Aus Linux-Magazin 05/2009

Neun Profi-Backuptools im Vergleich

© Utzel-Butzel, photocase.com

In wenigen Sparten tummeln sich so viele Hersteller professioneller Software wie im Backup-Bereich. Bei den nicht unerheblichen Preisen ist eine kluge Auswahl gefragt. Welche Software für den Linux-Admin der Volltreffer ist, zeigt diese Übersicht der neun wichtigsten Produkte.

Open-Source-Software bietet die Chance einer kostenlosen Vorab-Evaluierung. Im Bereich Backupsoftware dominieren jedoch proprietäre Lizenzen. Es geht häufig um Investitionen in der Größenordnung mehrerer Tausend Euro. Bereits vor zwei Jahren hat die “Linux Technical Review” die wichtigsten Backuplösungen miteinander verglichen [1]. Das Linux-Magazin hat nachgehakt und die neun wichtigsten Hersteller befragt, was ihre neuesten Versionen dazugelernt haben.

Im Rennen

Im Rennen sind dabei Amanda, Arkeia, Atempo, Bacula, Bakbone, BRU, Legato, Symantec und SEP Sesam. Tabelle 1 spiegelt die Herstellerangaben wieder und zeigt auf den ersten Blick: Auf dem Prüfstand stehen sieben kommerzielle Softwarepakete und zwei unter der GPL-Lizenz: Amanda und Bacula. Für diese bieten Zmanda und Bacula Systems professionellen Support und Enterprise-Module an, sodass sie sich nicht hinter den Wettbewerbern zu verstecken brauchen. Oben drauf gibt es außer Konkurrenz einen kurzen Blick auf den Java-Newcomer Areca (Kasten “Newcomer Areca”).

Tabelle 1: 9 Profi-Backuptools
im Überblick

Von A bis Z: Amanda

Hinter dem femininen Namen Amanda verbirgt sich keine Frau, sondern der Advanced Maryland Automatic Network Disk Archiver, begründet in den 1990ern von James da Silva. Konsequent als Client-Server-Suite ausgelegt, ist Amanda bekannt als robuste und skalierbare Backuplösung und weltweit zigtausendfach im Einsatz.

Amanda ist alt, steinalt. Gefragt nach den unterstützten Linux-Versionen und Clients, antwortet Entwickler Dustin J. Mitchell: “Ich kenne keine Inkompatibilitäten, aber das muss ja nichts heißen. Eigentlich sollten alle Linuxe unterstützt werden, seit das System Posix-compliant ist, also alle Kernel neuer als 1.x. Die Glibc spielt für Amanda keine Rolle.”

Streng genommen ist die Software nur ein Backupscheduler, der bewusst auf Standardtools wie GNU Tar, Dump oder den Smbclient aus dem Samba-Projekt setzt. Seitdem das kalifornische Startup Zmanda in die Amanda-Entwicklung eingestiegen ist, kam mehr Schwung in das Projekt. Die kommerzielle Enterprise-Edition bietet Support- und proprietäre Addons, deren Features über die der OSS-Version hinausgehen.

So hat sich einiges getan in den letzten Jahren: Die Release 2.5.2 brachte funktionierende Kerberos-Authentifikation (Krb5) und IPv6-Support. Dazu kamen neue Subcommands für den Amadmin-Befehl zum Handling von Backup-Images in der Holdingdisk, dem zentralen Cache des Systems.

Newcomer Areca

Areca [2], Ende Februar in Version 7.0 erschienen, ist im Vergleich zu den Platzhirschen eine junge Software und steht vollständig unter der GPL. Weil dem Java-Projekt Enterprise-Features fehlen, läuft es hier außer Konkurrenz. Laut Entwickler Olivier Petrucci ist es auf Windows 2000, XP, Vista sowie Mandriva, Fedora und Ubuntu getestet, sollte aber auf allen Systemen mit Java und SWT-Bibliotheken funktionieren.

Datenbankanschluss, Supportgarantien und spezielle Module, etwa für das Network Data Management Protocol, vermisst der Admin bei Areca, aber dafür erhält er eine kostenlose und flexible Lösung. Areca läuft ausschließlich lokal und sichert Verzeichnisse und Dateien via FTP, wahlweise mit TSL/SSL-Verschlüsselung, oder auf einen USB-Stick. Die Zip- oder Zip64- komprimierten Dateien lassen sich verschlüsseln und enthalten Metadateien wie die ACLs oder erweiterte Attribute des Dateisystems.

