Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2012
© Alfi007, sxc.hu

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Cloudlösungen im Eigenbau mit Sparkleshare und Owncloud

Meine Wölkchen

Cloudstorage verspricht komfortables, automatisches Synchronisieren von Daten in einem Mikrokosmos von mehreren Geräten. Wer seine Daten jedoch nicht in die Hände Dritter geben will, dem bieten Open-Source-Alternativen im Eigenbau einen Ausweg.

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Die überarbeitete Version eines Vertrags, ein paar CAD-Dateien, ein PDF-Dokument mit Entwürfen – oft gelangen diese Daten per Mail zu den Mitgliedern eines Teams. Dabei stehen Cloud-basierte Synchronisationslösungen bereit, die den Datei-Austausch automatisieren. Mit vielen Vorteilen, aber auch Risiken.

Für kleine Unternehmen scheint es auf den ersten Blick zu aufwändig, eine Cloud zum Synchronisieren von Daten selbst aufzusetzen. Es gibt Dienstleister, die mit komfortablen und günstigen Angeboten locken. Wer aber den Datenschutz bedenkt, besonders bei ausländischen Anbietern, revidiert vielleicht seine Meinung, zumal die im Artikel vorgestellten Lösungen das Aufsetzen und Administrieren einfach machen.

Bei Dienstleistern stellt sich die Frage: Haben Behörden anderer Staaten Zugriff auf die Daten? Meist hängt das davon ab, an welchem Ort die Server des Anbieters stehen. Im Normalfall unterliegen die Betreiber eines Rechenzentrums den jeweiligen Landesgesetzen.

Der Standort gibt aber nur bedingt Sicherheit: Microsoft gab Mitte 2011 zu Protokoll, dass das Unternehmen im Rahmen des "Patriot Act" Daten an Behörden der USA herausgeben müsse, auch wenn diese auf Servern in der EU lagern [1].

Wer sich auf die Vertraulichkeit seiner Daten verlassen muss, kann die Zugriffsmöglichkeiten des Patriot Act kaum akzeptieren. Die Situation verschärft sich noch, weil im Geschäftsleben ein so genanntes Non Disclosure Agreement (NDA) die Grundlage der Kommunikation bildet, das die Weitergabe von Informationen verbietet.

In der Cloud-Falle

Viele geschäftliche Verträge verbieten es den Parteien, Informationen über gemeinsame Arbeiten oder Kunden an Dritte zu geben. Dienste wie Evernote [2], Wunderlist [3] und Dropbox [4] erweisen sich dann als Falle: Deren Betreiber sind "Dritte" – geheime Daten haben dort nichts zu suchen.

Besonders schmerzt die Tatsache, dass NDAs den Einsatz von Dropbox de facto unmöglich machen. Der Dienst böte sich für kleinere Unternehmen an: In der Dropbox-Cloud steht Speicherplatz bereit, der komfortabel von jedem Punkt erreichbar ist. Clients für Linux, Windows und sogar für iPhone und Android tun ein Übriges, um die Lösung als Onlinefestplatte in Stellung zu bringen.

Wer mit diesen Funktionen liebäugelt, wählt einen EU-weit tätigen Anbieter oder legt einfach selbst Hand an. Mittlerweile gibt es mehrere Ansätze, die auf einfache und elegante Weise einen Dropbox-ähnlichen Dienst mit der eigenen Infrastruktur ermöglichen. So gelangen die Daten nicht in die Hände anderer. Dieser Artikel stellt zwei Lösungsansätze vor: Sparkleshare [5] und Owncloud [6].

Sparkleshare

Die Macher von Sparkleshare bezeichnen ihre Software als "Collaboration and Sharing Tool". Clients stehen für mehrere Plattformen bereit: Neben einer Linux-Version existieren Versionen für Mac OS X und Android. An einer Windows-Variante arbeiten die Entwickler, für I-OS gibt es ebenfalls Pläne.

Das Programm ist vor allem ein grafisches Frontend für Git, das auf Funktionen zum Synchronisieren besonders vorbereitet ist. Sparkleshare pflegt die ihm vorgesetzten Daten folglich in einem Git-Repository. Änderungen sind leicht nachvollziehbar. Entfernt ein Nutzer eine Datei aus dem Sparkleshare-Ordner, fliegt sie auch aus dem Git-Repository.

Nach dem ersten Start präsentiert Sparkleshare einen Dialog, der etwas seltsam anmutet. Das Programm möchte nämlich wissen, auf welchem Rechner es das Repository anlegen soll (Abbildung 1). Neben dem eigenen Server stehen Alternativen zur Auswahl: Github [7], Gitorious [8] und der Git-Server des Gnome-Projekts [9]. Damit das Tool als nahtloser Ersatz für Dropbox fungiert, ist der eigene Server die Option der Wahl.

Abbildung 1: Nach der Installation steht bei Sparkleshare die Konfiguration eines Git-Repository auf dem Plan.

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