In unserer Reihe über regionale Linux-Usergroups waren wir im Juli zu Gast bei der Berliner LUG, die auf eine lange Tradition zurückblickt und einen festen Mitgliederstamm hat. Diesmal gilt unsere Neugier der LUG Bautzen – und die befindet sich gerade im Aufbau.
Schaut der Leser in der LUG-Liste des Linux-Magazins nach einer Internet-Adresse der LUG Bautzen, stößt er auf die Seite http://www.lug-bz.de. Es ist eine relative junge Präsenz im weltweiten Netz, die von Thomas Kieschnik aus der Taufe gehoben wurde. Sie löst die alte Webseite (http://www.siucs.de/lugbz) ab, auf der sich schon seit langem nichts mehr tut.
LUG Bautzen in Kürze |
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14,4 Grad östlicher Länge und 51,2 Grad nördlicher Breite liegt die Stadt Bautzen in den hügeligen Ausläufern des Spreewalds. Die Gründung der ersten Siedlung liegt fast 1000 Jahre zurück. Die LUG Bautzen befindet sich gerade in einer Konsolidierungsphase. Deshalb liefern wir an dieser Stelle nicht die üblichen Daten und Fakten der Gruppe. Ausgangspunkt für die Neugründung ist ein Aufruf auf der neuen Webseite http://www.lug-bz.de. Kommt von den alten und neuen Mitgliedern ein Votum für den Fortbestand der LUG – und danach sieht es im Augenblick aus -, soll in einem nächsten Schritt entschieden werden, in welcher Form es weitergehen soll. (kontakt@bz-lug.de) |
.. und zum Dritten
Die neue Internet-Seite ist der dritte Versuch in der Stadt mitten in der Oberlausitz eine Gruppe zu organisieren, die sich mit dem freien Betriebssystem beschäftigt. Kieschnik selber war zum ersten Mal durch einen Link auf der Seite http://www.linux.de auf die damals bestehende Usergroup aufmerksam geworden. Die Treffen waren aber ziemlich unstrukturiert, und organisierte Veranstaltungen, beispielsweise Installationspartys oder Vorträge, gab es zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht.
Auf einem der letzten Treffen der alten LUG lernte er jedoch Jens Bläsche kennen, der seit ungefähr vier Jahren aktiver Linuxer ist und sich bereits durch die meisten großen Distributionen durchgekämpft hat. Mittlerweile ist er bei Gentoo-Linux hängen geblieben, einer der kleineren Distribution (http://www.gentoo.org).
Auch Jens war mit der Aktivität – oder besser gesagt – mit der nicht vorhandenen Aktivität in der damaligen Usergroup unzufrieden. Die beiden fassten den Entschluss, die Internetseite neu zu beleben und einen Aufruf an alle Mitglieder der Mailingliste zu schicken. Gesagt, getan.
Blühende Landschaften
Am Auf- und Niedergang der Gruppe zeichnet sich auch sehr deutlich die Entwicklung der gesamten Region ab: Vor allem junge Menschen gehen – mehr als zehn Jahre nach dem Fall der Mauer – weiterhin in den Westen. Von den einstmals 50000 Einwohnern der Stadt Bautzen sind heute noch 43000 gemeldet – obwohl in der Zwischenzeit sogar mehrere kleinere Vororte eingemeindet wurden. Die Arbeitslosenquote liegt immerhin bei rund 20 Prozent, allerdings bezogen auf Grenzen, die weiter reichen als das engere Stadtgebiet.
Vor den Toren der Stadt hat gerade ein großes Telekommunikationsunternehmen ein Callcenter eröffnet. Aber solche Ansiedlungen bringen in der Regel nur wenige hoch qualifizierte Jobs in eine Region.
Betriebssystem Deutschland
Dass die Leute andere Sorgen haben, sieht Thomas Kieschnik nicht unbedingt als ein Hindernis an. Ohne finanziellen Hintergrund lassen sich aber freiwillige Projekte einfach schwerer verwirklichen. Auf der anderen Seite klagen gerade die Projekte, deren Mitglieder in einem oder gar mehreren Jobs tätig sind, oft über den Zeitmangel und das schwindende Engagement des Einzelnen. Kaum jemand hat oder nimmt sich die Zeit, sich um etwas zu kümmern.
