Aus Linux-Magazin 09/2003

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Abbildung 1: Debian wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Es ist eine der ältesten und größten Linux-Distributionen.

Diese Rubrik berichtet nicht nur über die Leckerbissen, sondern auch über die Köche. Diesmal gratulieren wir dem Debian-Projekt zum zehnten Geburtstag mit Infos über seine Geschichte, Debconf 3 und Debian-Mentors. Die Feinschmecker bekommen Hühnchen.

Abbildung 1: Debian wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Es ist eine der ältesten und größten Linux-Distributionen.

Abbildung 1: Debian wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Es ist eine der ältesten und größten Linux-Distributionen.

What’s cooking – stimmt diesmal nicht so ganz, who’s cooking wäre viel passender. Aber jeder bessere Reiseführer durch die Welt kulinarischer Genüsse beginnt ja auch mit einer Vorstellung der jeweiligen Küche. Also aus gegebenem Anlass:

Happy Birthday, Debian

Das offizielle Gründungsdatum des Debian-GNU/Linux-Projekts ist der 16. August 1993. Damit wird in diesem Jahr eines der größten freien Softwareprojekte zehn Jahre alt. Das ist sowohl für Entwickler als auch für die Benutzer ein Grund, überall auf der Welt Partys zu veranstalten[2].

Debians Geschichte ist beispiellos: Der Amerikaner Ian Murdock gründete im Jahre 1993 ein Projekt mit dem Ziel, eine Linux-Distribution zu erstellen, die komplett frei ist. Die Suche nach einem Namen für das frisch gegründete Projekt dauerte nicht lange: Ian setzte ihn aus dem Namen seiner Frau Debra und seinem eigenen zusammen. Er war anfangs noch selbst für die Releases verantwortlich, doch es gab bereits einige Entwickler, die ihm halfen. Im Januar 1994 brachte er Version 0.91 heraus. Sie enthielt zum ersten Mal eine Art Paketsystem und war zugleich die letzte “Ian Murdock only”-Release.

Die darauf folgende offizielle Version gab es erst im März 1995. Die Entwickler arbeiteten über ein Jahr daran, Debian intern umzubauen. Sie wollten auch Außenstehenden die Möglichkeit geben, dem Projekt zu helfen und die Entwicklung von Debian voranzutreiben.

Erstes Paketsystem

Ian Jackson hatte maßgeblichen Anteil daran: Er übernahm die Entwicklung von DPKG, dem ersten Paketsystem für Debian, das elementare Funktionen wie Paketabhängigkeiten unterstützte. Nach der Version 0.93R5 verließ Debian erstmals die x86-Gefilde: Hartmut Koptein portierte einen Großteil der Pakete auf die Motorola-M68k-Prozessorarchitektur. Auch für den PowerPC-Port war er verantwortlich, zusammen mit Martin Schulze und Vincent Renardias.

Mit der Veröffentlichung von Debian 0.93R6 im November 1995 war das Projekt auf ungefähr 60 Entwickler angewachsen. Kurz danach, im März 1996, verließ Ian Murdock das Projekt aus beruflichen Gründen. Sein Nachfolger als Debian Project Leader (DPL) war Bruce Perens. Er sorgte für die Entstehung der wichtigsten Dokumente des Projekts, der Debian Free Software Guidelines und des Social Contract[1].

Perens war auch die treibende Kraft hinter der Gründung von “Software in the Public Interest, Inc.” (kurz SPI) im Juni 1997. Ursprünglich sollte SPI die Spenden an das Debian-Projekt verwalten, doch mittlerweile ist sie zentraler Anlaufpunkt für viele freie Projekte, die finanzielle Hilfe benötigen.

Die erste offizielle Wahl des DPL fand 1999 statt. Wichert Akkerman gewann die Stimmenmehrheit. Unter seiner Regie kam eine für Endanwender besonders wichtige Version zustande: Debian GNU/Linux 2.1 alias Slink hatte zum ersten Mal Apt mit an Bord, das zum Frontend für DPKG wurde. Apt ist heute äußerst beliebt – Portierungen auf Red Hats RPM beweisen das.

Den zunächst letzten großen Meilenstein setzte Debian 3.0 alias Woody im Jahr 2002: Es unterstützt elf verschiedene Computerarchitekturen und besteht aus mehr als 9000 Softwarepaketen, die von über 1000 Entwicklern gepflegt werden. Debian 3.1 (alias Sarge) soll ein weiterer Meilenstein werden: Zum ersten Mal kommt hier der Debian- Installer zum Einsatz, der das veraltete Boot-Floppies-System ablöst.

Party on

Doch vorher steht noch die Geburtstagsfeier an. In Deutschland sollen gleich mehrere Partys stattfinden, genaue Planungen zu Ort und Zeit gibt es aber noch nicht. Debian-Developer Martin Schulze kündigte an, dass er gerne eine Party irgendwo in der Mitte Deutschlands organisieren würde. Er plant einen Grillabend und ein Frühstück am nächsten Morgen. Genauere Informationen finden Interessierte auf[2] und[3].

