Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2014
© mikekiev, 123RF

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Eine der ältesten Linux-Groupwares erhält nach langer Zeit ein Update

Versuch, durchzustarten

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Nachdem der Groupware-Hersteller Scalix über drei Jahre wohl in einem Hangar verschwunden war, meldet sich die amerikanisch-deutsche Company nun mit der neuen Version 12.1 zurück.

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Eine lange Leidensgeschichte scheint zu Ende, vielleicht sogar mit einem Happy End: Seit 2009, als die Softwarefirma Scalix [1] mit Version 11.4.6 die letzte Release ihrer gleichnamigen Groupware veröffentlichte, blieb sie weitere, teils dringend benötigte Updates und Bugfixes für ihre Kunden schuldig. Jetzt will die Firma mit neuem Management durchstarten und die angestaubte Technik renovieren.

Veraltete Technik, keine Kommunikation

Das größte Problem: Auch weil jedes Lebenszeichen ausblieb, Kontaktanfragen teils unbeantwortet blieben, hinterließ der amerikanische Softwarehersteller frustrierte und verunsicherte Kunden. Die sind ja eigentlich Kummer gewohnt, obwohl Scalix selten für Ärger auf Seiten der Technik sorgte. Es waren vielmehr die teils dubiosen und nicht nachvollziehbaren Management-Entscheidungen und Firmenakquisen, die Kunden verärgerten, oder das lange Schweigen.

Ursprünglich von HP entwickelt reihen sich Samsung, Xandros und andere Besitzer in die unrühmliche Firmengeschichte. Expertenmeinungen zufolge vermochte keiner von ihnen das Potenzial zu wecken, das in der Groupware steckt, die in den 90ern als deutlich zuverlässiger und leistungsfähiger (daher der heutige Name Scalix) als Microsoft Exchange galt. Angeblich habe HP sein technisch ausgereiftes Produkt damals nur verkauft, um Microsoft als Softwarelieferant nicht weiter zu verärgern [2] – heute dementieren das die Protagonisten von damals.

Es waren überwiegend größere Installationen, die die Scalix-Kunden betrieben, zum Beispiel TV- und Radiosender mit 1500 Mailboxen auf einem Server oder Zulieferer in der Elektronikindustrie mit bis zu 15 000 Anwendern. Aber auch die Scalix-eigene MAPI-Implementierung, die Microsofts Outlook problemlos anzubinden versprach, überzeugte bis zum Aktivitätsstopp eine stattliche Anzahl von Kunden, die bisweilen auch emotional stark an der Software hingen.

Platz zwei bei Migrationen

Doch das Schweigen und das Fehlen von Updates und sicherheitsrelevanten Patches führten in letzter Zeit verstärkt zur Flucht: Unter den Groupware-Migrationen bei Open Xchange, Kolab und Zarafa nehmen die Scalix-Übernahmen (gleich nach den Exchange-Ablösungen) nach Angaben von Consultants oft den zweiten Rang ein.

Scheinbar passend zur schwierigen Geschichte überraschte es nicht, dass Ende 2013 erneut eine nicht-technische Neuigkeit Scalix in die Schlagzeilen brachte: Mit einer etwas anderen Form eines Management-Buyout stellte das alte Scalix-Kernteam Ende 2013 die Firma auf neue Füße und versprach eine neue Version [3]. Als Buyout bezeichnen Wirtschaftsexperten den Fall, wenn (leitende) Angestellte Geld investieren, um eine Firma zurückzukaufen, beispielsweise von Investoren.

Nach Angaben von Scalix selbst gelang dabei nicht nur die kostengünstige Loslösung von Xandros, sondern auch eine solide Finanzierung. Auch alle wichtigen Programmierer konnten neu verpflichtet werden. Gerade im Fall von Scalix dürfte das ein wichtiger Aspekt sein, steckt doch das meiste Know-how in diesem Entwicklerteam.

Dass es die neu organisierte Führung um CEO Andreas Typaldos, Vizepräsident für Sales und Marketing Pascal Lauria sowie CTO Christoph Schmolmüller als Head of Research and Development wohl ernst meint mit dem Neuanfang, unterstreicht die neue Version 12. Kurz nach Redaktionsschluss für diesen Artikel – zur Cebit – gab die neue Leitung Version 12.1 für die Anwender frei. Wer sie testen mag, findet sie auf der DELUG-DVD dieser Ausgabe.

Der schnelle Takt erscheint auch dringend notwendig, fehlen doch wegen der jahrelangen Abstinenz wichtige Features wie die Unterstützung für aktuelle Outlook- oder Office-Versionen. Die reicht Scalix jetzt mit Version 12.0 nach. Aber auch bei anderen Features drohte das Scalix Messaging System den Anschluss an den Wettbewerb, gerade auch den aus dem Open-Source-Lager, zu verlieren.

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