Die monatliche GNU-Kolumne
Brave GNU World
von Georg C.F. Greve
Erschienen im Linux-Magazin
2004/09
Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive des GNU-Projekts und der FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software. In dieser Ausgabe geht es um die Projekte Doodle und Pylint sowie um Privacy-Probleme beim Online-Portal Orkut.
Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World. In diesem Monat sollen zwei den meisten Lesern vermutlich unbekannte Projekte zu ihrem Recht auf Öffentlichkeit kommen. Am Beginn steht jedoch ein Privacy-Problem, das sich aus der populären Community-Website Orkut ergibt.

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Abbildung 1: Das Online-Portal Orkut verspricht seinen Teilnehmern eine gezielte Suche nach Gleichgesinnten durch ein umfassendes Persönlichkeitsprofil. Aber wie sieht es mit dem Schutz der sensiblen Daten aus?
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Orkut
Wer hat schon mal von Orkut gehört oder besitzt dort einen Account? Die Site[1] ist eine von Google[2] angebotene Plattform zur Bildung und Pflege von sozialen Netzwerken. Geschrieben wurde sie von Orkut Buyukkokten, einem Google-Angestellten, dessen Namen sie trägt. Angestellte der Firma Google sind angehalten, etwa ein Fünftel ihrer Arbeitszeit in persönliche Interessen zu stecken, und Buyukkokten interessierte sich für soziale Netzwerke.
Voraussetzung für die Teilnahme am Netzwerk ist eine Einladung: Ein bereits eingetragener Benutzer gibt an, dass er eine bestimmte Person als Freund in sein Netzwerk aufnehmen möchte, und diese Person bekommt dann per E-Mail eine Einladung zugeschickt.
Soziale Netzwerke
Im ersten Schritt legt der neue Benutzer ein Profil an, in dem neben Geburtstag, Geschlecht, Wohnort, Interessen, Humor, sexueller Orientierung und aktuellem Beziehungsstatus noch andere Dinge Platz finden. Allerdings sind alle Angaben freiwillig, die über den Namen und ein Login hinausgehen.
Danach zieht der neu eingetragene Nutzer los und sucht nach Bekannten und Freunden, um diese wiederum in sein Orkut-Netzwerk aufzunehmen. Neben dem eigenen Namen blendet die Seite immer die Anzahl der Freunde ein. Ein Anreiz, möglichst viele Freunde und Bekannte zu vernetzen.
Zusätzlich zu dieser einfachen Kontaktaufnahme bietet die Site die Möglichkeit, andere Teilnehmer zu bewerten. So steht es jedem frei, eines der drei Kriterien Trusty, Cool oder Sexy zu vergeben oder sich gar zum Fan einer bestimmten Person zu erklären. Themen- und Interessengruppen runden das soziale Networking ab. Entweder schließt sich der Nutzer selber einer Gruppe an oder er lädt andere in eine solche Gruppe ein, um mit ihnen zu diskutieren.
Mit anderen Worten: Orkut besitzt ein umfassendes Persönlichkeitsprofil jeder eingetragenen Person, das sehr individuelle und private Bereiche von politischer Einstellung bis hin zu sexuellen Neigungen umfassen kann.
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