Abbildung 2: Ian Murdock, der Vater des Debian-Projekts. Er ist außerdem Mitbegründer von Linux International, SPI und der Open-Source-Initiative.

Abbildung 2: Ian Murdock, der Vater des Debian-Projekts. Er ist außerdem Mitbegründer von Linux International, SPI und der Open-Source-Initiative.

Debconf, die Dritte

Noch vor der Feier trafen sich die Entwickler am Wochenende des 20. Juli in Oslo bereits zur dritten jährlichen Debconf (Debian Conference). Sie ist das größte Treffen der Debian-Entwicklergemeinde. In der Woche zuvor fand das Debcamp statt.

Dort gab es wieder sehr interessante Workshops und praktische Hacking-Sessions. Themen waren der Debian-Installer, die automatische Netzwerkkonfiguration und eine gemeinsame Infrastruktur für Metadistributionen wie Knoppix oder FAI. Debian NP widmet sich dem Bau von Subdistributionen für Non- Profit-Organisationen. Auf der Debconf selbst gab es Vorträge über HP und Debian, die Arbeit an FTP-Masters und die Sicherheit von Debian.

Debian-Mentors: Noch mehr Pakete

Um Debian noch beliebter zu machen, benötigt es mehr Pakete. Allerdings dürfen nur offizielle Debian-Entwickler Pakete auf das FTP-Archiv hochladen. Jemand, der Debian-Pakete entwickelt, aber kein offizieller Developer ist, kann seine Pakete nicht auf dem FTP-Server zur Verfügung stellen. Nun gibt es einen Ansatz, dieses Problem zu lösen: Ivo Marino hatte die Idee, ein Projekt namens Debian-Mentors zu starten, das Platz auf einem Webserver bereitstellt, auf den nicht-offizielle Debian-Entwickler Pakete laden, ohne dass ihnen Kosten entstehen. Mittlerweile ist das Team auf vier Personen angewachsen.

Besondere Anforderungen sind nicht zu erfüllen, um den Service von Debian-Mentors zu nutzen. Der Dienst eignet sich für alle, die schon einmal Debian-Pakete erstellt haben und sie gerne für möglichst viele Benutzer zugänglich machen möchten. Detaillierte Informationen über die Anmeldung und zur Benutzung der Services gibt es unter[4].

Bratreis mit Hähnchenfilet

Zutaten: 500 g Brokkoli, 250 g Möhren, 300 g Champignons, zwei Zwiebeln, 450 g Hähnchenfilet, vier Esslöffel Öl, Salz, Pfeffer, Curry, 800 g gekochter Reis, 50 ml Sojasoße, 150 g Vollmilchjoghurt, Schnittlauch zum Bestreuen.

Brokkoli und Möhren, Pilze und Zwiebeln klein schneiden. Die Filets in Scheiben schneiden. Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen. Filet darin kräftig anbraten. Champignons und Zwiebeln zufügen. Mit Salz, Pfeffer sowie Curry würzen, aus der Pfanne nehmen. Brokkoli und Möhren in etwas Öl anbraten, danach Reis zugeben und kurz mitbraten.

Mit Sojasoße und zirka 50 ml Wasser ablöschen. Alles etwa zwei Minuten schmoren lassen, Filet und Champignons unterheben und nochmals erhitzen. Mit Pfeffer, Salz und Curry abschmecken. Schnittlauch in Röllchen schneiden. Joghurt und Schnittlauchröllchen auf den Bratreis geben.

Während ich die Herdplatte poliere noch die übliche Bitte: Wer ein Programm schätzt und es an dieser Stelle vorgestellt sehen möchte, schicke mir eine E-Mail[5]. Ich bin für alle Hinweise dankbar! (mwe)

Abbildung 3: Der Geburtstag wird rund um die Welt gefeiert. Auf der Debconf-Website befindet sich eine komplette Liste aller Partys. Leider stehen viele Termine noch nicht fest.

Abbildung 3: Der Geburtstag wird rund um die Welt gefeiert. Auf der Debconf-Website befindet sich eine komplette Liste aller Partys. Leider stehen viele Termine noch nicht fest.

Infos

[1] Debian Social Contract: [http://www.debian.org/social_contract]

[2] Debian feiert zehnten Geburtstag: [http://www.debconf.org/10years/]

[3] Debian-Geburtstagsparty: [http://www.infodrom.org/Debian/party/]

[4] Infos zum Projekt Debian-Mentors: [http://mentors.debian.net/]

[5] Hinweise und Vorschläge: [projektekueche@linux-magazin.de]

Der Autor

Martin Loschwitz kommt aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit dabei, die Debian GNU/Linux Distribution weiterzuentwickeln.

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