Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2016

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Im Kurztest: Psensor 1.1.5, Jbrute 0.99, Exiftool 10.22, My little Forum 2.3.5, Q Own Notes 16.07.3, Strace 4.12

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Psensor 1.1.5

Grafischer Temperatur-Monitor

Quelle: https://wpitchoune.net/psensor

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Xsensors, Xmbmon

Psensor empfängt Daten von diversen Hardwarekomponenten, bereitet sie tabellarisch auf oder zeichnet übersichtliche Verlaufsgraphen. Im Hintergrund laufen bewährte Konsolenprogramme und beobachten die Temperatur von Motherboard- und CPU-Sensoren (»lm-sensors« ), von Nvidia-GPUs (Xnv-Ctrl-Library), von ATI/AMD-GPUs (AMD Display Library SDK) und Festplatten (»hddtemp« oder »libatasmart« ). Zudem kann das Tool die Geschwindigkeit des Lüfters (»lm-sensors« ), die Prozessor- und Speicherauslastung (»gtop2« ) erfassen.

Wer die aktuelle Ausgabe selbst aus den Quellen bauen möchte, benötigt neben den externen Helfern GTK+ 3. Wer noch auf GTK+ 2 setzt, kann nur die ältere Psensor-Version 0.6.x kompilieren. In den Programmeinstellungen definieren Benutzer die Farbgebung für die Messwerte, den Monitoring-Zeitraum (Standard: 20 Minuten) und das Aktualisierungs-Intervall (Voreinstellung: 2 Sekunden).

Im Archiv ist außerdem noch eine Serverkomponente enthalten: »psensor-server« ist ein minimalistischer Webserver, der die Daten via HTTP auf Port 3131 bereitstellt. Auf dem Client rufen Nutzer »psensor --url=Servername:3131« im Browser auf.

★★★★★

Mit Psensor behalten Anwender den Stresslevel der Hardware im Blick. Da das Tool die Daten nicht archiviert, eignet es sich eher für den Heimgebrauch als für ein dauerhaftes Monitoring mehrerer Rechner.

Jbrute 0.99

Passwort-Hashes überprüfen

Quelle: https://sourceforge.net/projects/jbrute

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Hashcat, John the Ripper

Jbrute testet unter Linux, Windows und OS X die Stärke von Kennwörtern. Das Java-Tool benötigt nur eine Laufzeitumgebung in Version 1.7 oder höher. Der Entwickler empfiehlt zudem 1 GByte RAM oder mehr, da es speicherhungrig ist. Nach dem Entpacken wechseln Anwender ins Verzeichnis »JBrute« und machen das Skript »jbrute.sh« ausführbar.

Jbrute versucht den Hashwert eines Passworts zu entschlüsseln. Das Tool unterstützt 21 verschiedene Algorithmen, darunter MD5, SHA, NTLM, LM und sogar Oracle, MySQL oder PostgreSQL. In der Voreinstellung erkennt es den Hashalgorithmus; klappt das nicht, definieren Benutzer ihn hinter »--algorithm=« . Über weitere Parameter steuern sie, ob Jbrute ent- oder verschlüsselt (»--decrypt« , »--encrypt« ), und geben den Hashwert (»--hash=« ) oder ein Kennwort zum Verschlüsseln (»--word=« ) an.

Beim Cracken bestimmt »--method=« , ob Jbrute eine Brute-Force- oder Wörterbuchattacke fährt. Über »--threads=« erhöhen Anwender die Threadanzahl. Wer wissen möchte, wie leistungsfähig die eigene Hardware ist, kann mit »--test --algorithm=« prüfen, wie viele Hashwerte pro Sekunde Jbrute bewältigt.

★★★★

Auch wenn Jbrute schon drei Jährchen auf dem Buckel hat, ist das Tool ein zuverlässiger Assistent, der die eigenen Kennwörter testet.

