Auf dem Titelbild dieses Linux-Magazins hat ein Admin ein paar Turnschuhe an den Nagel – pardon: an den Monitor – gehangen. Das ist natürlich symbolisch, und mahnt das Ende der so genannten Turnschuh-Adminstration an. Diese degradiert das für die Desktoprechner im Unternehmen zuständige Servicepersonal zum Fußvolk im Doppelsinne: Eigentlich IT-hochqualifiziert verbringen sie einen Teil des Tages unterwegs zwischen Abteilungen.
Am Ort des Problems angekommen, verrinnt ein weiterer Teil der wertvollen Zeit dadurch, dass sie die praktisch in kaum einem Betrieb homogene Hardware erst auch noch bestimmen müssen, Stichwort: Hardwarezoo. Bei der Betriebssystemkonfiguration gehts in aller Regel ähnlich bunt und unvorhersehbar weiter: Desktops-PC mit historisch gewachsener Software in unterschiedlichen Revisionsständen sorgen beim zuständigen Admin für Vollbeschäftigung der unerwünschten Art.
Das Titelthema dieser Ausgabe zeigt fünf Methoden und insgesamt Dutzende Software-Pakete, die durch Vereinheitlichung Komplexität aus dem System nehmen und so Admins den Raum für wirklich Wichtigeres verschaffen – die Verbesserung der IT.
Weg vom bunt konfigurierten PC
Der erste Artikel ist zugleich der längste. Er betrachtet sechs aktuelle Produkte, die Desktopsoftware als Ganzes auf den Server verlegen. Das mag im ersten Moment widersinnig erscheinen, macht die Pflege des Softwarebestandes aber dramatisch einfacher. Außerdem muss sich der Admin nur noch mit der Abhängigkeit zu einer Hardware, die des Servers, kümmern und kann so HA-Anforderungen für die vielen Arbeitsplätze überhaupt erst umsetzen.
Der zweite Artikel vereinheitlicht “nur” die Anwendungen selbst, indem er eine möglichst große Zahl davon als Webapplikationen auslegt. Die liegen wieder zentral auf dem Server, jeder Browser reicht als Client. Der nächste Artikel führt genau diese Konzept auf moderne Art weiter, indem er vorschlägt, die Anwendungen gleich von einem externen Dienstleister betreiben und warten zu lassen – denn nichts anderes ist Public Cloud Computing.
Google wäre nicht Google, wenn es nicht stets (und mit Erfolgen) in neue IT-Bereiche eintreten würde – so auch beim Thema Betriebssysteme. Die Redaktion hat sich das vom Hersteller immer wieder verzögerte Chrome OS angesehen und überprüft, ob es etwas zum Vereinheitlichen der PCs der Zukunft beitragen kann. Der Schwerpunkt schließtmit dem recht neuen Vorschlag, wenigstens grundsätzlich das Betriebssystem auf dem Desktop zu virtualisieren.
Bittere Pille
Die meisten Artikel des Schwerpunkts halten sich bewusst aus der Diskussion um das beste PC-Betriebssystem heraus. Zu oft schon wurde in den letzten Jahren der Durchbruch von Linux auf dem Desktop prophezeit – auch in diesem Magazin. Von wunderbaren Leuchtturm-Projekten abgesehen spiegelt die Realität diesen ebenso wünschenswerten wie durch technische und lizenzrechtliche Vorteile prima begründbaren Trend leider nicht wider.
Die vorgestellten Desktop-Strategien bringen gleichwohl Linux für den Desktop in eine günstigere Position, indem sie geforderte Funktionalität transferieren, weg vom Schreibtisch-PC hin zu Terminal-, Web- und Cloud-Servern. Das mindert die Bedeutung des Desktopsystems und macht es leichter sich zu entscheiden für: Alles Linux.





