Aus Linux-Magazin 12/2009

Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

Freie Software verhilft nicht nur Programmierern und Benutzern zu reicher Freiheit, sondern lindert auch Armut: Gnusolidario stattet Krankenhäuser mit dem Open-ERP-Aufsatz Medical aus. Mit Gosm gibt es außerdem eine freie Alternative zu Google Earth .

Freie Software und humanitäre Projekte bilden ein gutes Team. Die Gründe liegen auf der Hand: Zum einen haben gerade ärmere Regionen oftmals nicht das nötige Geld, um existierende proprietäre Lösungen zu kaufen. Zum anderen besteht eine ideelle Verwandtschaft zwischen dem Gedanken, freie Software für alle zu entwickeln, und der freiwilligen Hilfe für Bedürftige.

Bildung und Gesundheit

Allgemein betrachtet gehören fehlende Bildungsmöglichkeiten und eine unzureichende Gesundheitsversorgung zu den akuten Problemen der Menschheit. Für beide reicht eine passende Software-Ausstattung keineswegs als Problemlöser aus, sie könnte aber immerhin die Effizienz vorhandener Ressourcen erhöhen. Das argentinische Projekt Gnusolidario [1] setzt an dieser Stelle an und definiert sich selbst als Portal, das freie Projekte aus den Bereichen Bildung und Gesundheit bündelt. Damit ist nicht nur Software selbst gemeint, es betrifft auch Projekte, die beispielsweise alte Schulcomputer in armen Regionen durch die Installation freier Software nutzbar machen.

Im Gesundheitsbereich ist die Software Medical [2] das Aushängeschild von Gnusolidario (siehe Abbildung 1). Medical basiert auf der freien Wirtschaftsverwaltungs-Anwendung Open ERP [3] und erbt somit alle vorhandenen Features dieses ausgereiften Projekts. Dazu zählt auch die gut skalierbare Installation, die den Einsatz von Medical sowohl auf leistungsschwachen PCs kleinerer Arztpraxen als auch auf großen Servern in Krankenhäusern ermöglicht. Insbesondere in letzterem Szenario spielt auch das von Open ERP geerbte feingliedrige Sicherheitssystem eine wichtige Rolle, weil es den Zugriff auf die potenziell sensiblen Patientendaten einschränkt.

Daten aller Art

Auch sonst lässt sich Medicals Verwandtschaft zu Open ERP kaum übersehen. Statt Kunden gibt es dort aber Patienten, und deren Daten unterscheiden sich naturgemäß von denen eines Geschäftspartners. So erhält der Arzt bei Medical die Möglichkeit, die medizinische Vorgeschichte und die Entwicklung seiner Patienten zu speichern. Darunter versteht Medical nicht nur die einschlägigen Fakten wie Allergien und vorherige Krankheiten, sondern auch Hintergrunddaten, die die Gesundheit indirekt beeinflussen: sozialer und ökonomischer Status, Familiengeschichte, Ausbildung, Wohnbedingungen, Ernährungsgewohnheiten und das Sexualleben.

Zu jedem Patienten lassen sich externe Dateien wie zum Beispiel Fotos oder Röntgenbilder speichern (siehe Abbildung 2). Spezielle Modi erfassen unter anderem Neugeborene (siehe Abbildung 3). Der modulare Aufbau von Medical erleichtert es im Falle weiterer Besonderheiten, entsprechende Erweiterungen zu implementieren.

Darüber hinaus kümmert sich Medical auch um die Organisation der medizinischen Einrichtung. Die Software erstellt Rechnungen und führt Buch über die Angestellten, die ein- und ausgehenden Vorräte sowie deren Bezahlung. Ein Kalender zur Terminplanung steht ebenfalls zur Verfügung (siehe Abbildung 4). Das Medical-Team hat auch an die statistische Erfassung von Daten zur Erforschung und Eindämmung von Krankheiten gedacht. So bietet es mehrere medizinische Standardformate für den Austausch von Daten aus verschiedenen Quellen an. Insbesondere bei der Seuchenbekämpfung spielt diese Funktion eine wichtige Rolle; die zuvor erwähnte Möglichkeit, soziale Hintergrunddaten zu sammeln, hilft bei der Ursachenforschung.

Im Einsatz

Seit Januar dieses Jahres läuft in La Rioja im Norden Argentiniens ein Medical-Musterprojekt. Dort entfaltet die Software ihr ganzes Potenzial, denn die Mitarbeiter vor Ort legen umfangreiche Statistiken über die gesundheitlichen und sozialen Rahmenbedingungen in den Dörfern dieser eher armen Region an. Diese sollen sowohl bei der direkten Versorgung der Bewohner helfen als auch Informationen über gegebenenfalls notwendige Maßnahmen an das Gesundheitsministerium liefern. Der Projektaufbau zeigt, dass Medical keine speziellen Ansprüche stellt: Das System läuft auf einem gewöhnlichen Ubuntu-System mit einer PostgreSQL-Datenbank.