Ähnlich wie Rsync überträgt Areca auf Wunsch nur die Unterschiede, gerade bei großen Dateien ist dies sehr nützlich. Es beherrscht volle, inkrementelle und differenzielle Backups sowohl im Standard- als auch im Delta-Modus und fasst mehrere Archive per Merge zusammen. Das Java-basierte GUI enthält eine Suchfunktion. Die Konfiguration setzt auf XML-Dateien, Pre- und Post-Processing-Skripte gestatten die individuelle Anpassung bis ins Detail [3].

Designbedingt eignet sich Areca nur für wesentlich geringere Datenmengen als die etablierten Lösungen. Einen eigenen Scheduler bringt das Tool ebenfalls nicht mit, es integriert sich aber über ».bat« oder ».sh«-Skripte in die Betriebssysteme.

Mehr Ordnung

Die Amanda-Entwicklung geht in Richtung Vereinfachung und Öffnung. Einen großen Schritt in diese Richtung macht Version 2.6.0, die endlich die lange angekündigten neuen APIs enthält. Ursprünglich in C geschrieben, waren früher für Amanda-Erweiterungen und -Anpassungen Programmierkenntnisse nötig. Die APIs und immer umfangreicher werdende Perl-Interfaces sollen es dem Anwender vereinfachen, Amanda an seine Umgebung anzupassen.

Dazu zählen das Device-API, eine Schnittstelle zu verschiedenen Speichergeräten wie Bandlaufwerken, virtuellen Tapes auf Platte (so genannte Vtapes), RAIT (Redundant Array of Tapes) und Online-Storage-Diensten wie Amazons S3-Cloud. Über das neue Perl-Interface können Admins schnell Zusatz-Applikationen verfassen.

In Version 2.6.1 integrierten die Entwickler weitere Bausteine einer neuen Architektur: Application-API, Script-API und Xfer-API. Das Application-API schafft neue Wege, um externe Anwendungen einzubinden. Stützte sich Amanda ursprünglich auf Binaries wie Dump und GNU-Tar, so gibt es nun neue Wrapper-Skripte, um Tools wie das von Usern gewünschte Star einzubinden.

Außerdem kann der Administrator nun detaillierte Pre- oder Post-Skripte definieren, mit denen er zum Beispiel die Sicherung einer laufenden Datenbank anstößt: Amanda bringt zunächst die Datenbank in einen konsistenten Stand, danach legt es einen LVM-Snapshot an und erstellt das Backup, während die Datenbank längst produktiv weiterläuft. Derlei Abläufe waren in Amanda bislang schwierig abzubilden. Das Script-API ist ein wesentlicher Schritt nach vorne, den die große Community sicher bald für Anwendungen wie Online-Backups via FTP oder SFTP einsetzen wird.

Kompatibel: Arkeia

Arkeia rühmt sich, der einzige proprietäre Softwarehersteller zu sein, der über 100 Linux-Distributionen unterstützt. Im Enterprise-Bereich gibt sich Arkeia keine Blöße und sichert neben zahlreichen Datenbanken, Groupware-Servern und Novells Verzeichnisdienst E-Directory seit Version 8 auch VMware mit einem eigenen Modul. Die Releasezyklen sind kurz: Zwei große Versionssprünge (7 und 8) hat Arkeia in den letzten beiden Jahren vollzogen, am auffallendsten dabei ist das mit Version 7 eingeführte Webinterface (Abbildung 1) mit Multisite-Management und Backup-Replikation.

Abbildung 1: Installationsfrei, plattformübergreifend und übersichtlich: Mit dem Web-basierten Network Manager von Arkeia lassen sich die Backups vom Browser aus verwalten.

Abbildung 1: Installationsfrei, plattformübergreifend und übersichtlich: Mit dem Web-basierten Network Manager von Arkeia lassen sich die Backups vom Browser aus verwalten.

