Aus Linux-Magazin 04/2001

SuSE Linux 7.1 Professional

Ein fest verwurzelter Aberglaube im Linux-Lager ist, dass "Nuller"-Releases immer voller Fehler seien und man besser auf die "Einser" warten soll. Ein erster Blick auf die SuSE Linux 7.1 leistet einen Beitrag, alte Einstellungen neu zu überdenken.

Kernel 2.4, XFree86 4.0 und KDE 2.0 sind dem Beta-Stadium entwachsen – Zeit für eine neue SuSE-Distribution. Mit inzwischen sieben CDs hat SuSE selbst das Format der CD-Hülle ändern müssen, aber auch bei YaST2 hat sich etwas getan: GNU parted hat ein grafisches Frontend bekommen, so dass Windows-Umsteiger nicht mehr länger ihre Partitionen löschen und neu anlegen brauchen. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt.

Partitionierungsprobleme

Die in unserem Testsystem eingesetzte 6-GByte-Platte enthielt noch drei Linux-Partitionen unseres SuSE-7.0-Tests vom Oktober 2000. Zudem hatten wir am Plattenende, genauer gesagt als /dev/hda7, eine 1.1 GByte große Windows-Partition installiert. Linux verteilte sich auf die Partitionen /dev/hda1, /dev/hda5 (swap) und /dev/hda6.

Es sollten eigentlich nur die vorhandenen Partitionen wieder verwendet werden – doch hier scheiterte der YaST2 kläglich. Anstatt uns wie üblich eine Auswahl der zur Verfügung stehenden Partitionen zu präsentieren, die wir löschen oder formatieren können, versuchte YaST2 auf Biegen und Brechen die Windows-Partition zu verkleinern. Wir mussten schließlich von Hand partitionieren.

Ärger mit dem Kernel

Auch um den 2.2.18er Kernel ist es alles andere als gut bestellt. Für unseren Notebook-Test verwendeten wir SuSE 7.1, und erlebten haarige Überraschungen. Anscheinend sind die Sound-Module nicht koscher, wir erhielten auf dem IBM ThinkPad T21 und dem Fujitsu-Siemens Lifebook B-2154 reproduzierbar Kernel-Lockups beim Laden der Sound-Module. Mit dem selbst kompilierten Original-Kernel-2.2.18 hatten wir keine solchen Probleme.

Auch die BIOS-Erkennung ist buggy, wir mussten auf dem Lifebook beim Laden des SuSE-2.2.18-Kernels stets die Speichergröße mit angeben, sonst warf der Kernel kurz nach Initialisierung des APM einen Paging-Error. Bei Kernel 2.4 tritt dieses Problem eben so wenig auf wie beim Standard-Kernel 2.2.16 der SuSE 7.0.

Fazit

Es wäre überzogen, von der SuSE 7.1 abzuraten – auf den meisten Desktop-Systemen läuft sie ohne Auffälligkeiten, unsere Probleme betrafen meist nur Randgruppen. Dennoch wird der größte deutsche Linux-Distributor wohl etliche Patches veröffentlichen müssen, bis die SuSE 7.1 (fast) überall einigermaßen stabil läuft. Auch drängt sich die Frage auf, ob die zum Teil selbst gestrickten Kernel-Patches nicht zu viel des Guten tun und neue Probleme ins Haus holen.

Wir werden uns mit der Verison 7.1 noch eingehender beschäftigen müssen, die hier aufgezeigten Fehler sind nur ein kleiner Teil der im Test aufgetretenen Probleme, die wir während des Kurztests fanden.

Oft sind sie Umstände und die Ursache der Fehler noch nicht klar, aber wir werden in einer der nächsten Ausgaben ausführlich über unsere Erfahrungen berichten. (mdö)

Ab SuSE 7.1 ist auch das Nachladen von Hersteller-Treibern während der Installation möglich

Ab SuSE 7.1 ist auch das Nachladen von Hersteller-Treibern während der Installation möglich

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