Vaida, Fotolia.com
Vierte Betaversion von Thunderbird 3 im Test
Vogelflug im Winter
von Hans-Georg Eßer
Erschienen im Linux-Magazin
2009/12
Thunderbird, das Mailprogramm des Mozilla-Projektteams, ist der weniger bekannte Bruder des populären Webbrowsers Firefox. Zu Unrecht, denn die für den Winter geplante Version 3 bringt neue Features, die ihn einmal mehr als Standardmailer empfehlen.
Thunderbird 2 ist die aktuelle Version des Mailprogramms aus dem Hause Mozilla, ehemals Netscape. Während das alte Universaltool Mozilla unter dem Namen Seamonkey noch ein wenig weiterlebt, setzen die meisten Anwender auf Firefox und Thunderbird. Version 2 des Mailers ist im April 2007 erschienen und damit ein wenig in die Jahre gekommen. Die Entwickler veröffentlichen allerdings gelegentlich Updates. Seit Anfang 2008 ist der große Nachfolger, Thunderbird 3, in der Mache und Ende September legte das Team die vierte Betaversion auf die FTP-Server. Die endgültige Fassung soll im Winter 2009/10 erscheinen.
Mail-Tabs statt Fenster
Bisher war das Feature in erster Linie von Webbrowsern bekannt: Tabs integrieren bequem die Anzeigen mehrerer Webseiten oder Dokumente in einem einzigen Programmfenster. Das beherrscht auch die neue Thunderbird-Version: Per Doppelklick auf eine Nachricht öffnet das Mailprogramm diese nicht wie bisher in einem neuen Fenster, sondern erzeugt einen Tab. Wer seine neuen Mails schnell durchsieht, kann so bequem wichtige Nachrichten in Tabs öffnen und damit fürs spätere Lesen vormerken.
Neue Tabs dürfen Anwender auch im Hintergrund öffnen, um den aktuellen Reiter, also die Übersicht der Nachrichten, im Vordergrund zu behalten. Direkt mit den neuen Tabs verbunden ist, dass Thunderbird jetzt auch eine Session-Verwaltung enthält: Schließt der Anwender das Programm, während mehrere Tabs geöffnet sind, erscheinen diese beim nächsten Start automatisch wieder.
Power-Suche
Deutlich verbessert präsentiert sich die Suchfunktion, und das gleich mehrfach. Wo bei Firefox die Eingabebox für die Google-Suche liegt, gibt es jetzt auch bei Thunderbird ein Eingabefeld. Trägt der Anwender hier einen Begriff ein, startet das Mailprogramm eine Suche, und zwar in allen eingerichteten Accounts. Das mehrfache Wiederholen einer Suche für verschiedene Empfangsadressen findet damit ein Ende. Das Suchen-Eingabefeld bietet in begrenztem Umfang sogar eine Auto-Completion: Tippt der Nutzer Teile einer aus dem Adressbuch bekannten Mailadresse ein, schlägt Thunderbird 3 sie als Kriterium vor (Abbildung 1).

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Abbildung 1: Ist der Suchbegriff eine Mailadresse, schlägt Thunderbirds Suchfunktion via Auto-Completion bekannte Adressen vor.
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Richtig komfortabel wird es dann, wenn Thunderbird die Ergebnisse der Suche präsentiert. Sie erscheinen in einem neuen Tab, und neben den wichtigsten Header-Informationen wie Betreff, Datum, Sender und Empfänger stehen auf der Ergebnisseite auch jeweils die ersten fünf Zeilen der Mails (Abbildung 3). Links von den Treffern zeigt das Programm zudem eine Liste von Adressen und Ordnern an, ein Klick auf einen dieser Einträge definiert einen neuen Filter, den es auf die gefundenen Mails anwendet. So bleiben nach wenigen Klicks nur noch die relevanten E-Mails übrig. Wählt der Anwender einen der Treffer aus, öffnet sich ein weiterer Tab, der die Nachricht anzeigt.

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Abbildung 3: Suchergebnisse zeigt Thunderbird übersichtlich an und erlaubt dabei, mit einfachen Mausklicks Filter zu Absendern und Ablageorten zu erstellen, die die Trefferzahl reduzieren.
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Rechts oben im Suchergebnisse-Tab gibt es ein kleines Icon in Form mehrerer Säulen. Klickt der Anwender darauf, erscheint eine übersichtliche Zeitleiste, die darstellt, in welchem Zeitraum wie viele der gefundenen Mails eingegangen sind. Diese Anzeige beschränkt sich nach weiteren Klicks auf bestimmte Zeiträume, etwa Jahre, Monate oder Wochen; Abbildung 3 zeigt eine Jahresübersicht. Gehört das ausgewählte Ergebnis zu einer längeren Konversation, zeigt Thunderbird den gesamten Thread an: Das macht es leichter, die gefundene Nachricht im Zusammenhang zu sehen. Den klassischen Suchdialog, der auch Einschränkungen wie ein bestimmtes Alter der Nachrichten erlaubt, gibt es weiterhin.
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