Die achte Ausgabe konzentriert sich dagegen voll auf Virtualisierung und integriert die VMware-Server ESX und ESXi. Seit Januar 2009 gibt es Arkeia auch als Appliance ab 2000 Euro für eine virtuelle Appliance oder für 2500 Euro auf echter Hardware. Groupwise-, Scalix- oder Informix-Server unterstütz Arkeia nicht, es schreibt Backups auch nicht über FTP oder auf lokale Datenträger.

Synthetisch: Atempo

Auch Backup-Spezialist Atempo hat seine Hausaufgaben gemacht und unterstützt jetzt zahlreiche Unixe und alle Linux-Varianten ab Kernel 2.4 oder 2.6. Den Bare-Metal-Restore gibt nun auch für Linux (Abbildung 2). Ein Outlook-Plugin für Exchange Server erleichtert die Admin-Arbeit mit Single-Object-Backup und User-Restore. Support für Max DB, Groupwise, und VMware komplettieren den guten Gesamteindruck. Atempo integriert sich in Oracles Datenbanken, Admins können sowohl mit dem Recovery-Manager Rman als auch mit dem eigenen GUI sichern und wiederherstellen.

Abbildung 2: Atempo bietet ein Bare-Metal-Restore, also ein voraussetzungsloses Zurückschreiben eines ganzen Systems, nun auch für Linux an. Bisher war dieses Feature nur für Windows verfügbar.

Abbildung 2: Atempo bietet ein Bare-Metal-Restore, also ein voraussetzungsloses Zurückschreiben eines ganzen Systems, nun auch für Linux an. Bisher war dieses Feature nur für Windows verfügbar.

Beim Parallel-Client-Backup erstellt Atempo gleichzeitig mehrere Backupkopien auf unterschiedlichen Medien. Das synthetische Backup ist ein einmaliges Fullbackup des Clients mit folgenden, nur scheinbar inkrementellen Sicherungen. Der Server erzeugt daraus regelmäßig ein neues vollständiges Backup.

Atempo repliziert auch ganze Dateisysteme, hat eine integrierte Benutzerverwaltung mit detaillierter Rechte- und Aufgabenvergabe und ist mandantenfähig. Ein wichtiges Plus ist sicherlich auch die Kompatibilitätsliste [4], die auf 48 Seiten detailliert Geräte und Clientsoftware-Versionen aufführt. Bandlaufwerke und Bandlaufwerksbibliotheken sowie über Fibre Channel angeschlossene SANs sind in der Mehrheit. Billig ist Atempo nicht, die Preisspanne fängt bei 2400 Euro an.

Gründer: Bacula

Bacula ist wesentlich jünger als beispielsweise Amanda und hatte in den ersten Jahren keinen allzu guten Ruf. Dementsprechend ist die Community klein. Das ändert sich aber in letzter Zeit, auf den Mailinglisten finden sich immer mehr Anwender ein, die die Features von Bacula schätzen. Für neuen Schwung hat die Gründung der Schweizer Firma Bacula Systems SA gesorgt. Die Entwickler um Kern Sibbald bieten auf diesem Weg auch professionellen Support für das vollständig unter der GPL stehende Softwareprojekt an, im April soll die erste Version einer Enterprise-Variante von Bacula erscheinen. Alle Angaben in der Tabelle beziehen sich auf diese ebenfalls vollständig der GPL unterliegende Enterprise-Version.

Breites Spektrum

Bacula unterstützt zahlreiche Bandlaufwerke und -wechsler, verwendet eine Datenbank zum Speichern des Katalogs und unterstützt viele Betriebssysteme. Differenzielle, inkrementelle und vollständige Backups sind möglich und lassen sich flexibel über Platten, Bänder und andere Medien verteilen. Die Medientypen darf der Administrator sogar mischen. Mehrere Storage-Server, Sicherung der ACLs, Unterstützung für diverse Storage-APIs sind ebenso enthalten wie Verschlüsselung und eine gute englische Doku. HP-UX und AIX sollen laut Hersteller funktionieren, auch wenn sie anders als Solaris und BSD, die als Client und Server vollen Support genießen, nicht zur offiziellen Liste unterstützter Systeme gehören.