Des Weiteren kooperiert Gnusolidario mit dem argentinischen Leukämieforschungszentrum Fundaleu [4]. Seit Mai 2008 arbeitet das Gnusolidario-Projekt daran, das an Fundaleu angeschlossene Krankenhaus mit Linux-Laptops zu versorgen und die Computer-Infrastruktur der gesamten Institution mittels freier Software zu verbessern.

Im Bildungsbereich fehlen bislang derart umfangreiche Lösungen. Glücklicherweise haben sich zahlreiche freie Projekte dieses Themas angenommen. In vielen Fällen ist es schon hilfreich, Desktop-PCs und Server einzurichten, damit Schüler und Lehrer einen kostengünstigen Zugriff auf Lernsoftware und das Internet erhalten. Gnusolidario hilft beim Aufbau einer Linux-basierten Netzwerkstruktur in der Schule von Los Pereyra in der argentinischen Provinz Santiago del Estero.

Karten für den Desktop

Das Duo Google Maps [5] und Google Earth [6] ist hinlänglich bekannt. Der Webdienst und die Desktopsoftware sind abgesehen von einigen Zusatzfeatures kostenlos, aber keineswegs frei. Der Anwender darf das Google-Kartenmaterial nicht anderweitig einsetzen. Das war für das Projekt Openstreetmap [7] bereits vor über fünf Jahren Grund genug, eine wirklich freie Alternative zu Google Maps ins Leben zu rufen. Sie basiert auf dem Wiki-Prinzip: Jeder User steuert Informationen bei, die zusammen eine inzwischen in vielen Regionen der Erde beinahe flächendeckende Landkarte im World Wide Web bilden (siehe Artikel im GPS-Schwerpunkt dieses Hefts).

Für den Entwickler Sebastian Kürten dient Openstreetmap als Inspiration und Grundlage für eine ebenfalls freie Alternative zu Google Earth. Sein Projekt Gosm (GTK Openstreetmap Tool, [8]) fungiert analog zu Google Earth als Desktop-Programm, das die Daten aus Openstreetmap in einer eigenständigen Benutzeroberfläche präsentiert (siehe Abbildung 5). Statt des in Openstreetmap verwendeten Tools Osmarender [9] greift Gosm bei der grafischen Darstellung des Kartenmaterials auf Mapnik [10] zurück. Das führt zu einer feineren und dadurch übersichtlicheren Anzeige. Davon kann sich der Anwender selbst überzeugen, denn Osmarender steht als Alternativmodus ebenfalls zur Verfügung.

Mit dem »Cycle«-Modus verfügt Gosm über ein einzigartiges Feature. Statt der gewöhnlichen Straßen stellt es Fahrradwege in den Vordergrund (siehe Abbildung 6), sodass der Planung des nächsten Zweiradurlaubs nichts mehr im Wege steht – außer der Tatsache, dass noch nicht alle Regionen vollständig erfasst sind.

Hase und Igel

Openstreetmap und Gosm können in einigen Punkten (noch) nicht mit dem mächtigen Konkurrenten Google mithalten. Das betrifft vor allem die Geschwindigkeit der Server, wodurch gelegentlich Wartezeiten entstehen, die jedoch glücklicherweise nicht lange genug sind, um nervenaufreibende Pausen entstehen zu lassen. Darüber hinaus kann Google vollständigeres Kartenmaterial vorweisen. Openstreetmap und auch Gosm verfügen bisher nicht über Routenplaner, die Programme messen lediglich die Distanz per Luftlinie. Zudem gibt es in Gosm keine Suchfunktion, sondern nur eine lange Liste der verzeichneten Orte. Durch Eingabe der Anfangsbuchstaben springt der Benutzer zwar schnell zur richtigen Stelle, aber dies ersetzt eine richtige Suchfunktion leider nicht.

Gosm zeigt dennoch deutlich, wo die Vorteile freier Software – oder in diesem Fall freier Daten – liegen. Das »Export«-Feature erlaubt es, ausgewählte Kartenbereiche als PNG-Bilddatei zur weiteren Verwendung abzuspeichern. Genau diese Möglichkeit bleibt Nutzern proprietären Kartenmaterials aus rechtlichen Gründen verwehrt. Ein spezieller »Atlas«-Modus konstruiert eine Karte als eine Reihe von Bilddateien oder als PDF, das sich völlig legal etwa zum Ausdrucken, Mitnehmen und Weiterverwenden eignet. Dabei definiert der Benutzer das Papierformat nach Wunsch, wodurch sich Detailtiefe und Gesamtgröße ergeben.

