Aus Linux-Magazin 07/2007

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Diese Ausgabe der Projekteküche vernäht Bilder zu Panoramen. Wer Fotos im Internet präsentieren will, findet hier auch die passende Galeriesoftware. Als Ergänzung für die vielen visuellen Reize gibt's außerdem was auf die Ohren und noch was fürs Pantoffelkino.

Abbildung 1: In der Foto-Stitching-Software Hugin markiert der Anwender auf beiden Bildteilen zusammengehörige Fixpunkte (kleine Kreise), um mehrere Bilder passgenau zusammenzufügen.

Abbildung 1: In der Foto-Stitching-Software Hugin markiert der Anwender auf beiden Bildteilen zusammengehörige Fixpunkte (kleine Kreise), um mehrere Bilder passgenau zusammenzufügen.

Das Zeitalter der Digitalkameras produziert eine Bilderflut. Wer mit seinen Fotos noch punkten will, muss sich etwas Besonderes einfallen lassen. Wie wäre es mit gestitchten Bildern? Das englische Verb to stitch bedeutet unter anderem nähen. Im digitalen Zeitalter hat sich das Wort zum Fachbegriff für das Zusammenfügen einzelner Fotos zu einem großen Panoramabild entwickelt. Eine Alternative zum zeitaufwändigen Zusammenfügen in Gimp bietet Hugin [1].

Richtig knipsen

Mit Hugin (Abbildung 1) geht das Stitching per Drag&Drop leicht von Hand – passendes Bildmaterial vorausgesetzt. Die Fotos müssen einen Rundumblick zeigen und sich an den Kanten überschneiden. Der Einsatz eines Stativs verbessert die Passgenauigkeit der Kacheln. Nach dem Laden der zu vereinenden Fotos definiert der Benutzer Kontrollpunkte, an denen sich Hugin beim Zusammenfügen orientiert. In kürzester Zeit ist so das Panoramafoto fertig.

Overhead – nein danke

Fotogalerien – mit Panoramafotos oder einfachen Schnappschüssen als Inhalt – schießen im Internet wie Pilze aus dem Boden. Die verbreitetste Softwarelösung ist zweifellos Menaltos Gallery 2 [2]. Die PHP-Software hat sich allerdings in der Vergangenheit als äußerst anfällig für Sicherheitslücken aller Art erwiesen. Das hängt auch damit zusammen, dass Gallery 2 mit Funktionen geradezu überfrachtet ist.

Schon das Onlinesetup mit seinen zehn Konfigurationsschritten gibt sich sperrig – unnötigerweise, wenn der Anwender eigentlich nur ein paar Fotos online stellen möchte. Das sagte sich auch Brett Parker und bastelte als Alternative für die vielen schwergewichtigen Gallery-Anwendungen ein Shellskript. Der Funktionsumfang der Bpgallery [3] genannten Lösung reicht zwar an Gallery 2 bei weiten nicht heran, benötigt jedoch auf dem Server keine PHP-Unterstützung und keine Datenbank. Bpgallery erzeugt einfach eine statische HTML-Seite, die der Anwender nur auf den Server hochzuladen braucht.

Wem Bpgallery zu puristisch ausfällt, Gallery 2 jedoch zu kompliziert, der findet mit der Galeriesoftware Original einen Mittelweg. Das kleine, aber feine Werkzeug [4] ist in PHP geschrieben. Der Ximian-Entwickler Jakub Steiner entwickelt es weiter. Original erstellt eine ansehnliche Übersichtsseite mit Haupt- und Unteralben. Die Fotos sortiert es dabei ganz nach den Wünschen den Benutzers. Wahlweise sieht er entweder die Originalaufnahmen an oder verkleinerte Vorschaugrafiken.

Es muss nicht immer Amarok sein

Nach so viel visuellem Input sind jetzt die Ohren an der Reihe. Wer auf der Suche nach einem plattformunabhängigen Audioplayer ist, der den Vergleich mit Itunes nicht zu scheuen braucht, findet ihn in Atunes [5]. Die Software (Abbildung 2) basiert auf Java und funktioniert prinzipiell auf allen Java-fähigen Betriebssystemen. Unter Linux braucht sie allerdings auch den Mplayer. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, erfreut Atunes den Benutzer mit vielen nützlichen Features.

