Aus Linux-Magazin 01/2010

Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

E Abbildung 5: Die Mediainfo-Kommandozeilenversion präsentiert ihre Informationen auf der Shell - ideal zur Weiterverarbeitung in Skripten.

Über Büros, Arbeits- und Wohnzimmer hat der PC auch die Kinderzimmer erreicht. Linux erweist sich dabei als nützlicher Begleiter: Das Malprogramm Tux Paint liegt jetzt in einer neuen Version vor. Das Programm Mediainfo analysiert Multimediadateien. Passend zum Augenschmaus gibt es Bienenstich zu schlemmen.

Wer den Linux-Nachwuchs spielerisch an das freie Betriebssystem heranführen möchte, sollte sich Tux Paint anschauen [1]. Das Lernprogramm für Kinder ab drei Jahren nähert sich Versionsnummern mit einer 1 vor dem Punkt – die gerade erschienene Ausgabe 0.9.21 demonstriert nach über einem Jahr Release-Pause, dass das Projekt weiterhin existiert und Fortschritte macht.

Kunst am Rechner

Die Basisfunktionen von Tux Paint erfüllen die Erwartungen eines einfachen Malprogramms. Zahlreiche Pinseltypen stehen zur Auswahl, mit denen die kleinen Künstler die Fläche bemalen. Außer einfachen Linien bietet Tux Paint amüsante Spezialmuster. Die Katzen- und Eichhörnchen-Pinsel verändern sich so, dass der Eindruck entsteht, das Tier hüpfe über den Bildschirm (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Tux Paint führt Kinder ans virtuelle Zeichenbrett. Die Lernsoftware präsentiert sich verspielt und freundlich, fördert die Kreativität und die Feinmotorik.

Abbildung 1: Tux Paint führt Kinder ans virtuelle Zeichenbrett. Die Lernsoftware präsentiert sich verspielt und freundlich, fördert die Kreativität und die Feinmotorik.

Die grafische Oberfläche von Tux Paint zeigt sich besonders kindgerecht. Die Schaltflächen zur Auswahl von Pinseln und Farben sind ausreichend groß und die darauf verwendeten Symbole aussagekräftig. Am unteren Fensterrand assistiert ein freundlicher Pinguin und gibt einfache Hinweise; um Tux verstehen zu können, sollte der kleine Künstler jedoch schon richtig lesen können.

Eine akustische Untermalung beugt aufkommender Langeweile der jungen Benutzer vor. Je nach Auswahl und Verwendung bestimmter Pinselmuster ändert sich die Geräuschkulisse. Die so genannten Stamps, also die Muster für das Stempelwerkzeug, sind erweiterbar. Auf der Tux-Paint-Homepage stehen einige Vorschläge zum Download bereit. Wer lieber selbst kreativ werden möchte, erstellt ein Stamp-Bild im PNG-Format und ergänzt es optional um einen Klang im Ogg-Vorbis-Format.

Spaß und Grenzen

Wohl auch um die Nerven von Aufsichtspersonen zu schonen, bietet das Programm die Möglichkeit, die beschriebene Tonbegleitung abzuschalten. Das eigenständige Programm Tux Paint Config erledigt dies im Handumdrehen. Das Einrichtungsprogramm bietet darüber hinaus an, Tux Paint ausschließlich im Vollbildmodus zu betreiben oder den Mauszeiger zu fangen.

Beides verhindert hoffentlich, dass die Nachwuchsmaler versehentlich andere Programme aufrufen, Dateien manipulieren oder anderen unerwünschten Nebenbeschäftigungen nachgehen. Unterbindet man zudem die »Quit«-Funktion, verwandelt sich der Rechner temporär in einen reinen Mal-PC (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Konfiguration von Tux Paint findet in einem eigenen Programm statt, sodass das Malprogramm mit einer völlig zweckgerichteten Oberfläche auskommt.

Abbildung 2: Die Konfiguration von Tux Paint findet in einem eigenen Programm statt, sodass das Malprogramm mit einer völlig zweckgerichteten Oberfläche auskommt.

Eltern oder Pädagogen dürfen noch mehr Grenzen setzen. So schränken sie beispielsweise die Druckfunktion ganz oder auf eine bestimmte Anzahl von Seiten pro Minute ein und verhindern damit versehentliche Mehrfachdrucke und ungewollte Druckorgien.

