Open Source im professionellen Einsatz

Cebit 2010: Xen, Adblock und das Linuxprojekt selbst gewinnen Linux New Media Awards

04.03.2010

Auch Android sowie - beide zum wiederholten Mal - Intel und Openstreetmap erhalten Ehrungen. Die sechs Trophäen wurden heute im Open-Source-Forum auf der Cebit verliehen.

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Die Linux New Media Awards 2010 tragen dem Trendthema Cloud Computing Rechnung und verleihen erstmals einen Preis in der Kategorie "Best Open Source Solution for Cloud Computing". Gewinner ist Xen geworden, der quelloffene Virtualisierungs-Hypervisor, der heute zu Citrix gehört. "Dieses Projekt wird unsere Sicht auf Computer verändern", sagte Kai Dupke, Sales Manager für Server bei Novell, in seiner Laudatio. Den Preis nahm Keir Fraser persönlich entgegen. Keir Fraser implementierte Xen 2002 in Folge seiner Promotionsforschung und gründete seinerzeit auch das darauf aufbauende Open-Source-Unternehmen Xensource. "Dieser Preis geht an alle in der Community, die Xen zu dem gemacht habn, was es heute ist", sagte Fraser nach Entgegennahme der Trophäe. "Xen ist wirklich ein gutes Beispiel dafür, wie Open Source hervorragende Technologie hervorbringt."

Ausgezeichnet: Hans-Joachim Picht, Keir Fraser, Sven Anders, Wolfgang Rosenberg, Wladimir Palant, Ines Wasner (von links).

Neu ist dieses Jahr auch die Kategorie "Best Open Source Firefox Extension". Der quelloffene Browser Firefox verfügt mit seinen leicht zu installierenden Erweiterungen über eine unüberschaubare Menge an Zusatz-Tools. Von denen hat sich die Erweiterung Adblock, die im Browser die Anzeige von Online-Werbung verhindert, dieses Jahr einen Preis verdient. Als Laudator sagte Chris Hofmann, der schon bei Netscape zum Firefox-Vorgänger beigesteuert hat und bei Mozilla heute für Spezial-Entwicklerprogramme zuständig ist, dass Firefox immer als schlanker Browser gewünscht war. Dennoch sollte er viele Funktionen haben, was genau die Gemeinde der Extension-Entwickler realisiere. Entgegen nahm ihn der Entwickler des Add-ons selbst, Wladimir Palant, den Mozilla eigens zu diesem Zweck von Köln nach Hannover brachte. Auch er wies bescheiden auf die Leidenschaft der Community hin.

Die über 200-köpfige Jury aus Journalisten sowie Open-Sourceler aus Wirtschaft und Projekten bestimmten Android als Preisträger der Kategorie "Best Open Source Contribution for Mobile Devices". In der Laudatio sagte der Knoppix-Erfinder Klaus Knopper, der - wie gewohnt - seine Späße machte: Es gäbe doch tatsächlich Leute, die diese kleinen Geräte mit ihren merkwürdigen Prozessoren und dem begrenzten RAM in die Hände nehmen (er selbst sei lange Handy-Verweigerer gewesen). Ines Wasner von Google Deutschland, die den durchsichtigen Linux New Media Award an Stelle der Android-Entwickler entgegennahm: "Der Award ist für uns eine Motivation, Android noch besser zu machen."

Wie letztes Jahr räumt Intel auch 2010 den Preis für den Open-Source-freundlichsten Hardware-Hersteller ab. Als Laudator wies Rico Barth, Gründer und Geschäftsführer des OTRS-Spezialisten Cape IT, in seiner Eigenschaft als zweiter Vorsitzender des Linux-Verbandes Live besonders auf das Open Source Technology Center hin, das sich unermüdlich speziell um Linuxtreiber bemühe. Den Preis nahm der Business Developer Manager (EMEA) Wolfgang Rosenberg entgegen. Der Intel-Veteran - er arbeitet dort seit über 20 Jahren - betreut unter anderem Independent Software Vendors für das Intel Atom Developer Program. "Wir werden uns in der nächsten Zeit besonders für Meego einsetzen", versprach er.

Auch Openstreetmap gewinnt den Linux New Media Award als Anerkennung für das "Most Innovative Open Source Project". Markus Feilner, stellvertretender Chefredakteur des Linux-Magazin und begeisterter Map-Nutzer, fungierte selbst als Laudator. Geographische Systeme liegen ihm sehr am Herzen, hob er an: Ohne Openstreetmap wären diverse Hersteller heute überfordert. Sven Anders, der von Anfang an bei dem Projekt dabei war, nahm den Preis entgegen - er sei, sagte Feilner, seinerzeit Straßen mit dem Kinderwagen abgelaufen. Dieser sagte bei der Preisübergabe, die mittlerweile Viertel Million Mitglieder (entgegen 100.000 Benutzer im letzten Jahr) stelle das Projekt vor Herausforderungen. Aber Nutzer wie Geizhals.de bestätigen das Projekt in seiner Arbeit: "Die haben uns erzählt, dass sie lieber uns als Google Maps nehmen, damit niemand unsere Kunden ausspionieren kann".

In der Kategorie "Outstanding Contribution to Open Source" griff die Jury in die Vollen und verlieh den Preis kurzerhand an das ganze Linux-Projekt. Der Laudator war denn auch Jim Zemlin, CEO der Linux Foundation und Arbeitgeber von Chief-Kernelentwickler Linus Torvalds. Stellvertretend nahm Hans-Joachim Picht die Trophäe in Empfang, dessen erste Linux-Installation auf 1995 datiert und der beruflich als Kernelentwickler für IBM tätig ist. "Seht ihn Euch an", sagte Zemlin in Richtung des Preisträgers, der Anzug, Krawatte und geschlossene Schuhe trug: "Eigentlich sieht er gar nicht repräsentativ für die Kernel-Community aus."

Erratum: In der ursprünglichen Version dieses Artikels war zu lesen, das der Adblock-Entwickler Wladimir Palant in den Niederlanden wohne. Das ist nicht korrekt, worauf er uns hinwies, sondern er wohnt in Köln.

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