Auch letzten Monat gab es Neuigkeiten in der Welt der freien Software. Dieses Mal: Saubermachen mit Debfoster und Deborphan, KCall sorgt für Anschluss und PHP2Go hilft bei der eigenen Website. Außerdem: Ubuntu ist toll – oder doch nicht? Streit bei Debian. Danach gibt es Gyros-Suppe.

Abbildung 1: Das Debian-Derivat Ubuntu sieht Desktop-Anwender als seine Hauptzielgruppe. Immer mehr Debian-Benutzer wechseln, wodurch beide Distributionen zunehmend miteinander konkurrieren.
Wer hätte das gedacht? Das EU-Parlament hat die Softwarepatent-Richtlinie, deren jeweils aktuelle Entwicklung seit Monaten in der Diskussion war, mit großer Mehrheit abgelehnt (siehe Artikel “Abgelehnt!”). Dass das Thema nun ganz von der Bildfläche verschwindet, ist aber nicht zu erwarten: Verschiedene Seiten – Gegner wie Freunde der Richtlinie – kündigten neue Initiativen an.
Ubuntu und Debian
Debian gilt nicht als für Linux-Anfänger besonders geeignete Distribution. Die Installation gestaltet sich zu umständlich und trotz der Versuche, Hardware automatisch einzurichten, stehen Laien sogar beim Einbinden eines USB-Sticks vor einer fast unüberwindbaren Hürde.
Grade deshalb begrüßten auch Debian-Entwickler Ubuntu Linux [1] als wichtigen Schritt. Den Canonical-Leuten gelang augenscheinlich das, worauf Debian lange vergebens hinarbeitete: Die Vorteile von Debian besonders im Paketmanagement mit Benutzerfreundlichkeit unter einen Hut zu bringen.
Hinter den Kulissen
Ubuntu erfunden hat die britische Firma Canonical. Ihr Gründer Mark Shuttleworth, auch bekannt als “erster Afrikaner im All” [2], hat diverse Debian-Entwickler für Canonical angestellt, damit sie hauptberuflich an Ubuntu arbeiten. Darunter befinden sich einige Hauptentwickler des Debian-Projekts wie James Troup, Debian-Account-Manager und FTP-Master, sowie Matt Zimmermann, Mitglied des Sicherheitsteams.
Fest steht, dass sich Ubuntu weit verbreitet hat, ohne dass der Initiator damit Einnahmen erzielt. Er verteilt freigebig Ubuntu-CDs an Linux-Usergroups und auf Kongressen oder Messen. Auf der Ubuntu-Homepage bestellen Interessierte CDs, um sie ebenfalls kostenlos per Post zu erhalten. Es stellt sich allerdings die Frage, aus welchem Grund Shuttleworth so viel Geld ausgibt. Er selbst gibt sich sparsam mit Auskünften und nennt als Motive den Spaß und die Absicht, eine Alternative zu Microsoft zu etablieren.
Vereinzelte Kritik
Manche Debian-Helfer beklagen, einige Entwickler ließen zu Gunsten der neuen Distribution ihre Arbeiten für Debian schleifen. Auch stört einige, dass Debian-Entwickler an einem Projekt mitarbeiten, das mit Debian um Benutzer konkurriert. Einigkeit besteht aber weitgehend darin, dass Ubuntu technisch einen Schritt in die richtige Richtung vollzogen hat. Debianer hätten es aber lieber, wenn Shuttleworth Helfer für die Arbeit an Debian bezahlte, statt ein eigenes Projekt zu gründen.
Die neu gegründete Ubuntu Foundation – von Shuttleworth wiederum mit finanziellen Mitteln reichlich bedacht -, die die Community-Bindung von Ubuntu stärken soll, dürfte die Spaltung der beiden Distributionen weiter vorantreiben, obwohl Debian das Gegenteil erreichen möchte. Immerhin begrüßt seine Satzung auf Debian basierende Distributionen ausdrücklich.
Manche Entwickler warnen, dass für Debian bald kein Platz mehr bleibe, wenn Ubuntu mit einer Serverversion zusätzliche Benutzer abziehen sollte. Doch die verbreitete Überzeugung, dass Debian den Impuls selbst geben und Veränderungen wagen müsse, um mehr Interesse bei Desktop-Benutzern zu wecken, trifft zweifellos zu. Das wird allerdings immer schwieriger, wenn weitere aktive Debian-Entwickler zu Canonical und Ubuntu abwandern.