Steuerzentrale

Der Server namens Bacula Director läuft auf fast allen Linuxen und BSD, den Client-Daemon gibt es auch für Windows und diverse Unixe. Pünktlich mit der Enterprise Edition wird auch das MS-Exchange-Plugin fertig sein, es ist nach Herstellerangaben wie alle anderen Module und Skripte ebenfalls GPL-lizenzierte Open-Source-Software. Das gilt auch für das Perl-basierte Bweb [5], ein ansehnliches Web-GUI für den Admin in großen Umgebungen. Die vielen “nein” in der Rubrik “Module” in Tabelle 1 sind etwas irreführend, weil das Tool zahlreiche Funktionen über Community- oder eigene Skripte eben doch zur Verfügung stellen kann. Nein bedeutet hier, dass keine Bordmittel, so genannte Agenten, für die Aufgaben bereitstehen.

Bei der Wahl des GUI kann sich der Admin austoben, Web, Windows und Linux liegen vor. Am ausgereiftesten ist das Bacula-Administrations-Tool Bat [6], das auf QT aufsetzt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Administrationsoberfläche von Bacula heißt Bat und steht für Windows und Linux sowie die Kommandozeile zur Verfügung. Im April kommt zudem die erste Enterprise-Variante von Bacula heraus.

Abbildung 3: Die Administrationsoberfläche von Bacula heißt Bat und steht für Windows und Linux sowie die Kommandozeile zur Verfügung. Im April kommt zudem die erste Enterprise-Variante von Bacula heraus.

Für viele Szenarien wirklich lohnend macht Baculas Enterprise Edition ihr plattformbasiertes Support-Preismodell. Mit einer Subskription erwirbt der Kunde eine Anzahl Tickets oder Cases für eine OS-Plattform, für je zusätzlich 1500 Euro gibt\’s Support für ein weiteres Linux- oder Unix-Betriebssystem, egal wie viele Server der Kunde betreibt. Windows soll dabei übrigens 2000 Euro kosten. Ab einer mittleren Anzahl Server ist das deutlich billiger als die Konkurrenz.

Auch für Mac: Bakbone

Ein Admin-GUI, das auch unter Mac OS X läuft? Damit glänzt nur Bakbones Netvault Backup, und das noch nicht lange. Dazu kommen integrierte Unterstützung für VMware, XEN und Virtual Iron und seit Version 8.2.1 ein deutlich erweitertes CLI. Selbstbewusst brüstet sich der Hersteller, seine Software habe die beste VMware-Integration für den ESX/VI3-Server, weil sie komplett ohne Skripte auskommt und dabei vollständig ins GUI integriert ist. Über das Network-Data-Management-Protokoll (NDMP, [7]) unterstützt Bakbone jetzt auch erweiterte Features wie Netapps Check-Point-Restart.

Netvault kommt mit eingebauter Datenbank-Konsistenzprüfung und automatischer Fehlerkorrektur, einem Audit-Tool für das zentrale Sammeln aller wichtigen Konfigurationseinstellungen der Clients auf dem Server und unterstützt virtuelle Tape Libraries (VTL) sowohl mit Netapps VTL Shadow als auch der eigenen, erweiterbaren Netvault Backup SVTL. Existieren mehrere Kopien eines Backups, kann der Admin neuerdings aussuchen, aus welcher Quelle er wiederherstellen möchte (Source Device Specificaton). Auch darf er jetzt im GUI verschlüsselte Sicherungen duplizieren.

Preislich rangiert Netvault im oberen Segment, bietet dafür aber umfangreiche Funktionen und zahlreiche Features für größere Netzwerke. Herausragend ist das dank Java auf fast allen Betriebssystemen funktionierende Admin-GUI,

Klein aber schnell: BRU

Im April 2009 lässt Tolis die neue Version 1.3 des BRU-Servers auf die Kunden los. Die unterstützt dann auch Exoten wie SGI Irix oder Tru64 Unix und virtualisierte Hosts und Gäste. Datenbank- und Groupware-Module gibt\’s ebenso wie 64-Bit-Support. Der stellt auch laut Hersteller das einzige Limit für die Backupgrößen dar, weil hier die Anzahl einzelner Dateien begrenzt ist, allerdings auf einem Niveau, das in der Praxis nur wenige Admins erreichen dürften.

