Aus Linux-Magazin 01/2001

LinuxPark auf der Systems 2000

Andreas Kalbitz, Mitglied des PingOS-Projektes im Gespräch mit Besuchern im Open-Source-Bereich des LinuxParks.

“Ich hoffe, dass sich Veranstaltungen wie der LinuxPark eines Tages überleben werden.” Mit dieser provokanten Formulierung reagierte der Vorstandsvorsitzende der SuSE GmbH, Frank Dyrhoff, auf die Frage, wie er die Zukunft der Sonderausstellung sehe. Das bedeute – so beschwichtigte er grinsend -, dass dann Linux so weit verbreitet ist, dass es nicht mehr in einem eigenen Themenpark zusammengefasst werden muss.

In der Tat hat sich sowohl qualitativ als auch quantitativ einiges getan seit der Systems 1999. Rund doppelt so viel Ausstellungsfläche als im vergangenen Jahr teilten sich die kommerziellen Aussteller mit den Vertretern der Open-Source-Bewegung. Es wurde trotzdem eng, aber die Stimmung war gut: “Der LinuxPark ist eine runde Sache”, fasste Harald König vom XFree86-Projekt am Freitag die fünf anstrengenden Messetage für sich zusammen. Viele andere dachten das Gleiche.

Mit einer einheitlichen Optik, die durch ein umlaufendes Band oberhalb der Stände realisiert wurde, war die Präsenz von Linux-Anbietern kompakt zusammengefasst und fiel den Besuchern auch schneller auf. “Hier ist mehr los in Sachen Linux als auf der ganzen CeBit”, staunte da ein Besucher. Er war extra wegen des LinuxParks auf die Messe gekommen.

Andreas Kalbitz, Mitglied des PingOS-Projektes im Gespräch mit Besuchern im Open-Source-Bereich des LinuxParks.

Andreas Kalbitz, Mitglied des PingOS-Projektes im Gespräch mit Besuchern im Open-Source-Bereich des LinuxParks.

Gute Geschäfte

Baastrup EDV-Entwicklungs GmbH konnte auf dem LinuxPark einen gelungenen Geschäftsabschluss verkünden, und Frank Littinski sagte nach Abschluss des Geschäfts mit der Mannesmann Mobilfunk AG, das bereits im Vorfeld der Systems 2000 über die Bühne ging: “Der Kontakt zu den anderen Ausstellern ist sehr gut gewesen und mir persönlich hat die Atmosphäre hier im LinuxPark ausgezeichnet gefallen.” Baastrup EDV-Entwicklungs GmbH wird zusammen mit Mannesmann rund 100 Thin-Clients in den Mobilfunk-Zentralen des Anbieters installieren. Die Geräte basieren auf den x-Terminals und laufen unter Debian 2.2 mit einer an XFree86 4.0 angepassten CDE-Oberfläche.

Martin Konold, SuSE-Entwickler, bezeichnete den LinuxPark im runden Jahr 2000 als “größer und professioneller” als im vergangenen Jahr. Und Matthias Ettrich, Trolltech-Entwickler und einer der Haupt-Maintainer des KDE-Projekts, sekundiert: “Linux-Veranstaltungen sind immer ein Treffen von alten Bekannten. Das wird durch den LinuxPark erfreulich gefördert. Er ist zu einer Messe innerhalb der Messe geworden.”

LinuxPark als Magnet

“Der LinuxPark innerhalb der Systems hat wie ein Magnet gewirkt und vielen Leuten einen Überblick über die Linux-Szene gegeben”, sagte Thomas Meier, Business Development Manager bei Silicon Graphics Inc. (SGI). “Linux ist für SGI weiterhin ein starkes Thema und wir haben hier viele Kontakte zu Entwicklern knüpfen können”. Am Stand gegenüber zeigte die Firma AppTime eine Cluster-Lösung unter Linux für heterogene Netzwerke. Auch hier drängten sich die Kunden um die Terminals und die Mitarbeiter zeigten sich rund um zufrieden mit dem Andrang. Robin Saad Tawab resümiert:”Uns hat der LinuxPark als Ausstellungsort überzeugt. Es hat sich gelohnt.”

Wachsende Akzeptanz

“Rund um eine gute Organisation”, lobte Susanne Kämpgen von Sysgo, die sich mit eingebetteten Systemen befasst. Sie machte eine deutlich wachsende Akzeptanz für Linux aus. “Früher wurde zudem der Linux-Support vermisst. Da sieht es heute anders aus”, so Kämpgen.

Andreas Kalbitz von der kombinierten Grund- Haupt- und Realschule Hirschenfeld aus Hamburg bietet ebenfalls Unterstützung an – allerdings bei Projekten, die Linux in die Schulen tragen sollen. “Wir versuchen die Schulen mit einem kompetenten Ansprechpartner von der Planung über die Installation bis zur Nachbetreuung zu begleiten”, sagte Kalbitz. Auf einer Karte, die am Stand auf dem LinuxPark hängt, stecken kleine rote Nadeln. Sie markieren die Mitglieder des losen Verbandes von Freiwilligen, die sich zusammengefunden haben, um PingOS zu unterstützen. Noch sind die Stecker dünn gesät, aber auf der Messe sind sowohl Kontakte mit Schulen als auch mit freiwilligen Helfern zustande gekommen.