Altlasten
Wer ein Debian-System pflegt, kennt das Problem: »apt-get« installiert fleißig neue Pakete, wenn Abhängigkeiten es erfordern. Aber darum, dass die automatisch mitinstallierten Pakete wieder von der Platte verschwinden, wenn man sie nicht mehr braucht, kümmert es sich nicht. So entsteht auf Debian-Systemen mit der Zeit eine Software-Müllhalde.
Die dafür entworfenen Funktionen der APT-Frontends Aptitude oder Dselect helfen nur, wenn sie konsequent an Stelle von »apt-get« zum Einsatz kommen. Die Bestände manuell überprüfen steht bei den oft über 1000 installierten Paketen auch nicht zur Debatte. Es spricht allerdings nichts dagegen, diesen Rundum-Check zu automatisieren, dachte sich Wessen Dankers und schrieb das Programm Debfoster [3]. Ruft man das Kommando »debfoster« mit der Option »-s« auf, gibt es eine Liste aller von keinem anderen installierten Programm benötigten Pakete aus.
Einheitsbrei
Kommt Debfoster regelmäßig zum Einsatz, bleibt die Paketdatenbank auch langfristig sauber. Der Einsatz des Programms empfiehlt sich besonders nach dem Upgrade von einer Debian-Version auf die nächste, denn dabei verschwinden zwar viele Debian-Pakete aus dem Distributions-Umfang, jedoch nicht von der Festplatte eines installierten Systems. Als Beispiele seien hier nur die alten »gcc-2.95«-Pakete genannt, die Sarge durch entsprechende »gcc-3.3«-Versionen ersetzt.
Bei Einsatz von Debfoster ist allerdings Vorsicht geboten: Nur wer keine eigene Software unabhängig vom Paketsystem installiert hat, kann sicher auf alte Pakete verzichten. Andernfalls funktionieren früher oder später selbst kompilierte Programme nicht mehr, weil Bibliotheken fehlen.
Deborphan als Alternative
Wer es etwas komfortabler mag, ist bei der Alternative Deborphan [4] gut aufgehoben. Dieses kleine Programm, geschrieben vom Debian-Entwickler Peter Palfrader, erledigt grundsätzlich die gleiche Aufgabe wie Debfoster, verfügt aber mit »orphaner« (Abbildung 2) über ein dialogbasiertes Text-Interface. Deborphan sucht ebenfalls als unnötig verdächtigte Pakete.
Darüber hinaus bietet Deborphan eine weitere Optionen, mit der Debfoster nicht aufwarten kann. Die Option »-n« stellt das Programm so ein, dass es auch Pakete zum Entfernen vorschlägt, obwohl andere Programme sie mittels eines »Recommends«- oder »Suggests«-Eintrags referenzieren.
KQuasselstrippe
Internet-Telefonie – kurz VoIP – ist in. Am bequemsten telefoniert es sich mit Hardware-Telefonen, die mit einer normalen RJ45-Buchse am Netz hängen. Solche Telefone kosten jedoch nicht wenig – zu viel jedenfalls fürs bloße Herumprobieren. Doch ein Headset samt passender VoIP-Software auf dem Rechner verrichtet dieselbe Aufgabe für weniger Geld.
Hier fangen jedoch auch die Probleme für Linux-Nutzer an: Man findet zwar auch für das freie System VoIP-Software, sie fällt aber oft durch mangelhafte Bedienbarkeit oder Funktionalität auf. SJPhone [5] arbeitet korrekt und bietet eine durchaus intuitive Oberfläche – es ist aber leider nicht frei.
Dies Problem will das KDE-Projekt mit KCall [6] endlich aus der Welt schaffen. Es gehört offiziell zur KDE-PIM-Familie – schon das verdeutlicht, wohin die Reise gehen soll: Das Tool soll sich später ganz und gar nahtlos in die bekannte Suite aus Kontact & Co. einfügen. Noch behilft sich KCall jedoch mit einer rudimentären Integration von KAddressbook. Schon jetzt liest es aber die Nummer einer Person über den zugehörigen Namen per Mausklick aus und ruft direkt an.

Abbildung 2: Deborphan und sein Textmenü-basiertes Interface helfen wie Debfoster beim Finden und Löschen verwaister Pakete. Vorsicht ist angesagt, wenn selbst kompilierte Tools vorhanden sind.
Baustelle
Obwohl KCall im Moment noch einer Baustelle gleicht, sind die Grundfunktionen schon vorhanden – per SIP tätigt es bereits Anrufe und meldet sich auch schon auf einem entsprechenden Server an. Die Oberfläche des Programms gestaltet sich durchaus übersichtlich (siehe Abbildung 3) und auch das Systray-Icon verrichtet seine Arbeit. Die ersten KCall-Versionen haben Programmierer der Darmstädter Firma Basyskom erarbeitet, bei der die KDE-Entwicklerin Eva Brucherseifer die Funktion der Geschäftsführerin ausübt. Aktuell arbeitet sie zusammen mit Malte Böhme am Telefon-Backend.
