Aus Linux-Magazin 03/2002

Canon S630 im Test

S630 heißt der neue Tintenstrahldrucker der gehobenen Kategorie aus dem Hause Canon. Er ist die Weiter- entwicklung des Canon S600. Im Testlabor musste das Gerät seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Keine Druckerkategorie wird für so viele Einsatzgebiete angeboten und gekauft wie die Farb-Tintenstrahldrucker. Texte in Laserdruckqualität sind und bleiben zwar Grundanforderung für Drucker, aber auch Geschäftsgrafiken und Präsentationen wollen in Topqualität gedruckt sein. Dazu kommt das besonders schwierige Metier des Fotodrucks, das die Tintendrucker für sich erobert haben. All diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen ist die hohe Kunst des Druckerbaus.

Der Canon S630 hat hier eine Menge zu bieten. Er verwendet wie alle Canon-Drucker der neuesten Generation einen Permanent-Kopf. Obwohl er mit dem thermischen Tintenstrahlverfahren arbeitet und nicht mit Piezo-Köpfen, muss sein Druckkopf nicht weggeworfen werden. Er lebt praktisch ewig, ist aber dennoch abnehmbar auf dem Kopfschlitten montiert und kann im Fall eines Defekts – anders als zum Beispiel beim Konkurrenten Epson – mit einem Handgriff ausgewechselt werden.

Der Kopf ist in der Lage, Tintentröpfchen in mehreren unterschiedlichen Größen zu produzieren, die so klein sein können, dass spezielle Fototinte überflüssig wird. Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz – mehr braucht man auch für Fotos nicht. Das sorgt in Verbindung mit dem intelligenten Tanksystem von Canon für spürbare Entlastung des Geldbeutels.

Das Testszenario

Der zu absolvierende Benchmark ist derselbe, der in der Ausgabe 1/02 unserer Schwesterzeitschrift “LinuxUser” eingeführt und ausführlich beschrieben wurde, die Testergebnisse sind daher direkt vergleichbar. Der Test besteht aus Untersuchungen der Ausstattung und Messungen der Geschwindigkeit und der Qualität. Das ist mittlerweile ein ziemlich komplexes Unterfangen.

Gemessen wird hauptsächlich mit festgelegten Testdokumenten. Im Briefmodus gibt es dafür den ECMA-genormten Grauert-Brief, hinzu gesellt sich ein DTP-Dokument, das von Star Office 5.2 gedruckt wird. Für die umfangreiche Farbbewertung drucken die Tester ein hochpräzises Corel-Draw-Dokument sowie das laboreigene Testbild Bianca.

Da Canon keine Linux-Treiber liefert, wird der Test mit Cups und Turbo Print von Zedonet durchgeführt (siehe [www.turboprint.de]), das bereits bei früheren Druckertests zum Einsatz kam.

Ein Seitenpreis von drei Cent im Briefmodus ist für einen Tintendrucker ein prima Ergebnis, genauso beim Fotomodus: Bianca in DIN A4 kostet auf dem Canon S630 88 Cent inklusive Fotopapier. Im Test wurde Canons Glossy Photo GP-301 verwendet, von dem 20 Blatt acht Euro kosten. Andere Sorten von Canon wurden auch getestet, empfehlenswert ist noch das Highres-Papier (HR-101), das im Alltag das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Dafür, dass es etwas schlechter druckt als GP-301, ist es deutlich billiger (sieben Euro für 50 Blatt). Für Briefe kann man getrost Normalpapier nehmen, hier verwendeten wir Xerox-Fotokopierer-Papier.

Schon vor der Ermittlung der Seitenpreise, für die das Labor einen Satz Tintenpatronen leer druckt, beeindruckt das Gerät. 281 Sekunden für den DTP-Test – das ist neuer Labor-Rekord. Selbst der flotteste Drucker aus dem Vergleichstest, der Canon S500, brauchte mit 325 Sekunden deutlich länger. Dafür ist der S630 bei Grafiken und Fotos wieder etwas langsamer, bei Letzteren eine ganze Minute, wobei der Begriff wirklich relativ ist: 360 Sekunden für den S500 und 475 Sekunden für den S630 stehen etwa 1368 Sekunden für den langsamsten im Testfeld gegenüber.

Die Qualität

Die Druckqualität, die der Canon dabei erreicht, ist ordentlich. Die Note 3,5 bei DTP ist kein schlechter Wert – das Labor hat die Messlatte nur sehr hoch angelegt. Bislang erreichte kein Tintenstrahldrucker eine bessere Note als 2,5 im DTP-Bereich, was hauptsächlich an der Qualität des Laserdrucks liegt, der in dieser Disziplin sehr stark sind. Zwar liefern Tintendrucker auf Spezialpapier vergleichbare Ergebnisse, aber alle Hersteller betonen die Normalpapierfähigkeit ihrer Geräte, weshalb das Labor Volumenausdrucke wie DTP oder Briefe denn auch auf Kopiererpapier testete. Mit den Noten 2,5 und 2,0 für Grafik und Fotodruck zeigte der Canon S630, dass die neue Druckkopfgeneration mit variabler Tropfengröße ihre Vorteile gut ausspielt.

Gute Farbwiedergabe

Auf Fotopapier ist der Canon nicht ganz so brillant wie der Epson Stylus C60, dafür ist er bei der Papierqualität toleranter. Auch auf Normalpapier druckt er annehmbar mit schönen Farben. Generell sind ansprechende Farben ein Merkmal des S630, obwohl er exakt dieselben Patronen verwendet wie alle anderen Canon-Drucker in unseren Tests. Besonders gefallen auch die satten und scharfen Buchstaben des Brieftests, bei dem die Vorzüge der pigmentierten Schwarztinte Wirkung zeigen.

Massive Abzüge hagelte es vor allem für die mangelhafte Dokumentation des S630. Wie die meisten anderen Hersteller verzichtet auch Canon auf ein gedrucktes Handbuch, obwohl nach deutschem Recht der Käufer ein Anrecht darauf hat, und legt nur eine kurze Aufbauanleitung bei. Damit schafft es der S630 gerade auf ein Ausreichend in der Kategorie Ausstattung.

Die CD-ROM ist aber recht übersichtlich und auch unter Linux ohne Probleme nutzbar. Wer möchte, kann sich das 191 Seiten starke Handbuch selbst drucken – was im Farbmodus etwa zehn Euro und rund zwei Stunden Druckzeit kostet.

Fazit

Unter dem Strich ist der Canon S630 ein sehr flotter Allrounddrucker, der auch Fotos in ansehnlicher Qualität zustande bringt. Spezialpapier ist nur für Fotos erforderlich, für den Alltag reicht Kopierpapier völlig aus. Somit eignet sich das Gerät hervorragend für Privatanwender oder kleine Büros, in denen neben viel Briefverkehr auch Grafiken und Fotos gedruckt werden. Die niedrigen Druckkosten wirken hier besonders schonend aufs Budget. (mdö)

Tabelle 1: Ausstattung, Messwerte und Ergebnisse Canon S630

Tabelle 1: Ausstattung, Messwerte und Ergebnisse Canon S630

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