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Das Handwerkzeug, das Forscher lieben

Big-Bang-Linux

von Jan Kleinert
Erschienen im Linux-Magazin 2009/07

Ob es gilt, Medikamente oder Onboard-Software für Satelliten zu entwickeln, dem Nachhall des Urknalls zu lauschen, Gesten von Menschen in einem Raum zu erkennen oder das Wetter von übermorgen auf Clustern zu errechnen: Wissenschaftler lieben ihr Linux als zuverlässige Unterlage.

Inhalt

32 | Chemical Development Kit

Eine solide Open-Source-Bibliothek für die
Chemoinformatik.

37 | Linux in der Luft- und Raumfahrt

DLR-Angehörige berichten über Strömungssimulationen
und Satellitensoftware.

40 | 3D-Bildverarbeitung

Eine Person im Raum zeigt auf eine Lampe oder einen Projektor, und
das Gerät geht an oder aus.

44 | DWD - die Wettertuxe

Der Deutsche Wetterdienst setzt zwei Linux-Cluster ein, um den
neuen Vektorrechner geschickt in Szene zu setzen.

Wenn Firmen Software entwickeln, spielen Dinge wie Manpower, Zeit, Aufwand und Vermarktungschancen die Hauptrollen. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber mal ehrlich: Oft merkt man dem Ergebnis die ökonomischen Zwänge an. Dieses Linux-Magazins wendet sich dagegen einer sehr großen Gruppe von Projekten zu, die weitgehend unbehelligt von Markt- und Sachzwängen entstanden ist und sehr zu Unrecht ein wenig beachtetes Dasein fristet: wissenschaftliche Software.

Wissenschaftler und Studenten an Unis und FHs entwickeln durchdachte Tools und Bibliotheken, von denen auch normale Firmen, Privatanwender oder freie Programmierer profitieren. Los gehts mit dem Chemical Development Kit: Der Artikel ab Seite 32 schiebt Reagenzglas und Bunsenbrenner beiseite zu Gunsten einem Bündel von Funktionen zum Entwickeln von Software. Sie hilft beispielsweise Medikamente gegen Malaria zu finden.

Im darauf folgenden Artikel starten zwei Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu einem kleinen Linux-Erkundungsflug ihrer Einrichtung. Mehrere DLR-Institute programmieren beispielsweise aufwändige Software für numerische Strömungssimulationen. An einem weiteren Institut entsteht Onboard-Software für Satelliten mit Hilfe von Linux.

Der Kasten auf Seite 38 verdient besondere Erwähnung, denn dort ist nachzulesen, dass Forscher der europäischen Raumfahrtagentur an einer Mission arbeiten, die dem Nachhall des Urknall hinterherspürt. Eine Linux-Software zaubert aus den künftig im All gewonnen Daten faszinierende Bilder. Die Mission könnte eines der großen Rätsel der neueren Wissenschaftsgeschichte lösen.

Armbewegung setzt Projektor in Betrieb

Zurück zu bodenständigeren und damit praktischen Aufgabenstellungen: An der Uni Passau hatte sich vor einiger Zeit eine Projektgruppe begonnen eine Linux-Software zu entwickeln, die mit zwei Kameras eine Person im Raum ortet und deren Gesten zu deuten versteht. Sie schaltet dann Geräte wie Lampen oder Projektoren an und aus.

Wenn der letzte Artikel im Schwerpunkt übers Wetter redet, dann nicht, weil dem Autor die Themen ausgegangen sind, sondern weil beim Deutschen Wetterdienst ein Linux-Cluster und ein Vektorrechner Hand in Hand aus jeder Menge Messdaten die Vorhersagen der nächsten Tage berechnen.

Die hier vorgestellte Software ist ein unendlich kleiner Teil von der verfügbaren. Allein Sourceforge listet 32 810 Projekte unter »Scientific/Engineering« [1]. Dahinter ist ein Kosmos spannender Anwendungen zu vermuten. Nach der Ankündigung des Themas wies beispielsweise ein Magazin-Leser und früherer Mitentwickler die Redaktion auf das Projekt Gxsm [2] hin. Die Gnome-Applikation dient zur Aufnahme und Analyse von Rastertunnel- und Rasterkraftmikroskopie-Bildern mit atomarer Auflösung. Seit Kurzem gibt es ein Ubuntu-Remaster-ISO von Gxsm [3] .

Infos

[1] Wissenschaftliche Software auf Sourceforge: [http://sourceforge.net/softwaremap/trove_list.php?form_cat=97]

[2] Gxsm: [http://gxsm.sourceforge.net]

[3] Gxsm auf Ubuntu: [http://www.ventiotec.de]

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Kommentare (1)
von
Stefan Freitag,
07.06.2009 11:37
Gemeinsame IT Infrastrukstruktur
Liebe Redaktion,

die einzelnen Artikel, insbesondere über den DWD und die Arbeitenam DLR fand ich recht interessant

Es gibt, wie im DLR Artikel kurz angedeutet, mit dem D-Grid einen Versuch eine nationale e-Science Infrastrukt aufzubauen, um Wissenschaftlern einen Zugang zu entsprechend vielen Ressourcen (Compute/ Storage) zur Verfügung zu stellen. Derzeit ist es ja leider noch so, dass man im Rechenzentrum "vor Ort" einen Zugang zum Cluster benötigt. Durch die mit dem D-Grid zur Verfügung gestellte Infrastruktur relaxiert sich diese Notwendigkeit hoffentlich. Ich würde es gut finden, wenn man vielleicht beim nächsten Schwerpunktbericht zum Wissenschaftlichen Rechnen diese deutschlandweit verfügbare IT Infrastruktur des D-Grid beleuchten würden.

Viele Grüße
Stefan Freitag