Klobig, klotzig, laut und schwer: Server gelten nicht gerade als handlich und sind unbeliebte Zimmergenossen. Zu Unrecht, sie können sogar den Schreibtisch zieren.
Moderne Server haben äußerlich kaum noch etwas mit den klobigen Kisten vergangener Jahre gemein. Das Bild hat sich vom Einheitsgehäuse in Einheitsgrau und Einheitsgröße mit etlichen Lüftern hin zu passiv gekühlten Designer-Geräten gewandelt. Gerade bei kleinen Servern für Arbeitsgruppen oder Abteilungen spielen Optik und Geräuschentwicklung eine Rolle: Wer möchte schon ein lärmendes Ungetüm im 19-Zoll-Schrank neben dem Schreibtisch stehen haben? In Rechenzentren sind wiederum Geräte mit hoher Leistung bei geringer Bauhöhe gefragt.
Wir haben sieben Server mit ungewöhnlichen Abmessungen und Formen getestet, vom Radio-Imitat bis hin zur 19-Zoll-Flunder. Bei der Bewertung spielten besonders die Linux-Tauglichkeit der Komponenten, Verarbeitungsqualität und Erweiterbarkeit eine große Rolle.
Bei Workgroup- und Kommunikations-Servern achteten wir zudem auf den Geräuschpegel der Geräte, für die Installation in Büros sollten die Server nicht lauter als ein Standard-PC sein.
Mainboards
Bei kompakten Servern hat sich ein Format durchgesetzt, das Erweiterungen nach PC104 [http://www.pc104.org] erlaubt. PC104 kommt aus dem Embedded-Bereich und sieht vor, dass Module über einen als Pfostenleiste ausgeführten ISA-Bus übereinander gestapelt auf das Mainboard gesteckt werden. Zudem sind die Geräte sehr stromsparend und in kleinen Abmessungen ausgeführt. Oft sind sie nicht größer als eine Europakarte (16 mal 10 Zentimeter).
Trotz ihrer Größe sind PC104-Main- boards wahre Schnittstellenwunder: Mit bis zu vier seriellen Anschlüssen, USB, PS/2, Monitor, IDE, Floppy und bis zu zwei Netzwerk-Ports ist auf einem modernen Embedded-Board ein kompletter Rechner aufgelötet. Für Spezialanwendungen gibt es sogar PCMCIA-Schächte, Soundkarten, Compact-Flash-Slots oder LCD-Anschlüsse.
Das alles hat seinen Preis: Unter 400 Euro findet man nur selten ein Mainboard, die CPU ist natürlich nicht dabei.
Prozessor-Parade
Ungewöhnlich groß ist auch die Familie der unterstützten CPUs. Anders als im Reich der Big Server, in denen Rechenleistung alles ist, kommt man bei Kommunikations-Servern, Firewalls, Access-Routern oder Mail-Relays durchaus mit kleineren Prozessoren aus.
So finden sich immer wieder Systeme mit Geode von National Semiconductor. Der Nachfolger des Media-GX von Cyrix hat nicht nur einen geringen Stromverbrauch, sondern enthält auch gleich die Speicherverwaltung und eine komplette Grafikkarte. Mit einem zweiten Chip, der die Southbridge ersetzt, lässt sich die Zahl der Komponenten auf dem Mainboard drastisch reduzieren. Allerdings liegt die Rechenleistung deutlich unter einem gleich schnell getakteten Athlon oder Pentium III.
Am häufigsten werden in Kompakt-Servern Intel-Prozessoren, teilweise sogar Notebook-CPUs, eingesetzt. Hauptgrund ist die im Vergleich zu AMD-Prozessoren niedrigere Stromaufnahme und Abwärme, zudem gibt es eine große Auswahl an Embedded-Mainboards für Intel-Prozessoren. Das schlägt sich auch im Testfeld nieder, nur der Intranator ist mit einer AMD-CPU bestückt.
Celestix Aries
Das leiseste Gerät im Testfeld kommt von Celestix Networks [http://www.celestix.de]. Der Aries hat nur die Größe eines PC-Lautsprechers und kommt mit passiver Kühlung aus – außer der Festplatte befinden sich keine beweglichen Teile im Plastikgehäuse.
Das Testgerät, das bereits im Linux-Magazin 06/01 ausführlich beschrieben wurde, ist mit einem National Geode mit 200 MHz ausgestattet. Derzeit wird das Gerät mit einer 300-MHz-CPU ausgeliefert, sonst hat sich nichts geändert.