Sysgo-Mitarbeiterin Susanne Kämpgen (links), hier mit ihren Kollegen Michael Tiedemann (Mitte) und Marius Gröger (rechts) von Sysgo Real Time Solutions, sagt zum LinuxPark: "Wir haben hier eine deutlich wachsende Akzeptanz von Linux bemerkt."

Sysgo-Mitarbeiterin Susanne Kämpgen (links), hier mit ihren Kollegen Michael Tiedemann (Mitte) und Marius Gröger (rechts) von Sysgo Real Time Solutions, sagt zum LinuxPark: “Wir haben hier eine deutlich wachsende Akzeptanz von Linux bemerkt.”

Suche nach Alternativen

Auf der Suche nach Alternativen ist auch Harry Flosser, Geschäftsführer von Harry Flosser Cartoons. Der Web-Designer und Programmierer von Animationen hat lange Zeit ausschließlich mit proprietären Systemen gearbeitet und will nun “auf eine stabile Plattform umsteigen”.

Bereits kurz nachdem sich die Tore an den Enden der Münchner Messe geöffnet hatten, strömten die Besucher in den LinuxPark. Die zahlreichen Events zu Themen wie “Staat machen mit Linux”, bei dem es um den Einsatz von Linux in öffentlicher Verwaltung und Regierung ging, sowie den Beiträgen zu spezielleren Themen wie Embedded Linux oder Bildbearbeitung zogen das Publikum in die Halle A3.

Chance vertan?

Hubertus Soquat, Referent im Bundeswirtschaftsministerium, brachte die Situation in seinem Beitrag während einer Podiumsdiskussion auf den Punkt: “Hätten wir diese Situation bereits vor drei Jahren gehabt, dann stünden in den Behörden wahrscheinlich andere Systeme als das heute der Fall ist.”

Hans-Josef Heck von der FSUB konterte gleich: “Wir haben 1969 angefangen, an den Schulen Datenverarbeitung zu unterrichten. Bei dem damaligen Schritt ist es überwiegend geblieben. Damals hatten wir die Chance, Unix in die Schulen zu holen. Diese Chance haben wir vertan.” Seine Forderung: Mehr Geld in die Ausstattung der Schulen sowohl für Lehrkräfte als auch für neue Hard- und Software.

Hans-Josef Heck (links) und Hubertus Soquat vom Bundeswirtschaftsministerium (rechts) in der Podiumsdiskussion "Staat machen mit Linux"

Hans-Josef Heck (links) und Hubertus Soquat vom Bundeswirtschaftsministerium (rechts) in der Podiumsdiskussion “Staat machen mit Linux”

Gute Atmosphäre

Trotz solcher Kontroversen, die unausweichlich zu der dynamischen Entwicklung von Linux und den daran beteiligten Interessengruppen gehören, war die Grundtenor versöhnlich: “Gerade die Mischung, aus der sich unter anderem die Spannung im Linux-Bereich ergibt, hat bei dieser Messe gestimmt. Eine sehr gute Atmosphäre”, zog Rasmus Plewe von Caldera Deutschland seine Bilanz.

Impressionen aus
dem Open-Source-Bereich
AniTMT ist ein Open-Source-Projekt, das aus einer Jugend-forscht-Arbeit entstanden ist. Die Software dient zum Erstellen von Filmen am PC, die völlig künstlich sind. Dabei wird zur Berechnung der einzelnen Frames auf den Raytracer PovRay zurückgegriffen, der eine hohe Qualität der Bilder ermöglicht. In naher Zukunft sollen andere Raytracer unterstützt werden. Das Erstellen der Filme und Animationen erfolgt ausschließlich in Textdateien. Zum Berechnen der Filme ist eine enorme Rechenleistung nötig. Deshalb wurde für die Systems von der Firma Compaq ein Cluster aus zwölf Alphas zur Verfügung gestellt

LUG-Stand Systems2000

Wie schon im letzten Jahr haben die Lugal (Linux User Group Allgäu) und die Luga (Linux User Group Augsburg) stellvertretend für alle Lugs den Stand auf der Systems betreut.

Wir haben versucht – wenn möglich – alle Fragen der Besucher an unseren drei Rechnern zu beantworten. Dies ging von der Einrichtung eines Drucker mit CUPS bis zur Installation und Konfiguration mit Webmin. Oft wurden wir gefragt, welche Hardware von Linux unterstüzt wird. Oder ob die teuren Windows-Programme unter Linux laufen? Wo ist denn die nächste LUG bei mir in der Nähe, wurden wir ebenfalls sehr häufig gefragt

Im Gespräch mit Microsoft

Zweimal war Standpersonal von Microsoft da. Die haben sich informiert, was Linux so alles kann, und sie haben zum Teil nicht schlecht gestaunt. Mit ihnen wurde immer heftig über einige Entscheidungen des Konzerns diskutiert. Am besten gefiehl uns von Microsoft das Plakat mit den vier Pinguinen und dem Titel Mutationen. Es hing auch bei uns am Stand, da es eigentlich keine bessere Werbung für Linux gibt. Wenn es nächstes Jahr heißt Systems2001, werden wir auf jeden Fall wieder dabei sein, da es für uns eine sehr coole Woche war und wir sehr viele Leute kennengelernt haben.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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