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Das DV-Schnittprogramm Kino bei Tagesschau.de

Tagesschau weltweit mit Linux

von Oliver Frommel
Erschienen im Linux-Magazin 2004/08

Immer mehr deutsche Firmen setzen auf Linux als kostengünstige Lösung. Auch die öffentlich-rechtliche ARD benutzt das freie Betriebssystem, um die Tagesschau digital aufzunehmen, zu schneiden und fürs Streaming aufzubereiten.

Klein gedruckt steht es in den Release Notes zur aktuellen Version des Videoschnittprogramms Kino: "Dank an Tagesschau.de für die Unterstützung vieler neuer Features." Tatsächlich setzt das Online-Team der Tagesschau die Linux-Software in der Produktion beim täglichen Video-Streaming ein.

Open Source für individuelle Anpassungen

Professionelle Schnittprogramme wie Adobe Premiere oder Final Cut Pro machen durch ihren großen Funktionsumfang die Arbeit eher schwerer, meint Matthias Oelmann, der im Auftrag von Tagesschau.de die Neuentwicklungen koordinierte. Dagegen sei die freie Software Kino überschaubar und damit auch leichter an die spezielle Aufgabe bei Tagesschau.de anzupassen gewesen.

Die kurzen Wege bei der Open-Source-Entwicklung erlauben es, dass die Entwickler (vor allem Dan Dennedy) fehlende Fähigkeiten des Programms schnell ergänzen. "Three Point Insert Editing" für vereinfachtes Cut&Paste von Filmclips hatten sich die Nachrichtenmacher zum Beispiel gewünscht und die Anbindung einer Jog-Shuttle-Hardware (JLCooper MCS3), um einfacher durch die Filme zu navigieren.

Da manche Elemente der Original-Tagesschau - etwa Live-Zuspielungen - nicht auf Band vorliegen, digitalisiert das Online-Team die Sendung aus dem Fernsehen, von einer Blackbox (Canopus ADVC-500) nach DV gewandelt. Danach schneiden Mitarbeiter daraus die einzelnen Beiträge, während Kino einzelne Metadaten wie Beitragstitel schon aus dem internen Content-Managementsystem holt.

Digitalisieren und schneiden mit Linux

Drei solcher Arbeitsstationen stehen in Hamburg beim NDR, von denen zwei rund um die Uhr im Einsatz sind. Es handelt sich dabei um normale PCs mit Intel Pentium 4 (2,6 GHz) und 1 GByte Hauptspeicher, auf denen der Gnome-Desktop 2.6 unter Suse Linux läuft. Ein Encoding-Cluster unter Windows wandelt die fertig geschnittenen Segmente in die Endformate Windows Media und Real um. Eine reine Linux-Lösung scheitert daran, dass der Windows-Media-Encoder nur für Microsoft-Betriebssysteme verfügbar ist.

Die Encoder greifen wiederum auf Metadaten zurück, die Kino in einem hauseigenen XML-Format exportiert. Diese Funktion implementierte der ursprüngliche Kino-Autor Arne Schirmacher für Tagesschau.de kurzerhand selbst.

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