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Linux-Magazin 04/2013
© Feng Yu, 123RF.com

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Mail-Suche mit Thunderbird und Kmail

Suche im Postfach

Die Suche ist oft das letzte Mittel, um eine Nachricht in großen Mailordnern zu finden. Thunderbird schafft das flott und mit schickem GUI, die KDE-Entwickler sind offenbar noch nicht so weit.

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Wer viele Mails bekommt, muss sie organisieren. Ordner und Schlagwörter, die so gut wie alle Mailclients bieten, unterstützen den Anwender dabei. Manchmal aber hilft nur noch die Suchfunktion, wenn es um eine bestimmte Nachricht in einem großen Postfach geht.

Die Mozilla-Entwickler haben der Suche in Thunderbird schon vor einem Jahr ein neues, attraktives Aussehen spendiert. Die Ergebnisliste gibt sich den Look einer komfortablen Websuchmaschine. Sie listet rasch die gefundenen Mails mit Betreff, Datum, Absender sowie einem Textauszug auf. Links davon finden sich jene Personen, Ordner, Mailinglisten und Schlagwörter, die in den Ergebnissen vorkommen. Hier kann der Anwender seine Suche verfeinern, indem er diese Kriterien per Mausklick verbindlich macht oder ausschließt.

Schöner suchen

Besonders hübsch aufbereitet ist die zeitliche Verteilung der Suchergebnisse seit Version 17 (Abbildung 1). Ein Balkendiagramm zeigt, wie viele Treffer auf ein bestimmtes Jahr, einen Monat, eine Woche oder einen Tag fallen. Der Anwender kann aus der Übersicht in kleinere Zeitabschnitte wechseln und zurück, die angezeigte Trefferliste passt sich automatisch der Spanne an.

Abbildung 1: Praktisch: Thunderbird zeigt die Suchergebnisse auch nach Jahr, Monat, Woche und Tag geordnet an.

Hinter der Suche in KDEs Mailclient Kmail steckt ein Framework, mit dem das Projekt systemweite Suche umsetzt. Es dient der Vision eines semantischen Desktops, auf dem alle Objekte Beziehungen zueinander besitzen.

Kmail, Akonadi und Nepomuk

Eine Schicht namens Akonadi bildet die Basis, hat aber mit Suchen und Finden im engeren Sinn nichts zu tun. Sie dient als transparenter Cache und kümmert sich um die Synchronisation der Desktop-Daten mit Quellen im Netzwerk, beispielsweise mit einem IMAP-Server. Zudem vereint Akonadi auch Informationen aus unterschiedlichen Quellen, im Beispiel IMAP und lokalem Dateisystem [1].

Ein Agent extrahiert Informationen aus Akonadis Cache und speichert sie in Nepomuk in einer Struktur, die für Suchanfragen optimiert ist. Dabei trennt das Framework Mails in ihre Bestandteile wie Absender, Betreff und weitere Kopfzeilen sowie den Nachrichtentext auf. Sie werden Teil eines semantischen Netzwerks, das der KDE-Entwickler Christian Mollekopf am Beispiel in Listing 1 erklärt. Es setzt Personen in Beziehung zu E-Mail-Adressen und Adressen in Relation zu Nachrichten. So sollen sich Suchanfrage wie "Welche Mails stammen von Person A" performant beantworten lassen.

Listing 1

Semantisches Netzwerk

01 PersonA [hasEMailAddress] addressA
02 PersonA [hasEMailAddress] addressB
03 emailA [hasSender] addressA
04 emailB [hasSender] addressB

Diese pfiffige Infrastruktur behauptet auch Kmail zu nutzen, um E-Mails nach Kopfzeilen sowie im Volltext zu durchsuchen. Im Test der Redaktion blieb das Suchfenster aber des trotz laufenden Nepomuk-Dienstes leer – und das mit KDE 4.10.0 sowohl unter Kubuntu als auch auf Arch Linux. Die Schnellsuche im Hauptfenster dagegen funktioniert, ebenso die Desktopsuche in lokalen Dateien.

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