Einen richtigen Sicherheitstest besteht Tux Paint freilich nicht – in vielen Fällen ist es sogar mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich, Schranken zu umgehen. Die einschränkenden Maßnahmen zielen nicht darauf ab, Kinder autoritär in ein

Mitmalen und Mitmachen

Wer das Malprogramm für den Tux-Nachwuchs unterstützen will, findet auf der Projekt-Homepage zahlreiche Einstiegspunkte. Es gibt dort Flyer, Broschüren und CD-Labels zum Ausdrucken sowie Anleitungen für zukünftige Übersetzer. Bislang spricht die Tux-Paint-Oberfläche knapp 20 Sprachen, darunter Deutsch und Englisch. Das Programm läuft übrigens nicht nur unter Linux – auch unter Windows und Mac OS X greifen Kinder zum Tux-Paint-Pinsel.

Das Tux-Paint-Team sucht sowohl Künstler, welche die grafische Oberfläche weitergestalten, als auch Programmierer, die sich um interne Funktionen kümmern. Gerade in dieser Kategorie scheint großer Bedarf zu bestehen – zumindest bis Redaktionsschluss führte ein Bug bei der Verwendung von Pulseaudio zum Absturz des Malprogramms.

enges Konzept zu pressen, sondern sollen vor allem Unfälle verhindern und die Benutzung erleichtern.

Ab auf die Couch!

Während die lieben Kleinen unter der Aufsicht des Pinguins malen, können Eltern inzwischen beruhigt die Füße hochlegen … Der Wohnzimmer-PC hat sich innerhalb weniger Jahre von der Vision zum Alltagsgegenstand entwickelt. Es gehört nicht mehr nur bei Computer-Nerds zum guten Ton, Fernseher, Radio, Videorekorder, DVD- und CD-Player durch einen Rechner zu ersetzen. Das große Plus des Multimedia-Alleskönners: Er gibt Dateien und Medien gleich welcher Art aus, spielt Musik und Videos ab, präsentiert Bilder und vieles mehr, was die menschliche Kreativität zutage fördert.

Doch als wäre es ein Naturgesetz, schwebt über dem PC-Alltag ständig ein Damoklesschwert, das allzu reibungslos funktionierende Abläufe bedroht. Im Multimediabereich heißt dieses Schwert Codec. Das Kunstwort setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen “coder” und “decoder” und bezeichnet einen Algorithmus zur (De-)Kodierung von Daten. Im Multimediabereich sind das vor allem Töne und bewegte Bilder. Vermutlich ist der überwiegende Teil der Linuxer schon über Codec-Probleme gestolpert, wenn der Rechner die Wiedergabe eines Videos verweigerte. Mal fehlt das Bild, mal der Ton, mal beides.

Die großen Fortschritte in der Kompression digitalisierter Multimediadaten haben die Komplexität des Themas in ungeahnte Höhen getrieben. Dazu tragen nicht nur technische Entwicklungen, sondern auch Lizenzen und Patente ihren Teil bei. Der Normalanwender muss schnell einsehen, dass die naive Suche nach dem richtigen Codec für eine Datei mit der Endung ».avi« (Audio Video Interleave [2]) meist in unübersichtliche Gebiete führt. Um in den erlauchten Kreis der Multimedia-Experten aufgenommen zu werden, gilt es zunächst, den Unterschied zwischen Container-Formaten und Codecs zu lernen.

Eine AVI-Datei enthält lediglich zusammengehörige Audio- und Videospuren, die jeweils mit variierenden Algorithmen kodiert sind. Zahlreiche Audio- und Video-Codecs sowie Container-Formate ergeben vielfältige Kombinationsmöglichkeiten und damit auch potenzielle Fehlerquellen. In den meisten Fällen (übrigens weitgehend unabhängig vom verwendeten Betriebssystem) genügt es, eine Komponente nachzuinstallieren, die den Umgang mit den entsprechenden Codecs ermöglicht.

Decoder entschlüsseln

In der Praxis ist das größte Problem meist nicht die Installation, sondern herauszufinden, welcher Codec überhaupt fehlt. Das Programm Mediainfo [3] schafft Abhilfe (Abbildung 3). Es kennt rund 30 Container-Formate und die meisten gängigen Codecs. Füttert man die Software mit einer Multimediadatei, verrät sie die Namen der zur Kodierung verwendeten Algorithmen, also die Namen der zur Wiedergabe benötigten Codecs.

Abbildung 3: Mediainfo gibt Auskunft: Das Programm zeigt technische Details und zusätzliche Tag-Informationen von Video- und Audiodaten in Container-Dateien an.

Abbildung 3: Mediainfo gibt Auskunft: Das Programm zeigt technische Details und zusätzliche Tag-Informationen von Video- und Audiodaten in Container-Dateien an.