Schnittstellen-Vielfalt
Der Aries ist ein echtes Schnittstellen-Wunder: Das PC104-Mainboard und die zwei aufgesteckten Erweiterungskarten bieten Video-Anschluss, parallele und serielle Schnittstelle, einen 10-MBit- und einen 100-MBit-Netzwerk-Anschluss, Soundkarte mit Buchsen für Kopfhörer, Mikrofon und Line, Kombi-PS/2-Anschluss, zwei USB-Ports, zwei PCMCIA-Slots sowie eine Irda-Schnittstelle auf der Vorderseite.
Linux an Bord
Der Aries wird mit einem erweiterten Red-Hat-System geliefert. Hinzu gekommen sind unter anderem die Ansteuerung des 128 mal 64 Pixel großen Displays mit Hintergrundbeleuchtung und Abfrage der fünf Bedientasten sowie mehrere Zusatzprogramme und Administrations-Tools. Über ein gelungenes Web-Frontend ist der Aries komfortabel als Mail-, Print-, Web- und Fileserver sowie Firewall und Accessrouter konfigurierbar. Auch Wireless LAN über PCMCIA-Karten ist vorkonfiguriert. Eine Beschreibung der inzwischen mehrfach aktualisierten Software ist für ein folgendes Linux-Magazin geplant.
Die Installation eines anderen Linux-Systems, zum Beispiel SuSE 7.3 Professional, gestaltet sich allerdings schwierig: Der Aries hat von der Festplatte abgesehen kein Laufwerk eingebaut und das BIOS bootet nicht von einem USB-Laufwerk. In der Praxis empfiehlt es sich daher, die Festplatte in einen anderen Computer einzubauen und das Linux-System so weit wie möglich dort einzurichten.
Der Celestix Aries ist ein Schmuckstück für jeden Schreibtisch – klein, leise, unauffällig und doch ein vollwertiger Kommunikations-Server. Man darf allerdings nicht allzu große Ansprüche an die Rechenleistung stellen, für die genannten Aufgabenbereiche ist die Geode-CPU aber völlig ausreichend.
Axiom EM-1611S
Der EM-1611S von Axiom [http://www.axiomtek.de] hat etwa die Größe einer Zigarrenschachtel und ist für die Wandmontage vorgesehen. Innen arbeitet ein Geode-Prozessor von National Semiconductor mit 300 MHz und integrierter Grafikkarte, der auf einem kompakten PC104-Mainboard aufgelötet ist. Der PC104-Steckplatz bleibt frei, die beiden Netzwerkanschlüsse, der Kombi-PS/2-Port für Tastatur und Maus, die serielle Schnittstelle, USB- und Monitor-Anschluss sind auf dem Mainboard untergebracht und zum Schutz vor Verschmutzung nach unten herausgeführt. Die Betriebs- und Festplatten-LEDs befinden sich an der Seite.
Die Geode-CPU wird nur passiv gekühlt, prinzipiell sollte der Rechner relativ leise sein. Da sich jedoch keine Lüftungsschlitze im Gehäuse befinden, muss ein kleiner, aber lauter Lüfter die Wärme abführen, die insbesondere das Netzteil erzeugt. Ein temperaturgesteuerter Lüfter wäre hier die bessere Wahl. Insgesamt fällt die Leistungsaufnahme mit 13 bis 16 Watt sehr moderat aus.
Das Netzteil sitzt ohne jegliche Abdeckung oder Abschirmung im Gehäuse (Abbildung 1), bei diesem Gerät sollte man also wirklich vor Öffnen den Netzstecker ziehen. Auch vom Betrieb im offenen Zustand ist abzuraten – das Schaltnetzteil erzeugt intern Spannungen von mehreren hundert Volt. Auch ragen die Kabel der LEDs bis in den Hochspannungs-Trafo, eine defekte Isolierung kann leicht gefährlich werden.

Abbildung 1: Spannend: Das Schaltnetzteil des Axiom EM-1611S liegt im Gehäuse völlig ungeschützt. Wer das Gerät testweise ohne Abdeckung betreibt, kann sich bei mehreren hundert Volt Spannung einen Schlag holen.
