Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2014

Bücher über Liferay sowie über Requirements Engineering

Tux liest

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Das Linux-Magazin bespricht einen Band über Alfresco und Liferay sowie ein Werk, das als Buch auftritt, aber eigentlich ein Blog ist. Es beschäftigt sich mit der Qualität der Software-Entwicklung

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Das Buch "Alfresco und Liferay – ECM- und Portal-Lösungen" von Sebastian Wenzky richtet sich an Manager, IT-Führungskräfte, Entwickler und Berater. Sie sollen beide Produkte im Detail kennenlernen und erfahren, wie sie damit ihre Geschäftsprozesse umsetzen.

Portal plus Dokumente

Wenzky beschreibt Alfresco 4.1 sowie Liferay 6.1 und geht auf Entstehungsgeschichte und Entwicklung ein. Die anschließende Einführung in die Software ist kurz, aber aussagekräftig. Der Autor behandelt dabei die wichtigsten Funktionen beider Systeme und gibt nützliche Tipps, die sich der Leser zu Herzen nehmen darf.

Jedoch erläutert er auch seitenlang Punkte der Administration und Nutzung, die sich von selbst erschließen würden. Dafür erfahren komplexe Themen, die entscheidenden Einfluss auf die angestrebte Architektur haben, nur knappe oder gar keine Behandlung. So fehlen etwa Informationen zur Integration von LDAP und Single-Sign-on.

Zudem lassen sich die aufgeführten Informationen zu Liferay nicht auf die aktuelle Version 6.2 übertragen, da sich die Oberfläche von Grund auf in einem neuen Gewand zeigt. Dabei war Liferay 6.2 schon recht weit gediehen, als das Buch im September 2013 erschien. Die Integration der beiden Systeme, die eigentlich den Kern des Buches ausmachen sollte, ist lediglich in einem letzten kurzen Abschnitt erläutert.

Als Motivation für die Integration führt Sebastian Wenzky Liferays beschränkte Funktionalität im Bereich des Dokumentenmanagements an. Das ist aber nicht mehr korrekt, da Liferay die beschriebenen Lücken in den letzten Versionen weitgehend geschlossen hat. Die meisten Nutzer, die nicht gerade ein ganz spezielles Feature à la Alfresco brauchen, kommen auch mit Liferay aus. Gut beschrieben ist dagegen die Integration von Alfresco in Liferay mit Hilfe der Schnittstelle CMIS, sowohl theoretisch als auch praktisch Punkt für Punkt.

Dieser Band ist ein guter Einstieg in die Software allgemein, sofern man die Liferay-Version 6.2 außer Acht lässt. Für erfahrene Entwickler oder Entscheider ist das Buch jedoch nicht zu empfehlen. Hier haben die jeweiligen Hersteller eigene Bücher und Dokumentationen im Angebot, die sie zu Rate ziehen sollten.

Info

Sebastian Wenzky:

Alfresco und Liferay

Hanser, 2013

490 Seiten

60 Euro

(E-Book inklusive)

ISBN 978-3-446-43465-3

Schöner entwickeln

Ralf Baumanns "Requirements Engineering" ist kein gewöhnliches Buch – es beruht neben der Diplomarbeit vor allem auf dem Blog des Autors. Unter http://easyrequirement.blogspot.de/p/blog-page_13.html hat er sich mit seinen Lesern "auf die gemeinsame Suche nach systematischer und menschlicher Software-Entwicklung begeben". Das Buch ist Work in Progress und derzeit nicht in einer fertigen Ausgabe erhältlich.

Baumann gelingt es, aus der Dynamik des Blogs ein gut strukturiertes Buch zum Requirements Engineering zu formen. Diese Struktur bringt er plakativ in vier Thesen auf den Punkt, in denen er Ist- und Sollzustand der Software-Entwicklung gegenüberstellt. Seine Leitsätze: Menschen, die sich wohl fühlen und geachtet werden, schaffen beachtliche Software. Systemkontext-Analyse öffnet die Augen für optimale Software. Gute Software benötigt gute fachliche Anforderungen. Gut kommunizierte Software ist ein Segen für die Zukunft.

Ausgehend vom agilen Entwicklungsmodell Scrum belegt der Autor seine Thesen nicht nur in der Theorie, sondern zeigt sie auch in der Praxis. So beschäftigt sich das letzte Kapitel "Praktische Beispiele" mit der Analyse von Altcode, Entwurfsmustern, User Storys und Uses Cases. Der gezeigte Java-Code macht die Gedanken anschaulich.

Wer sollte das Buch lesen? Der klassische, passive Leser, dem aber die Qualität guter Software am Herzen liegt und der besser verstehen möchte, wie gute Software von produktiven Arbeitsumständen abhängt. Der moderne, aktive Leser, der Baumann bei seinem ambitionierten Projekt unterstützen will, gute Software-Entwicklung zu definieren.

Gemeinsam ist den beiden Lesergruppen, dass die Lektüre des Buches sie zum Reflektieren über die Praxis der Softwareproduktion animiert. Das macht "Requirements Engineering" zu einem besonders wertvollen Werk. (mhu)

Info

Ralf Baumann:

Requirements Engineering

Eigenverlag, 2014

kostenlos online lesbar

http://easyrequirement.blogspot.de

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