Abbildung 2: Atunes präsentiert sich nicht nur ansehnlich, es bietet auch alle Funktionen, die der Anwender von einem ausgewachsenen Musicplayer erwartet.

Abbildung 2: Atunes präsentiert sich nicht nur ansehnlich, es bietet auch alle Funktionen, die der Anwender von einem ausgewachsenen Musicplayer erwartet.

Bemerkenswert sind zum Beispiel die Statistikfunktionen des Programms: Atunes erzeugt für jedes Album ein Diagramm, das zeigt, welche Lieder der Anwender am häufigsten gespielt hat. Ein Knopfdruck genügt, um Textdateien als Songtexte hinzuzufügen. Die Software zeigt sie dann beim Abspielen rechts im Playerfenster an. Wer mehr über den Künstler, den er gerade hört, wissen möchte, kann direkt aus Atunes heraus bei Google Video, Youtube oder Wikipedia nach Informationen suchen.

Multimedia komplett

Bilderalbum, Musicbox – nun fehlt nur noch eine TV- und Videorecording-Software, um den PC zur vollwertigen Multimedia-Plattform auszubauen. Hier genießt Freevo [7] seinen großen Auftritt. Die Entwickler selbst nennen ihre Software eine “Home-Theater PC-Plattform” (Abbildung 3). Wenn diese Bezeichnung ein Komplettangebot für alle Multimedia-Bedürfnisse versprechen soll, bleibt es nicht bei bloßen Worten: Hinter einer ansehnlichen Oberfläche verbergen sich Funktionen fürs Abspielen von Filmen und Musik. Ist in dem Rechner auch eine Fernsehkarte eingebaut, zeigt Freevo Fernsehsendungen oder nimmt sie auf. Bei digitalen Karten steht ein elektronischer Programmführer zur Verfügung. Durch seine Fotoalben-Funktion wird Freevo zum digitalen Diaprojektor.

Abbildung 3: Alles unter einer Oberfläche: Freevo verwandelt den PC in eine Multimedia-Plattform mit Videorekorder, Bildbetrachter und Musicplayer.

Abbildung 3: Alles unter einer Oberfläche: Freevo verwandelt den PC in eine Multimedia-Plattform mit Videorekorder, Bildbetrachter und Musicplayer.

Ein übersichtliches Webinterface erleichtert die Benutzung. Wer eine Fernbedienung besitzt, kann diese ebenfalls verwenden. Zwar warnen die Freevo-Entwickler auf ihrer Website noch davor, dass sich das Projekt in heftiger Entwicklung befindet und deshalb von Zeit zu Zeit manche Komponente nicht richtig funktionieren könnte. Andererseits ist auch die Linux-Alternative Mythtv [8] noch tief im Betastadium.

Gemüsereibekuchen

Ein knurrender Magen stört den Bilder-, Video- und Musikgenuss. Abhilfe schafft ein vollwertiger Gemüsereibekuchen. Die Zutaten: 5 Teelöffel Weizenvollkornmehl, drei Eier, 150g Porree, 500g Kartoffeln, 200g Möhren, eine Zwiebel, Salz, Pfeffer, etwas gemahlener Ingwer, 4 Esslöffel Öl.

Zur Zubereitung das Mehl mit den Eiern verrühren. Den Porree in feine Ringe schneiden, die Kartoffeln und Möhren schälen und reiben. Die Zwiebel in Würfel schneiden, danach alles unter die Eimasse rühren. Mit Salz, Pfeffer und Ingwer abschmecken, das Öl in einer Pfanne erhitzen, den Gemüseteig löffelweise hineingeben und die Reibekuchen von beiden Seiten zirka drei bis vier Minuten braten. (pkr)

Infos

[1] Hugin-Homepage: [http://hugin.sourceforge.net]

[2] Gallery 2: [http://gallery.menalto.com]

[3] Bpgallery: [http://www.sommitrealweird.co.uk/development/bpgallery.html]

[4] Original: [http://jimmac.musichall.cz/original.php]

[5] Atunes: [http://www.atunes.org]

[6] Mplayer. [http://www.mplayerhq.hu/design7/news.html]

[7] Freevo: [http://freevo.sourceforge.net]

[8] Mythtv: [http://mythtv.org]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien.

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