Mediainfo analysiert Dateien und zeigt in der Standardansicht zunächst nur allgemeine Informationen wie die in einem Container enthaltenen Dateien (Video, Ton und Text), die Wiedergabelänge, die Dateigröße und gegebenenfalls in der Datei gespeicherte Metadaten (Titel-, Autoren- und Copyright-Informationen). Dabei berücksichtigt Mediainfo, dass viele Container-Formate mehrere gleichartige Inhalte beherbergen können, also beispielsweise verschiedensprachige Tonspuren für einen Film.

Experten befragen das Programm optional nach der Größe enthaltener Bilder und der Sampling-Rate von Tonspuren. Eine Textansicht bereitet die Informationen so auf, dass der Anwender sie bequem per Copy & Paste weiterverwenden kann (siehe Abbildung 4). Alternativ arbeitet das auskunftsfreudige Programm auf der Kommandozeile und kooperiert auch mit Skripten aller Art (Abbildung 5). Ein typisches Einsatzgebiet wäre etwa die automatische Konvertierung von Dateien, die einen bestimmten Codec einsetzen. Die etwas unübersichtliche Ausgabe stutzt der Anwender sich vorher mit »grep« und Konsorten zurecht.

G Abbildung 4: Wer die von Mediainfo ermittelten Daten per Copy & Paste extrahieren möchte, findet sie im Textmodus passend aufbereitet vor.

G Abbildung 4: Wer die von Mediainfo ermittelten Daten per Copy & Paste extrahieren möchte, findet sie im Textmodus passend aufbereitet vor.

E Abbildung 5: Die Mediainfo-Kommandozeilenversion präsentiert ihre Informationen auf der Shell - ideal zur Weiterverarbeitung in Skripten.

E Abbildung 5: Die Mediainfo-Kommandozeilenversion präsentiert ihre Informationen auf der Shell – ideal zur Weiterverarbeitung in Skripten.

Die liebe Verwandtschaft

Mediainfo steht unter einer freien Lizenz (GPL oder LGPL, laut Homepage) und informiert unter Windows, Mac OS X und allen gängigen Linux-Distributionen. Das ursprünglich unter Windows entwickelte C++-Programm bietet unter Linux leider noch nicht alle Funktionen im GUI; die Windows-Variante kennt mehr Konfigurationsmöglichkeiten und Darstel- lungsoptionen. Der Grund für diese Verluste beim Portieren ist, dass die unter Windows verwendete Grafikbibliothek VLC für Linux nicht existiert. Ein Neuanfang mit der plattformunabhängigen Bibliothek Wxwidgets [4] war deshalb notwendig. Projekt-Maintainer Jerome Martinez sucht aus diesem Grund speziell nach Linux-Programmierern, die sich mit dieser freien Bibliothek auskennen.

Achtung, Bienenstich!

Für den Teig: 500 g Mehl, 100 g Zucker, ein Päckchen Frischhefe (zirka 42 g), 250 ml lauwarme Milch, ein Ei, 50 g weiche Butter, eine Prise Salz. Für die Füllung: zwei Pakete Puddingpulver Vanille, 750 ml Milch, 100 g Zucker, ein Eigelb, 300 ml Schlagsahne. Für den Belag: 100 ml Schlagsahne, 50 g Butter, zwei Esslöffel flüssigen Honig, 100 g Zucker und 200 g gehobelte Mandeln.

Die Hefe in das Mehl bröseln, einen Tee- löffel Zucker und ein bisschen Milch hinzugeben und alles verrühren. Den Teig an einem warmen Ort zirka 5 Minuten gehen lassen. Den übrigen Zucker, Milch, Ei, Butter und Salz hinzufügen und alles gut miteinander verkneten. Den Teig nochmals 30 Minuten gehen lassen. Für die Füllung den Pudding mit der Milch und dem Zucker zubereiten. Etwas abkühlen lassen und dann das Eigelb unterrühren. Den Pudding erkalten lassen. Für den Belag die Sahne mit der Butter, dem Honig und dem Zucker kurz aufkochen und die Mandeln dazugeben.

Den Ofen auf 200 Grad vorheizen. Backpapier auf ein Blech legen und den Teig darauf ausrollen. Die Masse für den Belag daraufstreichen, 10 Minuten gehen lassen. Dann den Kuchen 20 Minuten backen. Den fertigen und kalten Teig in Kuchenstücke schneiden und jeweils halbieren. Sahne schlagen und unter den Pudding heben. Die Creme auf die untere Kuchenhälfte streichen und das obere Stück drauflegen – viel Spaß beim Schlemmen!

Infos

Infos [1] Tux Paint: [http://tuxpaint.org]

[2] AVI RIFF File Reference: [http://msdn.microsoft.com/de-de/library/ms779636.aspx]

[3] Mediainfo: [http://mediainfo.sourceforge.net]

[4] Wxwidgets: [http://www.wxwidgets.org]

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