Open Source im professionellen Einsatz

© Takayuki ISHIHARA, 123RF

Open-Source-Verwaltung fürs Datacenter mit Red Hats Ovirt

Mit Java serviert

Die Zeiten, in denen Admins das Management virtueller Maschinen an der Konsole erledigen mussten, sind vorbei. Die Konkurrenz für VMware und Citrix tischt ebenso anspruchsvolle GUIs auf. Mit Ovirt gibt jetzt Red Hat eine freie Java-Oberfläche für die Libvirt frei.

Virtualisierung und kein Ende: Jeder IT-Dienstleister und -Entwickler, der gegenwärtig ernst genommen werden will, muss ein Virtualisierungsmanagement in seinem Menü haben. Die Vier-Sterne-Köche von VMware (ESX, [1]) und Citrix (Xen Server, [2]) haben es vorgemacht: Virtualisierung taugt für den Geschmack der Mehrheit, zumindest dann, wenn sie mit einer schönen Oberfläche daherkommt und so für Admins per Mausklick bedienbar ist.

Entgegen allen Unkenrufen verschmähen nämlich auch Profis komfortable Interfaces nicht, außerdem ist nicht jeder Linux-Admin ein Kommandozeilen-Ass. Für Produkte, die die Administration von virtuellen Maschinen erleichtern, ist also mehr als genug Bedarf. Diese Tatsache ist auch Red Hat nicht entgangen. Der weltweit umsatzstärkste Linux-Distributor steckt in dieser Hinsicht allerdings in einem Dilemma: Die gängigen Management-Interfaces sind entweder streng herstellerspezifisch und proprietär (wie Citrix Xen Server und VMware ESXi) oder taugen weder für hohe Ansprüche noch den Massenmarkt [3].

Die Libvirt [4], die sich auf Linux-Systemen zum Standard für virtuelle Maschinen gemausert hat, funktioniert zwar ausgezeichnet. Der »virt-manager« , der als ihre grafische Benutzerschnittstelle dient, taugt allerdings nur sehr begrenzt; ganze Rechnerschwärme zu verwalten gelingt nicht, weil er dafür auch nie konzipiert war. Für Red Hats Enterprise Virtualization Management [5] kam er jedenfalls nicht in Frage.

Von Qumranet zu RHEV

Die Firma aus Raleigh in North Carolina tat das, was Konzerne in solchen Fällen fast immer tun: Sie kaufte 2008 für 107 Millionen Dollar Qumranet [6], einen israelischen KVM-Spezialisten, und begann, dessen Produkt Solid ICE umzustricken. Besonders die lästige Active-Directory- und Dotnet-Abhängigkeit war dem Linux-Distributor verständlicherweise ein Dorn im Auge. Doch den zu entfernen, schien leichter gesagt als getan: Fast vier Jahre brauchten die Entwickler mit den roten Hüten, um die bisweilen als regelrecht peinlich wahrgenommene Situation zu ändern. Ein Red-Hat-Produkt, das nur mit Windows-Servern und -Clients verwaltbar ist?

Erst 2011 war es so weit, Red Hat präsentierte RHEV – die Red Hat Enterprise Virtualization [7]. 2012 sollen endlich alle hässlichen Abhängigkeiten beseitigt sein, ein reines Linux-Produkt als Konkurrent für Platzhirsch VMware scheint geboren, und RHEV bietet zum Steuern der VMs eine hübsche Libvirt-Oberfläche auf Java-Grundlage.

Künftig will Red Hat sogar mit offenen Karten spielen, zumindest was seine Virtualisierungslösung angeht. Anfang Dezember gaben die Amerikaner ihre Entwicklung mit viel Trara – traditionsgemäß wie bei Spacewalk [8] – auch unter einer Open-Source-Lizenz frei und machte sie zum Teil des Ovirt-Projekts [9]. Bei dem handelte es sich bisher um eine kastrierte Version von RHEV. Anfang Februar zelebrierte Ovirt die erste Release (passend zu RHEV gleich als Version 3.0) in neuer Aufstellung und lag damit voll im Plan (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Benutzerkonfiguration in Ovirt ist ausgesprochen fein granuliert und erlaubt vielfältige Einstellungen in mehreren Ansichtsvarianten.

Mit viel Unterstützung aus der Industrie

Dabei hat Red Hat sich auch Rückendeckung besorgt: Um VMware Einhalt zu gebieten, haben sich die Rothüte vor der Veröffentlichung der Unterstützung gewichtiger Partner versichert: IBM propagiert Ovirt genauso wie Suse, Canonical oder Intel. Die Unternehmen stellen sogar Entwickler ab, die sich fortan an der Ovirt-Entwicklung beteiligen sollen. Netapp ist ebenfalls mit im Boot und soll sicherstellen, dass sich die hauseigenen Storages gut in die Virtualisierungslösung einfügen.

Das neue Ovirt besteht aus insgesamt sieben Komponenten. Der Name Ovirt steht also viel weniger für ein fertiges Programm, sondern eher für die Komposition der Einzelteile, die schließlich zu einer komfortablen Verwaltung virtueller Maschinen führt. Die zentrale Komponente ist die Ovirt-Engine, die Management-Instanz.

Dieser Motor läuft nur auf einem Rechner innerhalb der Virtualisierungsumgebung (Abbildung 2). Für ihn stehen zwei verschiedene Interfaces zur Verfügung: ein CLI-basiertes und eines auf Basis von SDK. Ebenfalls von großer Bedeutung ist VDSM. Diese Abkürzung begegnet dem Admin bei Ovirt sehr häufig, das Kürzel steht für Virtual Desktop and Server Manager. Vereinfacht ausgedrückt ist VDSM die Brücke, die die Engine benötigt, um Befehle auf den tatsächlichen Virtualisierungshosts auszuführen.

Abbildung 2: Die einzelnen Komponenten von Ovirt spielen über SOAP, HTTPS, SSH und SSL zusammen und integrieren externe Datenquellen.

Ovirt-DWH ist das Data Warehouse und damit das alte Ovirt-Werkzeug zum Erstellen von Statistiken. Sein Nachfolger ist auch schon an Bord und hört auf den Namen Reports. Ovirt-Guest-Agent als siebte Komponente läuft in den virtuellen Maschinen, die von Ovirt verwaltet werden, und führt dort Befehle aus, die die Administratoren über die Ovirt-Engine und das VDSM an die virtuellen Maschinen schicken.

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