Natürlich gibt es auch andere, sie haben Zeit und wollen auch etwas tun – aber es fehlt an den Perspektiven, dieses Kapital sinnvoll zu investieren. Hier zeigen sich die Grenzen des Betriebssystems Deutschland, und auch freie Software kann da nicht als Allheilmittel verwendet werden.
Gründerstimmung
Die LUG soll von der Idee her ein Kreis sein, in dem Geben und Nehmen herrscht. Für die LUG Bautzen geht es künftig nicht ausschließlich darum, die Fragen von Einsteigern zu beantworten. Ein Ziel der Gemeinschaft könnte ebenfalls die Verbreitung von Linux in den Schulen sein. Hier liegt das Potenzial für die künftigen Mitglieder.
Sobald genügend Leute sich bereit erklären an einer solchen Aktion mitzuwirken, steht der Umsetzung eigentlich nichts mehr im Wege. Im Augenblick reicht die Kraft der Gruppe noch nicht für solche Veranstaltungen. Aber an vielen anderen Orten gibt es bereits funktionierende Projekte an Schulen, die nicht selten aus der Mitte von LUGs kamen.
Kontakte
Mit dem Aufbau der LUG sollen auch Kontakte zu anderen Linux-Usergroups geknüpft werden. Der Austausch ist für den Aufbau einer Community wichtig. Alle Themen können die Bautzener am Anfang nicht besetzen und deshalb könnte sich Thomas Kieschnik schon eine Zusammenarbeit mit größeren LUGs wie beispielsweise denen in Dresden oder Chemnitz vorstellen.
“Die Kommunikation in der Gruppe ist wichtig”, so Jens Bläsche, “eine Frage ist immer schneller gestellt als eine Manpage gelesen. Es ist doch eigentlich eine gute Sache, anderen mit seinem Wissen zu helfen, aber auch selber etwas dabei zu lernen. Wo geht das besser als in einer LUG.”
Trotz Rezession und allgemeiner Stagnation in der IT-Branche ist mit Linux Geld zu verdienen. So bietet Kieschnik mit seinem kleinen Unternehmen Linux-Lösungen für Banken und mittelständische Unternehmen an. Das Bewusstsein für die Vorteile des freien Betriebssystems ist aber relativ gering.
Darin könnte ebenfalls eine Chance für die LUG liegen. Mit Veranstaltungen und Referenten wären sie für Linux kompetente Ansprechpartner, denn die Vorteile liegen nicht nur in der Stabilität und Offenheit, sie liegen ebenfalls in den Kosten. Obwohl es in dem Bereich Rechnung und Gegenrechnung gibt, liegt es auf der Hand, dass bei großen Stückzahlen die Lizenzkosten für einen Rechnerpark ganz schön zu Buche schlagen.
“Alle Firmen in der Region müssen im Augenblick hart rechnen, hier liegt noch Einsparpotenzial”, so Kieschnik. Zudem ist das Wissen um die Möglichkeiten des neuen Betriebssystems noch begrenzt. “Ein bisschen Konkurrenz hat außerdem noch nie geschadet”, ergänzt Bläsche, “Im Server-Bereich ist Linux bereits eine Größe, jetzt müssen Gruppen wie die Usergroups an der Verbreitung auf dem Desktop arbeiten.”
Mailinglisten und Installpartys
Wie geht es konkret weiter mit der LUG Bautzen? Wie die Geschichte von Linux zeigt, wird auch ihre Zukunft im Internet liegen. Es soll eine Mailingliste etabliert werden, auf der die Mitglieder die Ziele der Gemeinschaft diskutieren. “Irgendwann findet bestimmt eine Installationsparty statt”, schaut Thomas Kieschnik optimistisch in die Zukunft.
Treffpunkt gesucht
Jens Bläsche ist gespannt auf das erste Treffen der neuen Usergroup in Bautzen. Er ist sicher, dass es stattfinden wird. Wenn die Mitgliederzahl groß genug und das erste Treffen fällig ist, stellt sich für die Gruppe die Frage nach einem geeigneten Ort. Früher fanden die Treffen in einer Kneipe statt, “aber natürlich wäre ein Treffpunkt mit Computern auch nicht schlecht. Immerhin ist man dann gleich in der Lage, auch mal was auszuprobieren”, so Jens Bläsche.
Bis dahin wartet noch ein Stück Arbeit auf die Bautzener LUG, aber der 2.4er Kernel wurde auch nicht an einem Tag geschrieben.