Laut Hersteller setzt BRU als einziger Anbieter bei der Erfolgskontrolle auf ein vom Client losgelöstes Verfahren mit an das Archiv angehängten Metadaten. So lässt sich das Backupfenster halbieren und die Integrität des Backups ist auch zu einem späteren Zeitpunkt unabhängig vom Quellmedium verifizierbar. Dabei ist die eigentliche BRU Engine nur 270 KByte groß und schafft unter Laborbedingungen angeblich locker 1,7 TByte pro Stunde, Kunden berichten von realistischen 520 GByte pro Stunde. Die neueste Version glänzt mit einem überarbeiteten GUI, das alle Funktionen des CLI beherrschen soll. Jetzt kann außerdem auch der Client Backup und Restore anstoßen.

Java-Backend: EMC Legato

EMCs Networker hat in den letzten Jahren einige neue Features bekommen, darunter Fast-Start, mit dem laut Hersteller kleine und mittelgroße Unternehmen innerhalb eines Tages eine Backup-Infrastruktur aufbauen. Die Integration von VMware führt ein Abfrage der VM-Infrastruktur durch. Die Deduplikations-Technologie Avamar sorgt für wenig Redundanz in den Backups und integriert EMCs Bare Metal Recovery Homebase. Die Benutzerverwaltung lässt sich an ein externes LDAP anflanschen.

Ohne große Mängel steuert Legato auch durch den Vergleich. Alle in größeren Unternehmen erforderlichen Module sind vorhanden, nur die Bandbreitensteuerung fehlt. Schade, dass EMC die freien Datenbanken MySQL und PostgreSQL noch immer genauso links liegen lässt wie vor zwei Jahren. Freie Software stößt offenbar auf wenig Gegenliebe. Das zeigt sich auch bei den unterstützten Linux-Plattformen, etwa dem Fehlen einer BSD-Version. Die Managementkonsole läuft aber dank Java auf allen Plattformen.

Baukasten-Lizenz

Komplizierter als die Software selbst gestaltet sich allerdings das Baukastensystem der Lizenzierung: EMC lizenziert das Produkt auf Basis des Networker-Servers, der alle Lizenzen zentral in seiner Datenzone vorhält. Die CPU-Zahl spielt keine Rolle, der Preis richtet sich nach Backup-Servern und -Nodes, der Anzahl der Clients, NDMP-Sicherungen, Größe des Backup-Storage sowie der Anzahl der Online-Agenten, die Datenbanken wie Oracle sichern. Gegen Aufpreis bietet die umfangreiche Modulsammlung Snapshots, die angesprochene Deduplication und Bare Metal Recovery.

Backupzentrale: Symantec Veritas Netbackup

Unternehmen, die sich Netbackup leisten können, sind überdurchschnittlich groß und haben hohe Ansprüche an Ausstattung und Management. Dabei kann sich die Linux-Fraktion durchaus stiefmütterlich behandelt fühlen. Wer kein Enterprise-Betriebssystem einsetzt, darf als Client nur Debian, Centos und Ubuntu verwenden. Den Server gibt\’s nur für RHEL oder SLES, Windows und die großen Unixe. Die Kunden erhalten aber eine komplett integrierte, ausgereifte und vollständige Backup-Infrastruktur, in der Client-Agenten über APIs die Daten mit dem Server austauschen.

Seit Version 6.5 fasst die Managementsoftware dabei alle Wiederherstellungsvorgänge auf einer Konsole übersichtlich zusammen. Netbackup unterstützt alle denkbaren Speichermedien und -orte (außer lokalen Medien wie DVD oder Blueray), bietet Datendeduplizierung und eliminiert das Problem Backupfenster mit der eingebauten kontinuierlichen Datensicherung.

Detailliertes Backup und Restore für VMware, Sharepoint und Exchange gehören ebenso zum Lieferumfang wie die eingebaute Snapshot-Verwaltung, die laut Hersteller das Kernsystem in 15 Minuten auf jeder Plattform wiederherstellt. Der Admin profitiert in Netbackup 6.5 von Richtlinien, granularer Verwaltung und Automatisierungsmöglichkeiten.

Groupware und Daten: SEP

Vor nicht allzu langer Zeit legte der bayerische Backup-Hersteller SEP den Quellcode seines Clients offen. Zwar kann der nur mit dem Sesam-Server zusammenarbeiten, er bietet aber viele Funktionen. Seit Jahren ist der Sesam-Client in vielen Distributionen enthalten. Aktuell befragt SEP seine Händler, wie sie zu einer OSS-Freigabe des Servers stehen.

