Das neue Testverfahren des Linux-Magazins ist außerordentlich komplex. Hier stellen wir einige Details daher genauer vor.
Das Testverfahren ist untergliedert in einzelne Rubriken. Es werden Qualität, Geschwindigkeit, Ausstattung, Kosten, Handhabung und Service bewertet. Zur Geschwindigkeitsmessung dient das DTP-Dokument, das mit Star Office gedruckt wird. Außerdem wird mit dem Bianca-Foto und der Testgrafik gedruckt, diese Dokumente sind weiter unten näher beschrieben. Der Standardtest (Dr.-Grauert-Brief) ist als Ergänzung auch dabei.
Bei der Ausstattung wird auf Auflösung, Emulationen und Schnittstellen ebenso geachtet wie auf Erweiterbarkeit mit Sortierern, Mailboxen oder Festplatten. Bei der Handhabung ist der allgemeine Gebrauch Testgegenstand, also die Benutzerfreundlichkeit. Beim Service geht es um Garantieleistungen.
Der arbeitsintensivste Test ist die Ermittlung der Druckkosten: Eine neue Patrone wird mit einem Muster leer gedruckt, dann der Schwärzungsgrad auf alltagsnähere fünf Prozent umgerechnet. Danach erfolgt die Kostenermittlung. Zusätzlich benötigte Verbrauchsmaterialien wie Trommeln und Papier (1,3 Pfennig) werden in den Seitenpreis eingerechnet, nicht aber Wartungskits, die ab 200000 Seiten benötigt werden – da ist der Drucker längst abgeschrieben.
Die Qualitätsbewertung setzt sich wiederum zusammen aus der Begutachtung der Druckqualität von vier Dokumenten: DTP, Grafik, Foto und Fläche. Der härteste davon kommt recht unspektakulär daher: Eine DIN A4 große uniform graue Fläche (50 Prozent Grau). Der Grauton wird von Druckern durch ein Raster wiedergegeben. Schon geringe Störungen im Tonerfluss oder in der Gleichmäßigkeit der Bewegung der Papierbahn sorgen für dunklere oder hellere Streifen oder Flecken. Absolut makellose Ausdrucke schafft hier keiner, was als normal anzusehen ist.
DTP
Star Office dient als ausdruckende Applikation. Neben der Messung der Geschwindigkeit können hier viele interessante Effekte kontrolliert werden. So haben einige Drucker keine Skrupel, gelben Text vor weißem Hintergrund ebenso zu verschlucken wie Dunkelblau-Braun-Kontraste. Farbige und hellgraue Schriften machen dieses Dokument ebenso zum Hürdenlauf wie ungewöhnliche Laufweiten und viele Diagramme.
Grafik
Der mit Abstand komplizierteste Test ist ein synthetisches Testbild, das minutiös mit Corel Draw erstellt wurde. Hier kommt es auf Präzision beim Ausdruck an, und zwar auf Bruchteile von Millimetern. Da Corel Draw unter Wine läuft, braucht es etwas länger zum Drucken als native Linux-Anwendungen.
Prominentester Test ist der Auflösungstest aus farbigen, aufeinander zu laufenden Linien. Kommt der Drucker an seine Auflösungsgrenze, verschmelzen die Linien zu einem Klumpen, dessen Größe ist also ein direktes Maß für die Auflösung. Da die Raster, die als Farbersatz dienen, ebenfalls Einfluss haben, sind die Linien farbig. Die Farbkeile testen die Grundfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz (CMYK) in Abstufungen von fünf Prozent. Wer hier zu grob rastert, fällt auf. Auch der Test mit schwarzem Text auf gelben Grund (und umgekehrt) ist schwierig, besonders die Schriftgrößen unter vier Punkt. Den äußeren Rahmen bilden Farbverlaufstests, mit denen die Gleichmäßigkeit von Verläufen beziehungsweise deren Posterisierung getestet werden können. Auch die maximale Ausreizung des Druckbereichs lässt sich hier bestimmen. Den Test ergänzt noch eine Reihe von Interferenz- und Störmustern, mit denen die Präzision der Rasterung analysiert werden.
Ein paar Positionierungstests prüfen das Verhalten bei Haarlinien, die in sehr flachem Winkel zur Senkrechten verlaufen. Ein rotbraunes Reliefbild erlaubt eine gute optische Kontrolle des Gesamteindrucks.
Foto
Besonders großer Aufwand war im Competence Center bei der Herstellung eines neuen Testfotos erforderlich. Es wird fortan nicht nur für Schwarzweiß- und Farbdrucker-Tests eingesetzt, sondern auch beim Testen von Scannern. FürsAusdrucken ist Gimp zuständig. Zusammen mit Fotograf Massimo Fiorito wurde ein Stillleben gestaltet, dass es in sich hat. Jedes Detail ist für sich eine schwierige Hürde.
Fotografiert wurde das Bild mit einer Plattenkamera im riesigen Großbildformat, das erstellte Dia hat eine Fläche von 9 mal 12 Zentimetern (zum Vergleich: Kleinbilddias haben 24 mal 36 Millimeter). Das bringt extreme Schärfereserve, um das Letzte aus denGeräten herauszukitzeln.
Fotomodell Bianca ist die hübscheste Herausforderung. Die Farben ihrer Haut sind aus technischen Gründen für alle Arten von Scannern und Druckern schwer wiederzugeben. Viele Geräte neigen dazu, die Farben der Wangen zu übertreiben (Rotüberschuss) und die Schatten im Halsbereich zu vertiefen (zu dunkel oder Abwandern ins Braun).
Zudem ist das Empfinden des Betrachters bei Hauttönen besonders kritisch. Die langen Haare verlangen Höchstleistungen bei Auflösung und Detailwiedergabe. Ein Drucker muss auch in Schwarzweiß einiges können, damit das Lächeln gut ankommt. Die Reflexe auf der Bluse und der Kette wirken schnell überzogen. Auch die Oberflächenstruktur der Bluse muss akkurat zu erkennen sein.
Auf dem Tisch geht es weiter mit den Hindernissen. Die Schreibmaschine ist aus schwarz lackiertem Metall. Geräte, die zu wenig Farbauflösung bieten, zeigen hier einen schwarzen Block, wo andere filigrane Details der Mechanik zeigen können. Der aufgeschlagene Foliant bietet subtile Details und Farben im Grün- und Braun- Bereich. Ob der Betrachter einzelne Seiten oder nur eine braune Masse sieht, entscheidet genauso über die Qualität wie die Reflexionen auf der Metallkugel. Dort müssen der rechteckige Scheinwerfer, die Buchseiten und ganz klein der Fotograf erkennbar sein.
Eine Herausforderung ist auch das Spiel von Spiegelungen und Brechungen in der Glaskugel und der Karaffe. Auch das Obst ist sehr problematisch. Zum einen sind Menschen beim Betrachten von Obst sehr farbkritisch (Obst mit Farbstichen auf dem Foto wird subjektiv als giftig eingestuft), zum anderen wurde das Obst kurz vor dem Fotografieren mit Wasser angesprüht: noch mehr Reflexe zum Testen.
Interessant ist auch Tux. Er spiegelt sich zur Hälfte auf einem echten Spiegel, zur anderen Hälfte auf der schwarzen Glasplatte. Stimmt hier der Schwarzpunkt nicht, bekommt die weiße Brust schnell einen Farbstich.
Die Liste ist noch lange nicht vollständig, auch Sonnenblumen, Sofa und Vorhangstoff bieten Stolperstellen, die hier aus Platzgründen nicht vertieft werden können. Die Agfa-IT8-Normfarbtafel dient zur Kalibrierung des Scanners, mit dem das Dia für den Druckertest in eine TIF-Datei umgewandelt wurde.
Delug-CD |
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Alle Testdateien finden Sie auch auf der Delug-CD zum Heft. Für eigene Tests benötigen Sie die Programme Star Office, Gimp und Corel Draw für Linux. Das Bianca-Foto wurde aus Platzgründen auf eine niedrigere Auflösung umgerechnet. |













