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Neues bei Debian

Debianopolis

von Martin Loschwitz
Erschienen im Linux-Magazin 2009/12

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Die Feinarbeit an Debian GNU/Linux 6.0 alias Squeeze beginnt: Multi-Arch-Support und das Zusammenspiel von 32-Bit- und 64-Bit-Programmen in einem System soll es geben, außerdem soll erstmals Kfree BSD eine offizielle Release-Architektur sein. Betreuer von Paketen laden keine kompilierten Pakete mehr hoch, sondern überlassen diese Arbeit Build-Daemons. So sollen Binärpakete nur noch in "kontrollierten Umgebungen" entstehen. Und bei allen Streitigkeiten um die künftige Release-Strategie [1] steht zumindest fest, dass Squeeze bald fertig werden muss.

Für die Release-Manager heißt das, den Testing-Zweig konsistent zu halten. Andreas Barth hat Anfang Oktober stellvertretend für das gesamte Release-Team erklärt, inwieweit Squeeze die einzelnen Architekturen unterstützt [2]. Verwaltet ein Admin demnach Maschinen mit I-386 oder AMD 64, droht - wenig überraschend - kein Ungemach.

Beherbergt allerdings ein Debian-Computer eine Alpha-CPU, wird es eng: Squeeze wird Alpha offiziell nicht unterstützen, weil Ressourcen fehlen. Das bedeutet für Besitzer von Alpha-Rechnern, dass Debian sie nach Ablauf der Lifetime von Lenny nicht mehr unterstützt. Sie müssen manuell für Updates etwa bei Sicherheitsproblemen sorgen.

Der jährliche Stau

Kopfweh bereitet den Release-Managern vor allem die Art, wie Debian an neuen Versionen arbeitet. In den Entwicklerzweig "Unstable" fließen alle Neuerungen, weswegen er für Endanwender praktisch unbenutzbar ist. Wird hier ein Paket käferfrei und sind alle Abhängigkeiten erfüllt, wandert es nach zehn Tagen nach "Testing", der am Ende zu "Stable" wird. Große Bibliotheken sitzen jedoch lange im Test-Status fest und weil viele Pakete von diesen Bibliotheken abhängen, werden die so genannten Library-Transitions regelmäßig zum Nadelöhr (Abbildung 1).


Abbildung 1: Wenn große Bibliotheken den Testing-Zweig verstopfen, weil die von ihnen abhängigen Pakete nicht weiterkommen, entsteht ein Stau. (c) Mankale, Fotolia.com

Die Release-Manager behelfen sich, indem sie neue Versionen ihrer Pakete manuell migrieren, also Ausnahmen im üblichen Paketzyklus erlauben. Die Bibliotheken verschieben sie zu gegebener Zeit in einer konzertierten Aktion. Im September stand zum Beispiel ein Update der MySQL-Bibliotheken an. Zusammen mit kleinen Transitions kompilierten sie insgesamt rund 120 Sourcepakete neu.

Neue Kollegen

Gute Nachrichten ereilten viele Debian-Unterstützer Ende September. Die Debian Account Manager (DAM) Christoph Berg und Jörg Jaspert arbeiteten die Liste derer ab, die Debian-Entwickler werden wollten und den gesamten Prozess des New Maintainership [3] mit positiver Empfehlung abschlossen hatten. Die Hürden für neue Debianer liegen niedriger, seit es die so genannten kastrierten Zugänge gibt. Deren Inhaber dürfen Pakete ins Archiv hochladen, aber nicht auf Debians Infrastruktur zugreifen.

Vollwertige Debian-Entwickler sind dagegen nach wie vor nur jene, die den New-Maintainer-Prozess komplett durchlaufen und einen eigenen Account im Debian-LDAP haben. Seit Ende August freuen sich nun 29 neue Debian-Entwickler über Post vom DAM.

Der Showstopper auf dem Weg zur fertigen Release sind stets die offenen Release-kritischen Fehler, die das Bugtracking-System verfolgt [4]. Bei Redaktionsschluss zählten sie rund 850. Immerhin schrumpft diese Zahl mit der Überführung der genannten Flaschenhals-Bibliotheken. Ansonsten braucht es jemanden, der sie entweder korrigiert oder aus Squeeze entfernt. Mögen die Neuen die Squeeze-Entwicklung voranbringen! (ake)

Infos

[1] Martin Loschwitz, "Debianopolis": Linux-Magazin 10/09, S. 97

[2] E-Mail von Andreas Barth: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2009/10/msg00000.html]

[3] Debian New Maintainer: [http://nm.debian.org]

[4] Bugreports für Testing: [http://bts.turmzimmer.net]

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