Die wichtigsten Erweiterungen der letzten Jahre im Sesam-Server sind die Plugins für virtualisierte IT-Infrastrukturen. So unterstützt das Tool jetzt VMwares ESX und VCB-Proxy-Funktionen und Xen. Red Hats KVM ist in Vorbereitung. Die neue Sesam Bare System Recovery stellt Windows-Systeme wieder her, während die Anpassung an unterschiedliche Hardware mit den Dissimilar Hardware Features fast automatisierbare Disaster-Recovery- und Restore-Prozesse ermöglicht.

Novell-Anwender dürfte die Servermigration von Netware 6.0-6.5 auf die neue Open-Enterprise-Server-Technologie freuen, die alle systemrelevanten Daten von Netware übernimmt. Hinzu kommen umfangreiche Module für Datenbanken und Groupware-Server und ausführliche Statistiken sowie eine GUI-basierte Administration (Abbildung 5). Gemessen an der Leistung schneidet SEP im Vergleich der proprietären Produkte am günstigsten ab. Einsteiger bekommen für wenige Hundert Euro ein System für ausgedehnte Netzwerke. Sollte SEP auch den Server freigeben, müssen sich einige Konkurrenten warm anziehen.

Abbildung 4: Bakbones Admin-GUI ist in Java programmiert und gestattet damit die Administration von fast jedem OS aus.

Abbildung 4: Bakbones Admin-GUI ist in Java programmiert und gestattet damit die Administration von fast jedem OS aus.

Abbildung 5: SEP Sesam glänzt mit zahlreichen Plugins für Datenbanken und Groupware. Dazu gibt's ausführliche Statistiken und einen Open-Source-Client.

Abbildung 5: SEP Sesam glänzt mit zahlreichen Plugins für Datenbanken und Groupware. Dazu gibt’s ausführliche Statistiken und einen Open-Source-Client.

Fazit

Prinzipiell bilden sich in diesem Vergleich drei Gruppen von Produkten: Teuren High-End-Tools wie EMC Legato und Symantecs Netbackup stehen mehrere Produkte der mittleren Preisklasse und zwei, vielleicht bald drei Open-Source-Server gegenüber. Bei Konzernen wie EMC und Veritas sollte der Kunde ausgereifte Software erhalten, die höchsten Ansprüchen genügt. Dennoch fehlen einzelne Features, die alle freien und bereits viele der mittelpreisigen Tools bieten. Dies zeigt schon ein Blick auf die unterstützten Plattformen.

Amanda, Arkeia, Atempo, Bacula, Tolis BRU und SEP lassen für Linux-Clients wenig Wünsche offen und erlauben eine individuelle Auswahl an Modulen. Was im Einzelfall relevant ist, muss jeder Admin selbst aussuchen. So scheiden beispielsweise Amanda, Arkeia, Bacula und BRU von vornherein aus, wenn SAP-R3-Maschinen eine Rolle spielten.

Die interessanteste Erkenntnis ist: Open Source ist auch hier auf dem Vormarsch. SEP befragt die Händler, Bacula bringt eine komplett freie Enterprise-Edition heraus und Amanda/Zmanda entwickelt vielversprechende offene APIs. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis für Software und Support spricht für einen harten Wettkampf. (pkr)

Infos

[1] Jens-Christoph Brendel, “Backup-Software im Vergleich”: Linux Technical Review 02/2007, S. 36

[2] Areca-Tutorial: [http://areca.sourceforge.net/tutorial.php]

[3] Areca-Benutzerhandbuch [http://areca.sourceforge.net/documentation.php]

[4] Atempo-Kompatibilitätsliste: [http://de.atempo.com/products/timeNavigator/documents/TN_CG.pdf]

[5] Bweb, Admin-GUI für Bacula: [http://www.baculasystems.com/eng/Bacula/Bacula-software/Bweb]

[6] Bacula, Admin-Tool: [http://wiki.bacula.org/doku.php?id=bat]

[7] Network-Data-Management-Protokoll: [http://www.ndmp.org]

Der Autor


Stefan G. Weichinger berät mit seiner Firma Oops! Linux Consulting Unternehmen beim Einsatz von Linux. Besonderer Schwerpunkt als Amanda-Core-Team-Mitglied: Backups mit Amanda.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 7 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben