Mitglieder des ISO Technical Management Board und IEC Standardization Management Board“, heißt es knapp in der Pressemitteilung der Organisationen. Die vier Länderausschüsse hatten ihr Recht genutzt, gegen den umstrittenen Zertifizierungsprozess zu protestieren – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der ISO. Der Grund für den formellen Protest war vor allem das Schnellverfahren, der so genannte Fast Track, nach dem das Dateiformat mit mehr als 6000 Seiten beurteilt werden sollte. Das Abstimmungsverfahren zu dem Microsoft-Format war heftig umstritten und von Diskussionen und Medienecho begleitet, nach ISO-Richtlinien durfte in den Einwänden einzig der formale Ablauf untersucht werden. Die Generalsekretäre der ISO und der IEC kamen nach erster Begutachtung jedoch schnell zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass die hauseigenen Prozesse ordnungsgemäß verlaufen seien und empfahlen den technischen Ausschüssen folgerichtig, den Einspruch abzuschmettern (Linux-Magazin Online berichtete).

Die vehementen Reaktionen gingen an der Standardisierungsbehörde nicht ganz spurlos vorbei, in der Pressemitteilung werden diese als „bedeutsame Debatte bezogen auf technische und verfahrensorientierten Themen“ bezeichnet. Als Antwort deuten die Organisationen vorsichtige Bereitschaft zur Selbstkritik an. Es heißt: „Die Erfahrungen aus dem ISO/IEC-29500-Prozess werden wichtigen Input für die ISO und die IEC und ihre nationalen Körperschaften (...) liefern und ihre Bemühungen die Standardisierungsprozesse (...) zu verbessern.“ Einigen verärgerten Mitgliederländern dürfte diese vage Aussage nicht reichen. Jomar Silva, Mitglied des brasilianischen Ausschusses reagiert in einem Blogeintrag enttäuscht: „Als Brasilianer und als Person, die ein Jahr ihres Lebens damit verloren hat, ernsthaft daran zu arbeiten, kann ich mich von dieser Entscheidung nur beleidigt und angegriffen fühlen.“ Er vermutet, dass die vier protestierenden Länder als Nationen aus der „zweiten Reihe“ betrachtet würden und ruft nach einer eigenen Zertifizierungsorganisation: „Ich glaube, dass die Zeit für Entwicklungsländer reif ist, eine Internationale Standardisierungs-Organisation ins Leben zu rufen, die unserer Realität entspricht, die unsere Probleme und Hoffnungen versteht, und die uns mit einem Minimum an Respekt und Würde behandelt.“

Nach dieser Entscheidung kann mehr als vier Monate nach Abschluss der ISO-Zertifizierung die Norm mit der Nummer ISO/IEC DIS 29500 verabschiedet werden, und nach Worten der ISO soll dies in den „nächsten Wochen“ geschehen. Microsoft selbst hat in der Zwischenzeit Unterstützung für das freie Open Document Format (ODF) angekündigt, das bereits seit 2006 als Standard zertifiziert ist.

(Britta Wülfing)
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