Open Source im professionellen Einsatz

Brendan Eich kritisiert DRM-Entwicklung im W3C

24.10.2013

Brendan Eich, Javascript-Erfinder und CTO von Mozilla, kritisiert die aktuelle Entwicklung von DRM unter dem Schirm des W3C. Mozilla sei nicht generell gegen DRM, wenn die Benutzer des Browsers das wünschen, aber der aktuell eingeschlagene Weg sei falsch.

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Eichs Kritik richtet sich gegen die aktuelle Unterspezifizierung von DRM im Rahmen der Encrypted Media Extensions (EME), die unter dem Dach von HTML 5 entwickelt werden (Linux-Magazin berichtete). Aufgrund dieser müssten Browser, die DRM unterstützen möchten, zukünftig verschiedene Plugins für diverse Betriebssysteme supporten. Das aber habe nichts mit der Standardisierungsaufgabe des W3C zu tun. Dem Konsortium wirft er vor, lediglich die Interessen der zahlenden Mitglieder zu vertreten, nicht aber für Standards und ein offenes Web zu sorgen.

DRM verstoße nicht nur gegen die Interessen der User, etwa an einer Fair-Use-Regelung, sondern lasse sich auch nicht als EME API in Open-Source-Projekte implementieren. Zudem würden die Content Decryption Modules (CDM) analog zu Active-X-Komponenten funktionieren: Sie seien verschieden für alle Betriebssysteme und eventuell nur für den Standardbrowser des Betriebssystems verfügbar. Er arbeite weiterhin zusammen mit anderen Anbietern an einer Watermark-Lösung und verweist zudem auf einen Bugreport zur EME-Entwicklung, der die Interoperabilität von CDMs anmahnt.

In den Kommentaren widerspricht Jeff Jaffe vom W3C. Bisher sei EME nur ein Entwurf und das W3C habe diesem gegenüber keinerlei Position eingenommen oder eine Spezifikation akzeptiert. Mozilla könne gern Kritik anmelden und es sei nicht geplant, DRM in HTML 5 zu integrieren.

Dem widerspricht Eich. Es sei Mark Watson von Netflix gewesen, der die CDM-Spezifikation als "unterspezifiziert" bezeichnet habe. Watson entwickelt EME vornehmlich zusammen mit Mitarbeitern von Microsoft, Apple und der BBC. Das W3C verfolge die Diskussionen auf der Mailingliste seit geraumer Zeit, so Eich, und er wäre doch sehr überrascht, wenn es mit seiner Kritik schlicht abwarte, bis die Spezifikation fertig sei. Die Kritik käme dann auch recht spät, weil es bereits erste Implementierungen von EME in der freien Wildbahn gibt: Netflix nutzt EME in Verbindung mit dem IE 11 unter Windows 8.1, auch für Chrome OS gibt es eine Implementierung (Linux-Magazin berichtete). Zudem weist Eich darauf hin, dass Netflix EME sehr wohl als HTML-5-Erweiterung sehe und zitiert den bereits genannten Mark Watson.

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