Exiftool 10.22

Metadaten auslesen und bearbeiten

Quelle: http://exiftool.sourceforge.net

Lizenz: GPL/Artistic License

Alternativen: Exif, Exiftags

Exiftool extrahiert und bearbeitet Metadaten von Dateien. Das Perl-Skript versteht über 30 Formate, darunter Jpeg, PNG, Gif oder BMP, Multimedia-Formate wie MP3, MKV oder AVI sowie Archive wie ISO, Gzip oder Rar. Eine vollständige Liste mit allen Features finden Benutzer auf der Projekt-Homepage.

Exiftool benötigt Perl 5 oder neuer. Anwender steuern das Tool über Parameter beim Aufruf auf der Shell. Neben dem reinen Auslesen von Metadaten kann es Vorschaubilder oder Jpegs aus Raw-Bildern erzeugen oder bestimmte Informationen aus einzelnen Dateien sowie aus Gruppen von Files herausfiltern. Immer wenn Exiftool eine Datei verändert, erzeugt es eine Sicherungskopie mit der Endung »_original« .

Wer die gesammelten Informationen weiterverarbeiten möchte, kann Exiftool anweisen die Daten im CSV-, XML-, HTML- oder Json-Format abzuspeichern. Auch das Aufzeichnen als PHP-Array ist möglich. Der Schalter »-v« sorgt für einen sehr ausführlichen Output, der beim Debuggen behilflich ist.

★★★★★

Wer Metadaten auswerten oder manipulieren möchte, für den ist Exiftool ein unverzichtbarer Helfer. Die Entwickler pflegen das Tool gut und veröffentlichen regelmäßig neue Versionen mit Fehlerkorrekturen und Support für neue Formate oder Geräte.

My little Forum 2.3.5

Schlanke Foren-Software

Quelle: http://mylittleforum.net

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Flarum, Discourse

Bei Webforen denken viele Anwender sofort an Platzhirsche wie PHP BB oder Vbulletin. Darf es eine Nummer kleiner sein, dann empfiehlt sich My little Forum. Neben einem Webserver benötigt die Software nur PHP und eine MySQL-Datenbank. Benutzer kopieren den Inhalt des Quellarchivs ins Dokumentenverzeichnis ihres Webservers, öffnen dann »install/index.php« im Webbrowser, vergeben einen Namen, eine Kontaktadresse, richten einen Admin-Account und den Datenbankzugang ein – und das Forum ist einsatzbereit.

Der Admin kann weitere Konten einrichten und die Nutzer in eine der drei Gruppen »Administrator« , »Moderator« oder »User« eintragen. Alternativ beantragen Anwender selbst einen Zugang und erhalten dann einen Aktivierungslink an die bei der Anmeldung hinterlegte Mailadresse. Versucht ein Benutzer mehrmals kurz nacheinander sich mit einem falschen Kennwort anzumelden, sperrt My little Forum die IP-Adresse für einige Minuten. Admins deaktivieren Konten im Webinterface auch permanent.

Es ist möglich, Bilder einzustellen oder Links zu hinterlegen. Alle Diskussionsstränge ordnet My little Forum in einer Usenet-ähnlichen Baumstruktur an. Jeder Teilnehmer kann neue Themen eröffnen oder sich an laufenden Diskussionen beteiligen. Administratoren dürfen zudem statische Inhalte einstellen und von der Hauptseite aus verlinken. Darüber hinaus bietet das Forum einen einfachen Spamschutz, eine Captcha-Sperre und eine Blacklist verbotener Begriffe.

★★★★

My little Forum ist eine schlanke Alternative zu großen Webforen, punktet mit schneller Installation und benötigt wenig Ressourcen.