Loading SuSE
Die Linux-Installation bereitete eingangs erhebliche Probleme: Das BIOS kann nicht von USB-Floppy booten, wir mussten ein Diskettenlaufwerk neben das Gerät legen und über ein mitgeliefertes Spezialkabel anschließen. Die Einrichtung wollte aber dennoch nicht gelingen: Der Kernel erkannte zwar die angeschlossene Festplatte als erstes IDE-Gerät, Zugriff auf »/dev/hda« war aber nicht möglich. Auch »/dev/hdb« war nach Auslesen der Partitionierung nicht mehr nutzbar.
Erst nach Entfernen des Compact-Flash-Moduls, das auf der Unterseite des PC104-Mainboards eingeschoben wird, war die Festplatte wieder ansprechbar. Das Compact-Flash-Modul wird vom BIOS als zweites IDE-Gerät erkannt, offenbar ist aber der gemischte Betrieb von Festplatte und Flash nicht vorgesehen.
Nach Entfernen des Flash-Moduls verlief die Installation von SuSE 7.3 unspektakulär, auf die X11-Einrichtung verzichteten wir: Die meisten Server werden aus der Ferne administriert, wofür kein X-Server notwendig ist. Bei der Hardware-Einrichtung von Yast 2 wurde das Sound-Interface des Geode zwar gefunden, es ist aber nicht auf dem Mainboard bestückt.
Jumper umsetzen
Für den Einsatz des EM-1611S als Kommunikations-Server, Access-Router, Firewall oder Mail-Relay reicht ein Compact- Flash-Modul als Festplatten-Ersatz völlig aus. Doch auch ohne Festplatte hatten wir zunächst keinen Zugriff auf das Flash. Erst nach dem Schließen des Jumpers JP5, der neben dem PC104-Slot sitzt, wurde das Compact-Flash-Modul vom BIOS als erstes IDE-Gerät erkannt und ließ sich unter Linux normal partitionieren und beschreiben.
Notebook-Festplatte im Server-Betrieb
Gerade bei Kompakt-Servern wie dem Axiom EM-1611S werden häufig Notebook-Festplatten im 2,5-Zoll-Format verbaut. Abgesehen von niedrigen Datentransferraten und langen Zugriffszeiten gibt es keine Bedenken beim Dauerbetrieb von Notebook-Festplatten. Peter Franck vom Datenrettungs-Spezialisten Ibas etwa schätzt die Zahl der Platten-Crashes aufgrund von Lagerschäden als genauso hoch ein wie bei normalen Desktop-Festplatten.
Positiv ist der niedrige Energieverbrauch der 2,5-Zoll-Platten zu bewerten. Das spart nicht nur Strom, sondern heizt den Server auch nicht so stark auf wie die hoch drehenden 3,5-Zoll-Pendants – wodurch weniger Lüfter zur Kühlung erforderlich sind und das Gerät insgesamt leiser wird.
Intra2Net Intranator
Der Intranator von Intra2net [http://www.intra2net.de] zählt zur Kategorie der Kommunikations-Server. Der von Sedlbauer gefertigte Rechner ist in einem Miniatur-Towergehäuse eingebaut, das nicht mal die Breite eines 5,25-Zoll-Laufwerks hat.
Herzstück des Intranators ist ein AMD Duron 800 MHz auf einem ATX-Mainboard. Es bietet vier PCI-Slots, eine Grafikkarte und die üblichen Schnittstellen für Maus und Tastatur, USB, Ethernet, seriell, parallel, Sound und Joystick. Zudem sind eine weitere Netzwerkkarte sowie eine ISDN-Karte Sedlbauer Speed-Fax installiert, zwei PCI-Slots bleiben für Erweiterungen frei. Abgesehen von der Festplatte gibt es keine Laufwerke.
Gute Verarbeitung
In puncto Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln: Die Kabel sind sauber verlegt, das Innere ist aufgeräumt und die Kanten sind vorbildlich entgratet. Bei den Komponenten des Intranator handelt es sich um Standardbauteile, was leider auch den Netzteil- und CPU-Lüfter betrifft: Damit produziert der Intranator genauso viel Lärm wie ein Standardrechner. Schade, dass nicht auf Temperaturgesteuerte Lüfter zurückgegriffen wird, im Testbetrieb stieg die CPU-Temperatur selten über 40 Grad.
Linux inside
Der Intranator ist als Komplettlösung für kleinere und mittelständische Betriebe gedacht, in denen es keinen hauptberuflichen Systemadministrator gibt. Die komplette Einrichtung erfolgt über ein gelungenes Web-Interface; ein umfangreiches Hilfe-System erleichtert auch unerfahrenen Administratoren die Einrichtung der Dienste.
