Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2016
© guesswho, 123RF

© guesswho, 123RF

Die Nextcloud Box im Kurztest

Work in Progress

In der Nextcloud Box haben der Ubuntu-Hersteller Canonical, Festplattenhersteller Western Digital und der Owncloud-Fork Nextcloud ihre Experimente in eine fassbare Form gegossen. Herausgekommen ist die Nextcloud Box. Das Linux-Magazin hat sich das Sync-Device angeschaut und sieht Optimierungsbedarf.

622

Obwohl die Produzenten der Nextcloud Box [1] bereits länger am Markt sind (Canonical, Western Digital und Owncloud-Entwickler), werfen sie für die Nextcloud Box quasi ihre eher experimentellen Produkte zusammen. WD-Labs ist der Inkubator von Western Digital.

Die Firma steuert eine WD10JMVW-USB-3.0-Festplatte mit 1 Terabyte Speicherplatz bei. Von Canonical kommt Snappy Ubuntu Core [2], das Betriebssystem für IoT-Geräte, das sich aber noch in Entwicklung befindet und hier zum ersten Mal ernsthaft im Einsatz ist. Nicht zuletzt schicken die Nextcloud-Entwickler, die jahrelang an Owncloud [3] gearbeitet haben, erstmals ihren Owncloud-Fork [4] in die Arena, verpackt als Snap in Ubuntus neuem Paketformat.

Preislich schlägt die Box mit ungefähr 70 Euro zu Buche, das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Nicht im Lieferumfang enthalten ist ein Raspberry Pi 2, auf dem das Betriebssystem läuft. Ohne ihn besteht die Box lediglich aus einer 1-Terabyte-Festplatte. Die im Test eingesetzte Version 2 schlug noch mal mit rund 40 Euro zu Buche. Künftig soll die Box auch Support für den Raspberry Pi 3 oder den Odroid C2 mitbringen, für den ersteren Fall nennt das Projekt Ende November als konkreten Termin.

Schräubchen locker

Zielgruppe dürften Menschen sein, die keine Lust haben eine Sync-Lösung selbst aufzubauen und zu konfigurieren. Als Backup-Device kommt die Nextcloud Box hingegen nicht in Frage, für dieses Szenario fehlt schlicht eine zweite Festplatte. Ein wenig Interesse für Technik sollten die Käufer auch mitbringen, denn es gilt, den Raspberry mit vier Schräubchen neben der Festplatte in der Plastikbox zu fixieren und die Geräte korrekt zu verkabeln (Abbildung 1, [5]). Hier ist also milde Handarbeit angesagt.

Abbildung 1: Ist sie korrekt verkabelt, konfiguriert sich die Nextcloud Box fast von selbst.

Praktisch ist, dass Magnete den Deckel der Plastikbox festhalten. Die lässt sich dadurch einfach öffnen und schließen. Das hilft nicht nur, wenn der Besitzer einen Schritt vergessen hat. Das Konzept der Macher ist, dass User das eingebaute Board später gegen ein neues und besseres auswechseln. Das könnte unter anderem der USB-Übertragungsgeschwindigkeit helfen, denn offiziell lässt sich die schnelle USB-3-Festplatte nur mit den drei oben genannten USB-2-Boards kombinieren.

Der getestete Raspberry Pi brachte zwar eine eigene SD-Karte mit Noobs mit, die aber galt es, gegen die mit der Nextcloud Box ausgelieferte SD-Karte zu tauschen. Der Nutzer verbindet den Raspberry Pi per Netzwerkkabel (liegt nicht bei) mit seinem Router und versorgt das Gerät am Ende mit Strom.

Der Weg in die Wolke

Der Raspberry lädt und konfiguriert das Betriebssystem, was etwa acht bis zehn Minuten dauert. Anschließend gibt der User einen Domainnamen in die URL-Leiste des Browsers ein (im Test »ubuntu-standard.lan« ), um Nextcloud zu erreichen (Abbildung 2). Notfalls verrät der Kommandozeilenbefehl

arp -a

ob und unter welchem Namen das Gerät im Netzwerk sichtbar ist.

Das auf einem mitgelieferten Zettel empfohlene »ubuntu-standard.local« funktionierte im Kurztest nicht, in einem anderen Netzwerk tauchte das System ohne Domainnamen auf. In diesem Fall steuert der Anwender die Weboberfläche über ihre IP-Adresse an.

Abbildung 2: Beim ersten Anmelden bewertet die Nextcloud-Seite auch die Passwortstärke.

Beim ersten Aufruf erfindet der Nutzer einen Benutzernamen und ein Passwort für den Administrator der Box, wobei Nextcloud die Sicherheit des Passworts überprüft. Wem die Fantasie fehlt, der lässt sich über die Kommandozeile eines Linux-Rechners und das Tool Pwgen mit »pwgen -s 12« ein ziemlich sicheres Zufallspasswort generieren.

Wer weitere Hilfe braucht, stößt im Anmeldebildschirm zudem auf einen Link zur englischsprachigen Installationsanleitung für Nextcloud Server 9. Laut Eigenwerbung ist allerdings "The latest Nextcloud 10 pre-installed and ready to go". Auf Nachfrage erklärte das Projekt, dass Version 10 erst gegen Ende 2016 auf der Box landen soll, dann immerhin ohne Zutun des Users.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 3 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Nextcloud stellt Zukunftspläne und Nextcloud Box vor

    An der TU Berlin startete heute morgen die Nextcloud-Konferenz. Hier stellen die Entwickler hinter dem Owncloud-Fork nicht nur ihre Zukunftspläne vor, sondern präsentieren auch in Kooperation mit Canonical die Nextcloud Box.

  • Nextcloud als Produkt, erste Pläne für Version 11

    Frank Karlitschek kündigt Pläne für Nextcloud als Produkt an, das Unternehmen tritt der Open Source Business Alliance (OSBA) bei.

  • Erste Version des Owncloud-Forks: Nextcloud 9

    Wesentlich früher als gedacht, haben die Nextcloud-Entwickler ihre erste stabile Version veröffentlicht. Der Fork des beliebten Owncloud bringt sogar ein paar zusätzliche Funktionen mit.

  • Nextcloud 11 setzt auf bessere Security

    Nextcloud 11 fährt neue Sicherheitsfeatures auf und hat sich unter anderem einem Security-Check der NCC Group unterzogen. Zudem erneuert es seinen App Store, der Signaturen erlaubt und bietet eine experimentelle Spreed.me-Integration an.

  • Nextcloud: Community-Fork von Owncloud

    Führende Owncloud-Entwickler, darunter auch der Gründer Frank Karlitschek, starten mit Nextcloud einen Fork des Codes und ein neues Unternehmen. Ziel ist es, ein besseres Gleichgewicht zwischen Unternehmen, Kunden und Nutzern herzustellen. Dafür hat sich das Team um Karlitschek viel vorgenommen.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.