Für die grafische Oberfläche und die wichtige Interaktion zwischen KCall, Kontact und dem KDE-Adressbuch zeichnet Mike Hauth verantwortlich. Dass die KCall-Entwickler sich nicht auf den bereits zahlreich erhaltenen Lorbeeren ausruhen, deutet die ehrgeizige Roadmap des Programms an. Der Entwicklungsweg, den sie seit Juni zurückgelegt haben, bestärkt die Hoffnung. Am 25. Juni veröffentlichten die KCall-Entwickler die erste offizielle Release, Version 0.5, und schon bis zum 10. Juli gab es zwei Bugfix-Releases.
Weiter geht’s
In naher Zukunft will das KCall-Team vor allem die Telefonfunktionen verbessern und umfangreicher ausstatten. Konkret besteht das Ziel deshalb in der Implementierung des erweiterbaren OpenTAPI-Framwork [7], womit KCall auch andere Protokolle als SIP unterstützen würde. Das setzt eine umfangreiche Umstrukturierung voraus. So möchten die Entwickler die eigentliche Telefonfunktion nicht als Teil von KCall beibehalten, sondern in einen Daemon auslagern, der im Hintergrund läuft und mit der Oberfläche kommuniziert.
Wohin die Reise letztlich führt, wird sich zeigen. Das Potenzial des Programms liegt zum einen in dem Ehrgeiz der Entwickler, endlich eine funktionierende und freie Telefonsoftware für Linux zu schaffen, und zum anderen in der geplanten Integration in KDE und dessen Komponenten wie Kontact und KAddressbook.
Website leicht gemacht
Was einige Historiker von der Geschichte insgesamt behaupten, trifft bei Websites unbestritten zu: Manche Homepage-Moden wiederholen sich periodisch – man denke an die immer wiederkehrenden Zählmaschinen oder ans Standarddesign im typischen Board-Layout. Es leuchtet jedoch nicht ein, warum jeder Webprogrammierer dazu jedes Mal das Rad neu erfinden soll.
Dieser Gedanke kam auch den Erfindern von PHP2Go [8]. Marcos Pont bündelte deshalb mit anderen freien Entwicklern einige PHP-Standardprogramme in einem Paket. Das Resultat kann sich sehen lassen: Insgesamt enthält es Tausende von PHP-Dateien, aufgeteilt in verschiedene Kategorien. Ein PHP-Taschenrechner gehört genauso dazu wie unzählige Skripte für FTP-Uploads oder den E-Mail-Versand via PHP. Daneben enthält es auch Javascript-Anwendungen, etwa eine, die dem Betrachter die Farbauswahl einer Homepage erlaubt.

Abbildung 3: Die KCall-Oberfläche gibt es bislang nur auf Englisch. Das Programm soll als Bestandteil der Personalinformation-Managementkomponente des KDE-Desktops die Internet-Telefonie mit freier Software vereinfachen. Auch die Übersetzung in alle von KDE unterstützten Sprachen steht bevor.
Marcos Pont und sein Entwicklerteam geben sich derweil die größte Mühe, die Sammlung übersichtlich und aktuell zu halten. PHP2Go zeichnet sich dadurch aus, dass das Editieren der Blankodateien zum Anpassen an die eigenen Gegebenheiten besonders einfach ausfällt. Alle PHP2Go-Dateien sind zudem auf W3C-Konformität getestet.
Den HTML-Code, den die PHP-Dateien produzieren, stellen die meisten der zahlreichen Webbrowser korrekt dar. Das Projekt präsentiert sich damit als wertvolle Quelle für alle, die eine professionelle Website ohne großen Programmieraufwand zusammenstellen möchten.
Nach der Sarge-Release
Schon kurz nach der so lange erwarteten Release von Debian GNU/Linux stehen beim Debian-Projekt die Zeichen wieder auf Sturm. Nach der Veröffentlichung des Release-Announcements kündigten die Entwickler tief greifende Änderungen im »unstable«-Zweig an.
Beispielsweise verwendet Sarge noch die 3.3er Versionen der GNU Compiler Collection, die nächste Debian-Release soll Ausgabe 4 enthalten. Weil die neuen Compiler API-Änderungen einführen, würden allerdings mit GCC 3.3 übersetzte Programme nicht unbedingt mit den durch GCC 4 kompilierten Bibliotheken oder Programmen funktionieren. Deshalb müssen die Debian-Entwickler praktisch alle Pakete neu bauen. Der Prozess ähnelt damit dem Umstieg auf die Compiler Collection 3.3 zu Beginn der Sarge-Entwicklung vor mittlerweile bereits über zwei Jahren.