Update-Service
Das Betriebssystem ist Red Hat Linux 6.2, das umfangreich aktualisiert wurde: Kernel 2.2.19, OpenSSH 3.0.2p1 sowie Sendmail 8.11.6 haben noch nicht viel Staub ansetzen können. Damit das auch so bleibt, bietet Intra2net einen eigenen Update-Service und hält die Kunden per Mailinglisten über neue Versionen und Patches auf dem Laufenden. Das Update erfolgt vollautomatisch; nach zwölf Monaten kostet der Service jährlich 600 Euro. Eine ausführliche Beschreibung der Administrations-Software und des Update-Prozesses veröffentlichen wir in einer späteren Ausgabe.
Toshiba Magnia Z300
Als Vertreter der Server im Halb-19-Zoll-Format nahm der Toshiba Magnia Z300 am Test teil. Das überaus kompakte Gerät ist zwei Höheneinheiten hoch und lässt sich mit dem optionalen externen Platten-Array oder einem zweiten Magnia Z300 in einen 19-Zoll-Einschub stecken. Für die Einzelnutzung hat Toshiba außerdem zwei Halterungen mitgeliefert, mit denen man den Z300 hochkant aufstellen kann.
ipc2U HR-1014
Das einzige Testgerät mit zwei Prozessoren lieferte ipc2U [http://www.ipc2u.de]. Der HR-1014 ist mit zwei Pentium III (1 GHz) ausgestattet, die auf einem handelsüblichen ATX-Mainboard sitzen. Das Kühlsystem ist ausgeklügelt: Ein kräftiger Radiallüfter saugt die Luft unterhalb des Diskettenlaufwerks an und bläst über die vier SD-RAM-Slots und den passiven Kühlkörper der CPUs nach hinten. Vier weitere, je fünf Zentimeter große Axiallüfter kühlen das Netzteil und die SCSI-Festplatten im Wechselrahmen.
Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, der Rechner macht einen aufgeräumten und durchdachten Eindruck; nur das Fehlen der ATX-Blende des Mainboards ist zu beanstanden. Für zusätzliche Erweiterungen steht ein waagerechter PCI-Slot zur Verfügung. Überaus praktisch ist auch die kombinierte Floppy-CD-Einheit, die sich leicht auswechseln lässt.
Die Linux-Installation lief problemlos, alle Hardwarekomponenten wurden anstandslos erkannt. Der ipc2U HR-1014 ist insgesamt ein gut verarbeitetes System mit vielen praktischen Details.
Dämo 150D
Der Dämo 150D von HG-Computerservice [http://www.hg-computer.de] wurde als handgefertigter Prototyp geliefert. Das 19-Zoll-Gehäuse mit einer Höheneinheit enthält zwei völlig autonome Rechner, das Testsystem war mit zwei Pentium III (933 MHz) ausgerüstet. HG-Computer setzt auf Embedded-Mainboards mit PC104-Pfostenleiste, was sich auch im Stromverbrauch niederschlägt: Mit insgesamt 90 Watt verbrauchen die beiden Rechner nicht mehr als ein normaler PC, während zum Beispiel der HR-1014 von ipc2U mit Standard-Mainboard bis zu 140 Watt aufnimmt.
Etwas problematisch ist die Kühlung: Die hoch aufragenden SD-RAM-Module entpuppten sich als Luftbremse, so dass die insgesamt sechs kleinen Lüfter nur schlecht zum Zuge kamen. Immerhin werden runde IDE-Kabel eingesetzt, die den Luftstrom fast nicht behindern.
Das Testgerät wurde mit Red Hat 7.2 ausgeliefert, die wichtigsten Dienste und der Kernel waren auf dem aktuellen Stand der Dinge. Verbesserungswürdig ist unter anderem das Einrichtungsskript Initialsetup, das für die grundlegende Netzwerk- und Systemeinrichtung verwendet wird. Bei einer falschen Eingabe muss die Prozedur komplett von vorn durchlaufen werden, Defaultwerte gibt es nicht. Mittels »dialog« ließe sich die Benutzerführung deutlich komfortabler gestalten.
Wir sind auf das Endprodukt gespannt, von Kleinigkeiten abgesehen macht schon der Prototyp einen guten Eindruck. Interessant ist auch der Preis, für den die Konkurrenz meist nur einfache Server mit einer CPU bietet.

















