Wer viele Audiodateien in ein anderes Format umwandeln möchte, verwendet bislang Sox. Musikliebhaber mit weniger Liebe zur Kommandozeile erhalten nun ein grafisches Werkzeug zum selben Zweck. Der Gourmet Recipe Manager hilft dabei, die in dieser Rubrik vorgestellten und andere Rezepte zu verwalten.
MP3-Player haben weitgehend ihre Vorläufer CD-Player, Plattenspieler und Kassettendeck abgelöst. Diverse Vorteile der digitalisierten Musik trugen zu dieser Entwicklung bei: Der heimische PC mit Verbindung zur Stereoanlage ersetzt eine DJ-Ausrüstung mit Mischpult und Equalizer. Er erspart zudem hektisches Scheibenwechseln.
Digital mit Qualitätsverlust
Audiophilen stellen sich beim Genuss der als MP3 komprimierten Musikdaten allerdings oftmals die Nackenhaare auf. Schließlich gehört MP3 zur Familie der Lossy Compression (verlustbehaftete Kompression). Das bedeutet, dass bei der Umwandlung einer Audiodatei ins MP3-Format nicht nur der Speicherbedarf um bis zu 90 Prozent sinkt, sondern auch die Qualität nachlässt. Der Clou am MP3-Format besteht zwar darin, dass nur für Menschen kaum hörbare Klänge verlorengehen, aber wer genau hinhört, vermisst sie eben doch.
Es gibt zahlreiche Alternativen zu MP3. AAC- und Vorbis-Daten sparen noch mehr Speicherplatz bei gleicher oder höherer Audioqualität, wobei Vorbis im Gegensatz zu MP3 und AAC patentfrei ist. Wer gar keine Qualitätseinbußen hinnehmen möchte, greift auf ein verlustfreies Verfahren wie Flac zurück. Es existiert also für praktisch jeden Anwendungsfall das passende Audioformat. Doch nach der Entscheidung für eines steht der Anwender vor einem Software-technischen Problem: Wie bringt er die digitalisierte CD-Sammlung in das gewünschte Format?
Der Klassiker
Wer sich schon mit der Konvertierung von Audiodaten unter Linux befasst hat, antwortet auf die Frage nach dem Wie meistens mit Sox [1]. Das Akronym steht für Sound Exchange. Die Software ist nach Darstellung der Entwickler das Schweizer Armeemesser unter den Audio-Verarbeitungsprogrammen. Es konvertiert Dateien nicht nur zwischen vielen Formaten, es gleicht auch andere Parameter wie die Bitrate und die Zahl der Audiokanäle an.
Die nun erschienene Version 14.1.0 des Audio-Klassikers kennt zahlreiche neue Effekte: »Splice«, »Remix«, »Norm«, »Delay«, »Contrast«, »Rate«, »Spectrogramm« und »Gain«. Die ersten beiden fügen ganze Dateien beziehungsweise einzelne Audiokanäle zusammen. »Delay« sorgt für verzögerte Wiedergabe einzelner Kanäle. »Norm« gleicht bei verschiedenen Aufnahmen die Lautstärke an und »Gain« erhöht sie. Beim Spektrogrammeffekt erzeugt Sox eine Bilddatei, die das Schallspektrum grafisch darstellt.
Das i-Tüpfelchen des Alleskönners Sox ist seine Plattformunabhängigkeit. Die Software liest und schreibt Audiodateien unter Linux, Windows, Mac OS und den meisten Unix-Derivaten. Ein Nachteil für den weniger Computer-erfahrenen Musikliebhaber ist allerdings das fehlende GUI. Wer mit der Eingabe von Optionen auf der Kommandozeile auf Kriegsfuß steht, verliert bei Sox schnell die Lust. Natürlich steht dem ein unschlagbarer Vorteil gegenüber: Das Programm eignet sich hervorragend zur Automatisierung. Um große Datenmengen zu konvertieren, genügt ein einfaches Skript mit den nötigen Sox-Aufrufen.
Die nächste Generation
Zurück zu den Konsolenmuffeln. Ihnen fehlt ein leicht bedienbares Werkzeug, das ohne Skripting beliebig viele Dateien auf einen Schlag in frei wählbare Audioformate umwandelt. Die französischen Programmierer Alexandre Roux, Benoît Dupasquier und David Joaquim haben das Projekt Gnac [2] (siehe Abbildung 1) gestartet, um diesen Mangel in der Softwarewelt zu beheben.

Abbildung 1: Audiodateien konvertieren ohne Manpage-Studium: Gnac verwendet Gstreamer und dessen Plugins, um MP3, Vorbis und andere Formate zu lesen und zu erzeugen.