Auch am Installer geht die Arbeit weiter. Mehrere Paket-Uploads in die Unstable-Distribution sorgten dafür, dass »cdebootstrap« und »debootstrap« nicht mehr zuverlässig funktionieren. Beide Programme spielen allerdings entscheidende Rollen im Installationsprozess, sodass sie nun schnellstmöglich repariert werden müssen. Das Debian-Installer-Team und allen voran Joey Hess wollen Entwicklern und interessierten Benutzern installationsfähige Etch-CDs bereits viel früher als bei Sarge zukommen lassen. Damit möchten sie verhindern, dass die Installationsroutine wieder kurz vor der Release zum Flaschenhals wird.
Um endlich Sarge veröffentlichen zu können, verschoben die Entwickler auch andere Neuerungen, die sie jetzt überfallartig in »unstable« umsetzen. Anwendern ist deshalb derzeit davon abzuraten, diesen Zweig einzusetzen.
Sicherheit?
Nach der Sarge-Release hatte das Projekt zudem Probleme an einer ganz anderen Front. Das Sicherheitsteam gab wochenlang keine Patches heraus, kritische Fehler blieben in dieser Zeit unbeachtet. Dieser Umstand führte zu einer heftigen Diskussion auf der Debian-Project-Mailingliste nicht nur über das konkrete Problem, sondern auch über das Sicherheitsteam selbst.
Die Ursache für die Verzögerungen war schnell ausgemacht: Obwohl das Team nominell aus fünf Mitgliedern und zwei Beigeordneten besteht, blieb ein großer Teil der Arbeit an Martin Schulze allein hängen. Der war zudem in der Zeit nach der Sarge-Release mit seinem Engagement auf dem Linuxtag weitgehend ausgelastet. Das Team jetzt aufzustocken, um die Arbeit zu verteilen, scheint die einzige Lösung zu sein.

Abbildung 4: PHP2Go liefert PHP-Skripte in rauen Mengen frei Haus, darunter wie im Bild ein Framework mit Benutzerverwaltung und Login, das sich mit beliebigem eigenen Inhalt füllen lässt. Inzwischen enthält die Sammlung außerdem auch Javascript-Anwendungen.
Gyros-Suppe
Zutaten für drei bis vier Personen: 500g Gyros, eine rote und eine halbe grüne Paprikaschote, eine halbe kleine Dose Mais, eine halbe kleine Dose Erbsen, eine halbe Dose Champignons, eine halbe kleine Flasche Chilisoße, eine halbe kleine Flasche Zigeunersoße, ein Beutel Zwiebelsuppe, ein halber Liter Wasser, 50 ml Sahne, 100 g Kräuterschmelzkäse, eventuell Salz und Pfeffer.
Das Gyros-Fleisch anbraten und mit Wasser auffüllen, aufkochen lassen. Danach die Paprikaschoten würfeln und hinzugeben. Dann die restlichen Zutaten hinzufügen. Die beiden Soßen in die Mischung einrühren, anschließend den Schmelzkäse in der Suppe schmelzen. Schließlich die Sahne zur Mischung geben und nach Geschmack mit Salz und Pfeffer nachwürzen und verfeinern. Als Beilage reicht man Fladenbrot.
Guten Hunger
Am Ende der obligatorische Aufruf: Wer ein gutes Programm kennt, schätzt oder sich vielleicht selbst an der Entwicklung beteiligt und es in der Projekteküche vorgestellt sehen möchte, der schreibe eine E-Mail an [9]. (csc)
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Infos |
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[1] Ubuntu: [http://www.ubuntulinux.org] [2] Mark Shuttleworth: [http://www.firstafricaninspace.com] [3] Debfoster: [http://www.fruit.eu.org/debfoster] [4] Deborphan: [http://packages.debian.org/stable/admin/deborphan] [5] SJPhone: [http://www.sjlabs.com/sjp.html] [6] KCall: [http://www.basyskom.de/index.pl/kcall] [7] OpenTAPI: [http://www.opentapi.org] [8] PHP2Go: [http://php2go.sourceforge.net] [9] Hinweise und Vorschläge: [projektekueche@linux-magazin.de] |
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Der Autor |
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Martin Loschwitz ist Schüler aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit, die Debian GNU/Linux-Distribution weiterzuentwickeln. Momentan arbeitet er am Debian-Desktop-Projekt. |





