Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2016

Notizen von der zehnten Open Source Monitoring Conference

Austausch der Beobachter

Ihr Zehnjähriges konnte in diesem Jahr die Open Source Monitoring Conference feiern. Der Jubilar bewies mit einer Fülle interessanter Vorträge, dass er wieder einen Besuch in Nürnberg wert war.

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Die erste OSMC (damals hieß sie noch Nagios-Konferenz) war ein Erfahrungsaustausch hiesiger Nagios-Anwender. Deutsch war als Konferenzsprache selbstverständlich. Wenige Vorträge auf Englisch gab es trotzdem, aber nur, weil der eingeladene Nagios-Erfinder Ethan Galstad und der damalige Kopf des Nagios-Plugin-Projekts, Ton Voon, sich nur so verständlich machen konnten.

Bei der diesjährigen zehnten Ausgabe der OSMC [1] Mitte November hat sich das Verhältnis umgekehrt, Vorträge auf Deutsch waren in der Unterzahl. Dass es selbst unter ihnen noch welche gab, die glaubten, sich mindestens einen englischen Titel geben zu müssen, mag ein Fingerzeig sein, wie aus einem Notbehelf eine Mode zu werden droht.

Das wäre schade, weil bei aller Internationalisierung der Teilnehmer und Referenten, die es zweifellos gegeben hat, dennoch nach wie vor Deutsch die Muttersprache der Mehrheit der Konferenzteilnehmer ist. Wer nicht von Kindheit an zweisprachig erzogen wurde, wird in der Regel nur in seiner Muttersprache alle Feinheiten des Ausdrucks intuitiv beherrschen.

IT-Pidgin

In einer Fremdsprache können die meisten zwar einen technischen Sachverhalt erklären, aber das passende Sprachbild oder die feine Ironie oder der hintersinnige Witz stehen ihnen nicht zur Verfügung. Und so humpeln sie an englischen Krücken durch die Präsentation, obwohl sie mit wenigstens 90 Prozent der Zuhörer im Saal eine wunderbare gemeinsame Sprache teilen, in der sie alle Möglichkeiten souverän beherrschen würden.

Mit dem ersatzweise gesprochenen IT-Pidgin als kleinstem gemeinsamen Nenner geht ein Stück Kultur verloren und – weil Sprache und Denken zusammengehören – womöglich auch die eine oder andere originelle Idee.

Innovatives

Originelle Ideen gab es trotzdem nicht zu knapp, beispielsweise von Alan Robertson, dem man als Amerikaner das Englische nachsieht (Abbildung 1). Er, Gründer des ursprünglichen Linux-HA-Projekts und Autor der Kernkomponente Heartbeat, stellte ein von ihm ersonnenes, innovatives Monitoringsystem namens "The Assimilation Suite" [2] vor, bei dem jeder Knoten seine Nachbarn samt den darauf aktiven Services automatisch detektiert. Das sich so ergebende Geflecht von Nachbarschaftsbeziehungen gelangt in eine zentrale Graphendatenbank. Diese Methode hat etliche Vorteile: Sie entdeckt auch vergessene Systeme, liefert stets aktuelle Resultate und skaliert ausgezeichnet.

Abbildung 1: Alan Robertson während seines Vortrags über das von ihm erdachte Monitoringkonzept.

Im Vergleich dazu baut Icinga auf eine eher traditionelle Architektur mit relationaler Datenbank und ohne Autodiscovery. Neues gibt es aber auch hier genug: Der wie immer sehr unterhaltsame Vortrag von Bernd Erk (Abbildung 2) zum Projektstatus informierte darüber. Icinga hat nun einen Konfigurationsdebugger und mit Icinga Director auch ein Frontend für die Konfiguration, das alle Änderungen protokolliert, mandantenfähig ist, jederzeit ein Rollback ermöglicht, auch verteilte Icinga-Cluster verwaltet oder aus mehreren CMDBs oder Automatisierungstools Daten importiert.

Abbildung 2: Bernd Erk - sein traditioneller Icinga-Vortrag ist immer unterhaltend.

Neu ist außerdem ein REST-basiertes API, über das sich alle Arten von Monitoringobjekten anlegen, modifizieren oder löschen lassen, das Statusabfragen ermöglicht und Events filtern oder Kommentare einfügen kann. Schließlich wurde kürzlich auch das Webinterface Icinga Web 2 in neuer Version veröffentlicht.

Obwohl die OSMC aus einer Nagios-Konferenz entstanden ist, hat der Blick über den Tellerrand hier Tradition. Dieses Jahr konnten sich Open NMS [3] und Zabbix [4] mit ihren Neuerungen vorstellen. Wenn auch der Zabbix-Vortrag stark die Diktion der Marketingabteilung übernahm, war doch interessant, dass auch die Alternativen zu Nagios und seinen Nachfahren konkurrenzfähige Produkte vorstellen.

Auch der Blick auf einzelne Komponenten gehört zur lange gepflegten Praxis der OSMC. Diesmal stand besonders oft die Visualisierungskomponente Grafana [5] im Fokus. Ihr Schöpfer, der Schwede Torkel Odegaard (Abbildung 3), demonstrierte, wie sich damit schicke Dashboards bauen lassen, auch die Integration von Grafana in die Monitoringdistribution OMD war ein Thema.

Abbildung 3: Torkel Odegaard bei seinem Vortrag über Grafana.

Schließlich spielte Grafana auch eine Rolle in dem Vortrag von Martin Parm (Abbildung 4), der erzählte, wie man sich beim Musik-Streamingdienst Spotify mit Monitoringproblemen herumschlug. Für eine Umgebung mit mehr als 10000 Servern wurde allerhand ausprobiert, um schließlich bei einer Eigenentwicklung auf Grundlage des Eventprozessors Riemann und der Zeitreihendatenbank Heroic zu landen. Diese selbst geschriebene Datenbank haben ihre Entwickler eben als Open-Source-Projekt freigegeben.

Abbildung 4: Martin Parm sprach über die Schwierigkeiten beim Monitoring von Spotify

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