Gnac steht für Gnome Audio Converter, und das verrät, aus welcher Desktop-Umgebung Holz die Software geschnitzt ist. Es kommt nicht nur das Grafik-Toolkit GTK zum Einsatz; zur (De-)Kodierung der einzelnen Audioformate setzt Gnac auf das Multimedia-Framework Gstreamer [3], von dem trotz Desktop-unabhängiger Entwicklung vornehmlich Gnome Gebrauch macht.
Von der Gstreamer-Installation und den vorhandenen Plugins hängt somit auch der Funktionsumfang von Gnac ab. Viele Distributionen sparen bei der Standardinstallation beispielsweise die MP3-Unterstützung aus patentrechtlichen Gründen aus, sodass dann auch Gnac dieses Format nicht versteht.
Ansonsten wirkt die puristisch gehaltene Gnac-Oberfläche äußerst intuitiv. Der Button »Hinzufügen« öffnet ein Dialogfenster, in dem der Benutzer zu konvertierende Dateien und Verzeichnisse auswählt. Die gefundenen Klangdateien landen in der Liste im Hauptteil des Fensters und ein Klick auf »Umwandeln« startet den Konvertierungsprozess.
Am unteren Bildrand stellt die Software eine Auswahlliste der verfügbaren Audioprofile bereit. Über den »Bearbeiten«-Button editiert der Benutzer vorhandene Profile oder fügt neue hinzu (Abbildung 2). Er passt dazu die Argumente an, die Gnac an Gstreamer weiterreicht. Das Kontextmenü, das bei einem Rechtsklick auf einen der Einträge in der Dateiliste erscheint, ruft Metadaten ab. Sie lassen sich mit Gnac bislang nicht verändern, das Programm übernimmt sie leider auch nicht ins Zielformat.
Einen vollständigen Ersatz für ein programmierbares Wunderwerkzeug wie Sox bildet das grafische Programm Gnac also nicht – es sei nur an die Skript-Fähigkeiten erinnert. Doch wer viele Audiodateien schnell konvertieren möchte, schafft dies mit Gnac, ohne erst Manpages zu studieren. Naturgemäß leidet das neue Projekt noch unter zahlreichen Kinderkrankheiten von funktionslosen Menüpunkten bis zu häufigen Komplettabstürzen.
Das Gnac-Team legt jedoch schon mit der veröffentlichten ersten Gnac-Version 0.1 ein strukturiertes Konzept vor und hat bereits Pläne für die weitere Entwicklung. Für die nächste Ausgabe steht die Verbesserung der Bedienoberfläche an, bevor Features wie die Konvertierung von Metadaten, automatische Lautstärkennormalisierung, Einbindung in den Gnome-Dateimanager Nautilus und eine Ausdehnung auf andere multimediale Daten wie Videos hinzukommen.
Bei diesen ehrgeizigen Zielen können die Gnac-Entwickler natürlich Hilfe gebrauchen und sie rufen andere freie Programmierer ausdrücklich zur Beteiligung auf. Dies kann über konstruktive Diskussionen auf der Entwickler-Mailingliste und das Entwickeln von Patches geschehen. Neben Programmierern werden auch Übersetzer und Grafiker gesucht, die ein ansprechendes Logo entwerfen.
Küchenprojekt
Rezepte tauschende Hausfrauen gehörten zu den ersten, die den Einzug des ehemaligen Wissenschaftsnetzes in die Privathaushalte vorantrieben: Schon vor der Erfindung von Webforen war der Austausch von Kochrezepten eine weitverbreitete Nutzungsform des Usenet. Heute ist das Biotop Küche in Gänze zum Ort massenmedialer Berichterstattung geworden – und damit ist nicht die vorliegende Linux-Magazin-Rubrik “Projekteküche” gemeint, die es schließlich schon länger gibt als den aktuellen Boom der Koch-Sendungen.
Die Tendenz zum Hausgemachten spiegelt sich auch in der Welt der freien Software wider. Die Anwendung Gourmet Recipe Manager ([4], Abbildung 3) bietet ein reichhaltiges Verwaltungssystem für Kochrezepte. Deren Benutzer müssen zunächst die Datenbank mit Rezepten füllen, entweder manuell oder durch den Import bestehender Rezepte. Gourmet kennt zahlreiche Formate und versteht auch die Sprache der proprietären Rezeptverwaltung Mealmaster [5]. Darüber hinaus ist es in der Lage, Rezepte von Seiten wie Epicurious [6] und Recipezaar [7] einzulesen.