Für die Fahrradtour gibt es also die anvisierten Wege im Westentaschenformat, während der Trip im Wohnmobil durch Nordamerika die Mitnahme von umfangreichen Karten nahelegt.

Heimspiel

Gosm funktioniert auch ohne Internetverbindung, wenn das entsprechende Material auf der Festplatte vorliegt. Beim Durchstöbern der Welt speichert das Programm automatisch alle vom Server geladenen Daten in einem lokalen Cache-Verzeichnis, sodass mehrfache Downloads nicht nötig sind. Diese Daten landen jedoch in der Voreinstellung im »/tmp«-Verzeichnis. Das System entfernt sie somit nach einer gewissen Zeit wieder. Um dies zu verhindern, definiert der Benutzer im Einstellungsdialog einen anderen Ort für das Cache-Verzeichnis, und schon kann er bereits erkundete Gebiete auch ganz ohne Netzverbindung betrachten.

Gosm-Entwickler Kürten ist potenziellen Helfern gegenüber aufgeschlossen. Wer sich am Projekt beteiligen will, nimmt formlos per Mail Kontakt auf. Auch Nichtprogrammierer helfen natürlich Gosm, wenn sie Openstreetmap unterstützen. Kartografen aller Art sind gesucht; sie können mit dem GPS-Gerät bisher nicht kartografiertes Gelände erschließen, Straßen zeichnen oder kategorisieren und vieles mehr. Näheres dazu verrät das Openstreetmap-Wiki.

Moussaka

Zutaten: 1 bis 2 Auberginen, 150 ml Olivenöl, 1 Zwiebel, 450 g Rinderhackfleisch, ein Glas Weißwein, 350 g frische Tomaten, 1400 g gehackte Tomaten aus der Dose, ein Teelöffel Zimt, ein Teelöffel Piment, Salz und schwarzer Pfeffer, ein Teelöffel Oregano, 100 g Parmesankäse, ein Teelöffel zerhackte Petersilie, 80 g Butter, 80 g Mehl, 600 ml warme Milch, 2 Eier.

Die Auberginen längs in knapp 1 Zentimeter dicke Streifen schneiden. Etwa 30 Minuten in Salzwasser einlegen. Danach leicht ausdrücken, abwaschen, nochmals ausdrücken und auf etwas Küchenpapier zum Trocknen legen. Danach die Streifen in Öl anbraten, bis sie auf beiden Seiten goldbraun sind.

Die Zwiebeln in Scheiben schneiden und in Öl anbraten. Dann das Hackfleisch hinzugeben und das Fleisch in kleine Stücke zerrühren. Wenn das Fleisch seine Farbe ändert, mit Wein ablöschen und die in Scheiben geschnittenen Tomaten und die Gewürze hinzugeben. Den Topf abdecken und 20 Minuten kochen lassen. Zum Schluss 25 Gramm Parmesankäse und die Petersilie hinzugeben.

Für die Sauce die Butter in einem Topf schmelzen, dann vom Herd nehmen und danach das Mehl unterrühren. Anschließend den Topf wieder auf den Herd stellen und die Milch langsam hinzugeben. Etwa 10 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen und dabei umrühren, bis die Sauce dick geworden ist. Dann den Topf wieder vom Herd nehmen, kurz abkühlen lassen, 25 Gramm Parmesankäse und die beiden Eigelb unterrühren.

Die Hälfte der Auberginen in eine Auflaufform legen und die Hälfte des Fleischs mit der Tomatensauce darübergießen. Dann die restlichen Auberginen und das verbleibende Fleisch hinzugeben und mit der Sauce bedecken. Anschließend den verbleibenden Parmesankäse darüberreiben. Die Auflaufform in den vorgeheizten Ofen stellen und eine Stunde lang bei 180 Grad backen. (hej)

Infos

[1] Gnusolidario: [http://www.gnusolidario.org]

[2] Medical: [http://medical.sourceforge.net]

[3] Open ERP: [http://www.openerp.com]

[4] Fundaleu: [http://www.fundaleu.org]

[5] Google Maps: [http://maps.google.com]

[6] Google Earth: [http://earth.google.com]

[7] Openstreetmap: [http://www.openstreetmap.org]

[8] Gosm: [http://gosm.sourceforge.net]

[9] Osmarender: [http://wiki.openstreetmap.org/index.php/Osmarender]

[10] Mapnik: [http://mapnik.org]

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