Q Own Notes 16.07.3

Einfache Notizenverwaltung

Quelle: http://www.qownnotes.org

Lizenz: GPLv2

Alternativen: My Notex, Knotes, Tomboy

Eine gute Idee oder ein zündender Einfall – die meisten Linux-Veteranen öffnen an dieser Stelle den Texteditor der Wahl und speichern den Geistesblitz irgendwo ab, wo sie ihn eventuell nicht wiederfinden. Eine Notizverwaltung muss her, und an diesen Programmen herrscht unter Linux wahrlich kein Mangel. Neben den Tools der Desktopumgebungen empfehlen sich alternative Lösungen wie etwa Q Own Notes. Das Qt-Programm wirbt mit der einfachen Integration in Owncloud, macht aber auch ohne die Cloudlösung im Hintergrund eine gute Figur.

Um eine Notiz anzulegen, klicken Anwender auf das Arbeitsblatt-Symbol. Der Editor in der Mitte des Programmfensters zeigt als Überschrift bereits den aktuellen Zeitstempel. Benutzer ändern diesen und erfassen ihre Notiz im Markdown-Format. Das eingebaute Syntax Highlighting und die Formatierungs-Schaltflächen helfen dabei. Q Own Notes speichert Anhänge in Form von Quellcode-Fragmenten, Links sowie Bildern.

Am rechten Fensterrand zeigt eine Vorschau, wie das Dokument später aussieht; links blendet eine Baumstruktur alle Notizen ein. Bei Bedarf versehen Nutzer ihre Einträge mit Schlagworten und exportieren die Dokumente ins PDF- oder HTML-Format. Das Tool legt die Daten unterhalb von »~/ownCloud/Notes« ab. Wer eine Owncloud-Installation betreibt, kann die Notizen damit abgleichen.

★★★★

Das Qt-Programm speichert kurze und längere Notizen ohne oder mit Anhängen. Erfahrene Anwender können eigene Skripte integrieren; die Anbindung an Owncloud ist ein weiterer Pluspunkt. Q Own Notes erfährt derzeit einen massiven Entwicklungsschub, sodass fast täglich neue Versionen erscheinen.

Strace 4.12

Hinter die Kulissen schauen

Quelle: https://sourceforge.net/projects/strace

Lizenz: BSD

Alternativen: Ltrace

Warum bricht das eigene Skript mit einer Fehlermeldung ab oder warum übernimmt eine Anwendung eine Einstellung in der Konfigurationsdatei nicht? Diesen und anderen Fragen geht Strace nach. Für eine schnelle Analyse reicht es aus, ein Programm mit »strace« als Wrapper zu starten. Das Tool schreibt seine Meldungen auf die Standardausgabe und verrät, welche Dateien ein Programm öffnet, welchen Speicherbereich es belegt oder auf welche Sockets es zugreift.

Bei parallel ablaufenden Prozessen versucht Strace die Reihenfolge in der Ausgabe zeitlich korrekt zu ordnen. Wer die Meldungen auf der Konsole zu unübersichtlich findet, leitet sie per »-o« in eine Datei um. Der Schalter »-v« steigert die Auskunftsfreudigkeit; »-e« hingegen beschränkt die Suche. Strace kann sich in bereits laufende Anwendungen einklinken, wenn Benutzer es zusammen mit der PID aufrufen.

Die aktuelle Version berücksichtigt eine Reihe weiterer Systemaufrufe, etwa »preadv()« , »preadv2()« , »pwritev()« , »pwritev2()« und »copy_file_range()« . Auch IO-Aufrufe von »BTRFS_*« und »UFFDIO_*« kann Strace jetzt auswerten. Der praktische Helfer ist nicht nur auf x86-Prozessoren zu Hause, auch auf den Architekturen Sparc, Alpha oder S390 geht die Entwicklung weiter. Für diese haben die Entwickler einige Analysen verbessert und neue Funktionen beigelegt.

★★★★★

Wer wissen möchte, was Programme im Hintergrund treiben, kommt an Strace kaum vorbei. Das Tool liefert eine Fülle von Informationen und enthält Funktionen zum detaillierten Suchen.

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