Abbildung 3: Gourmet Recipe Manager verwaltet Rezeptdatenbanken. Die Suchfunktion findet das passende Gericht für jeden Appetit.
Der Austausch zwischen Gourmet-Benutzern geschieht über das programmeigene XML-Format, aber auch einfache Textdateien interpretiert die Software unter Mithilfe des Hobbykochs. In der Suchmaske des Hauptfensters durchstöbert er die vorhandenen Rezepte anhand zahlreicher Kriterien, neben dem Namen eines Gerichts sucht er beispielsweise Mahlzeiten aus einer bestimmten Region oder nach Zutaten heraus.
Die Rezeptkarte enthält die Kochanleitung und listet die erforderlichen Zutaten auf (Abbildung 4). Die neueste Gourmet-Version zeigt zudem einen Reiter »Nutritional Information«, der den Nährwert des gesamten Gerichts berechnet. Die hierfür notwendigen Daten lädt das Programm automatisch aus der öffentlichen Datenbank des US-Landwirtschaftsministeriums herunter. Damit dies mit deutschsprachigen Rezepten funktioniert, fragt die Software den Benutzer nach Übersetzungen der Zutaten.

Abbildung 4: Rezepte teilen sich auf in Anleitung, Beschreibung und Zutaten. Auf Wunsch berechnet Gourmet Recipe Manager den Nährwert eines Gerichts auf Basis von Daten des US-Landwirtschaftsministeriums.
Auch beim Einkauf hilft die Rezeptverwaltung. Nach einem Klick auf den »Shop«-Button in der Rezeptkarte liefert sie eine Liste aller notwendigen Zutaten (Abbildung 5), sortiert nach Kategorien wie »Gemüse«, »Fleisch«, »Brot« und anderen. Die fertige Liste druckt Gourmet direkt aus oder erzeugt über einen virtuellen Drucker eine PDF-Datei.

Abbildung 5: Aus einem oder mehreren Rezepten erstellt Gourmet eine Einkaufsliste. Bereits vorhandene Lebensmittel zieht es automatisch ab.
Gourmet berücksichtigt dabei den Umstand, dass in durchschnittlichen Haushalten der Kühlschrank meist nicht ganz leer ist. Die entsprechenden Einträge schiebt der Benutzer ins Feld »vorhanden im Lager«, woraufhin sie nicht mehr auf der Einkaufsliste für die Rezepte erscheinen.
Flammkuchen
Wie wäre es mit einem leckeren Flammkuchen als erstem Rezept für Gourmet? Eine im doppelten Sinn passende XML-Datei für den Import steht unter [8] zur Verfügung.
Die Zutaten: 250 Gramm Mehl, ein Viertel Hefewürfel (11 Gramm), zwei Esslöffel Milch, etwa 125 Milliliter Wasser, ein halber Teelöffel Salz, ein Esslöffel Öl. Für den Belag etwa 75 Gramm Bauchspeck, ein bis zwei Zwiebeln, 100 Gramm Crème Fraîche, 75 Gramm geriebener Emmentaler oder anderer Hartkäse, etwas Pfeffer, Salz und Muskatnuss.
Zuerst den Teig zubereiten. Dazu die zerbröckelte Hefe in einer halben Tasse Wasser auflösen. Das Mehl in eine Schüssel geben, in der Mitte eine Kuhle bilden und die Hefe hineinschütten. Den Teig abdecken und an einem warmen Ort mindestens 30 Minuten ziehen lassen. Dann mit der Küchenmaschine kneten, dabei Wasser hinzufügen, bis sich der Teig von der Schüssel löst. Nun zu einer Kugel kneten und nochmals eine Stunde gehen lassen. Gegen Ende der Gehzeit den Ofen mit höchstmöglicher Temperatur vorheizen, den Teig dünn auf ein Backblech auswalzen. Den Teig mit Crème Fraîche bestreichen, die Zwiebeln in Ringe, den Speck in Streifen schneiden, den Käse dazugeben und den Teig damit bestreuen, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Sechs bis sieben Minuten auf der unteren Schiene backen. (pkr)
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Infos |
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[1] Sox: [http://sox.sourceforge.net] [2] Gnac: [http://gnac.sourceforge.net] [3] Gstreamer: [http://gstreamer.freedesktop.org] [4] Gourmet Recipe Manager: [http://grecipe-manager.sourceforge.net] [5] Mealmaster: [www.mealmaster.com] [6] Epicurious: [http://www.epicurious.com] [7] Recipezaar: [http://www.recipezaar.com] [8] Flammkuchen für Gourmet: [ftp://linux-magazin.de/pub/magazin/2008/09/flammkuchen.xml] |






