Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2015
© rioblanco, 123RF

© rioblanco, 123RF

Perl-Skript verwaltet Tastenkürzel

Drückmittel

Das Utility Autokey automatisiert Abläufe, indem es bestimmte Aktionen auslöst, wenn der Anwender zugehörige Textabkürzungen eingibt oder Hotkey-Kombinationen drückt. Perl verwaltet die Helfer.

518

Online PLUS

In einem Screencast demonstriert Michael Schilli das Beispiel: http://www.linux-magazin.de/Ausgaben/2015/03/plus

Vor über fünf Jahren war die Welt noch in Ordnung, da konnte ich den Gnome-Windowmanager Metacity noch dazu überreden, einfach auf eine Tastenkombination hin eine Applikation zu starten, indem ich sie mit dem Utility »gconf-editor« eintrug [2]. Da ich im Laufe eines Tages bestimmt hundert Terminalfenster öffne, verbandelte ich, um Zeit zu sparen, die Kombination [Ctrl]+[Alt]+[n] kurzerhand mit einem Shellskript, das ein neues Terminal mit Spezialfont und Hintergrundfarbe öffnete, egal in welcher Applikation sich der Tastaturfokus gerade befand.

Mit dem Windowmanager Compiz des Unity-Desktops scheint das aber inzwischen ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, außerdem erscheint es mir mittlerweile zu doof, meine Skripte andauernd den wechselnden Moden anzupassen, denen die Desktop-Hersteller folgen.

Keine Gnome-Sperenzchen

Stattdessen soll sich künftig ein Mittelsmann um die Schnittstelle zwischen der Tastatur, dem sich gerade in Mode befindlichen Windowmanager der Gnome-Welt und den einzuleitenden Aktionen kümmern.

Da kommt das etwa zwei Jahre alte Projekt Autokey [3] gerade recht. Als zusätzlichen Bonus unterstützt es neben dem GTK-3-Toolkit sogar Qt 4, das heißt, ich könnte – wenn ich wollte – damit sogar eines fernen Tages theoretisch auf einen KDE-Desktop umziehen! Man soll bekanntlich niemals nie sagen.

Unter Ubuntu installiert das Kommando

sudo apt-get install autokey-gtk

das Autokey-Utility, und wer es automatisch beim Systemstart hochfahren möchte, trägt es in der Ubuntu-Konfiguration unter »Startup Applications« ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Damit Autokey automatisch startet, trägt der User das Utility auf Ubuntu unter Startup Applications ein.

Autokey unterscheidet zwischen reiner Textersetzung (Phrases) und Skripten, die Aktionen einleiten. Beides wirft es entweder an, wenn ich einen bestimmten Text getippt habe, oder beim Drücken vordefinierter Hotkey-Kombinationen. So könnte jemand unter »Phrases« zum Beispiel eintragen, dass Autokey die vollständige Postadresse rauslässt, sobald der User »myaddr« tippt, etwa in einem Textdokument in »gedit« oder im Inhaltsfeld einer E-Mail.

"Wir hoffen, es hilft"

Abbildung 2 zeigt die Definition des Kürzels »hth« , das per Autokey zu der Floskel "Hope that helps, let me know …" mutiert. Um die Aktion auszulösen, tippt der User in einer Applikation, die ihre Tastatureingaben über den Gnome-Desktop erhält, den Text »hth« und drückt anschließend auf die Return-Taste.

Abbildung 2: Einfache Textersetzung mit Autokey: Die Abkürzung hth expandiert zu einer länglichen Floskel. Das spart eine Menge Tipperei bei wiederkehrenden Sätzen.

Achtung: Das funktioniert zum Beispiel nicht in einem Xterm-Terminal, es muss schon das Gnome-Terminal sein. Und noch mal aufgepasst: Kürzel, die als Wörter häufig in normalem Text vorkommen, eignen sich naturgemäß weniger als offensichtliche Kunstgebilde wie »hth« oder »afaik« . Unter »Set Abbreviations« trägt der User das Kürzel in eine Liste ein und kann in Zukunft viel Tipparbeit sparen (Abbildungen 3 und 4).

Abbildung 3: In einer E-Mail-Applikation eines Webmail-Providers expandiert das Kürzel hth …
Abbildung 4: … zu einer höflichen Floskel am Ende einer Sendung.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Screencast zum Perl-Snapshot 03/2015

    Das Utility Autokey automatisiert Abläufe, indem es bestimmte Aktionen auslöst, wenn der Anwender zugehörige Textabkürzungen eingibt oder Hotkey-Kombinationen drückt. Perl verwaltet die Helfer.

  • Anwendungen für Online und Offline mit Google Gears - Teil 2

    Mit Google Gears können Webanwendungen Daten lokal zwischenspeichern, damit sie sich auch offline nutzen. Der zweite Artikel zum Thema demonstriert die Technologie an zwei praktischen Beispielen.

  • Perl-Snapshot

    Ein neuer Service auf Travis-ci.org listet fein säuberlich Github-Projekte eines Entwicklers auf, schickt den Code bei jedem Push durch deren Testsuites und gibt Rückmeldung, falls der Build bricht. In den zurückgelieferten Testergebnissen machen neugierige Perl-Skripte Zusatzinformationen sichtbar.

  • Perl-Snapshot

    Damit Hobby-Youtuber Michael Schilli erfährt, wenn seine Guckerzahlen durch die Decke gehen, analysiert ein Perl-Skript täglich Trends und schlägt Alarm, falls ein Video plötzlich zum Hit wird.

  • Perl-Snapshot

    Die Graphdatenbank Neo4j eignet sich viel besser als relationale Datenbanken, um Knoten und deren Beziehungen zueinander zu speichern und gezielt abzufragen. Wessen Freundeskreis nicht verworren genug ist, um als Graph-basierter Anwendungsfall durchzugehen, inventarisiert eben sein LAN damit.

comments powered by Disqus

Ausgabe 08/2016

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.