Ideen entstehen oft an ungewöhnlichen Orten. Erfahrungsgemäß verschwinden sie aber auch schnell wieder, wenn man sie nicht sofort zu Papier bringt. Statt auf Notizzettel vertraut der Kreative heute aufs Internet, dort sind Daten haltbarer als auf losen Zetteln und ein Dokumentenhaufen ist mit maschineller Hilfe in Sekunden durchsucht.
Nadel im Heuhaufen
Die kommerzielle Applikation Evernote, in der für Normalverbraucher ausreichenden Basisversion kostenlos [2], bietet ein Browserinterface und Apps für mobile Endgeräte wie iPhone oder iPad für virtuelle Zettelkästen. Die so genannten Notes – formatierter Text mit Bildern, Audiodateien oder per Screenshot oder Cut&Paste eingefangene Webseiten – fasst der User thematisch in "Notebooks" zusammen, die sich wiederum in Unterordnern (Stacks) organisieren lassen.
Der Clou an Evernote ist die laufend und unauffällig stattfindende Synchronisierung zwischen Endgeräten. Eine auf dem PC mit dem Browser vorgenommene Änderung erscheint binnen Sekunden im Browser auf dem Laptop, wenn der im Evernote-Konto eingeloggt ist. Auf Endgeräten wie iPad oder Macbook speichern die Evernote-Apps die Daten sogar lokal, was den Offlinebetrieb zulässt.
Das simple Strukturierungsmodell der Notes in Evernotes lädt zu kreativen Basteleien ein. Aus den rudimentären Gestaltungselementen ist rasch ein maßgeschneidertes Produktivitäts-Tool gezimmert. Manche User berichten auf ihren Blogs [3], dass sie sich Kalenderfunktionen eingerichtet haben und ihren Tagesablauf im "Getting Things Done"-Verfahren [4] organisieren.
Abbildung 1 zeigt die Evernote-Notizen zur Entstehung dieses Artikels. Auf Stackoverflow.com stieß ich auf ein Anwendungsbeispiel für das Evernote-API mit dem Thrift-Framework und archivierte es flugs mit Evernotes Web-Clipper als Einstiegspunkt für spätere Recherchen. Weiter fand ich ein PDF mit dem Whitepaper des Thrift-Framework sowie einige Perl-Beispiele auf Apache.org. Mit dieser Sammlung bewaffnet war es später leicht, offene Fragen mit den geclippten Texten oder mit Hilfe der ebenfalls gespeicherten Weblinks zu beantworten.
Abbildung 1: In den Notebooks von Evernote abgelegte Web-Clippings während der Entstehung dieses Artikels.
API statt GUI
Doch nicht immer hat man ein GUI parat, wenn Ideen auftauchen, und deswegen suchte ich nach einem Kommandozeilen-Tool. Evernote bietet zum Glück ein API und hat für die Kommunikation zwischen Clients und dem Server das von Facebook erfundene Thrift-Protokoll [5] gewählt. Die Entscheidung fiel wohl aus Performancegründen, denn das Binärprotokoll ist schlanker als die Kommunikation mit XML-Objekten.
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