Das Tauziehen um “Stuttgart 21” und die explodierende Zahl an Online-Petitionen machen klar, dass die Bürger nach mehr Mitbestimmung und Demokratie rufen. Sie wollen nicht mehr nur als Wahlvieh alle vier Jahre an die Urnen gebeten werden, sondern direkten Einfluss nehmen – Liquid Democracy soll es möglich machen.
Es war eine Premiere mit Hindernissen: Die Enquetekommission “Internet und digitale Gesellschaft” des Deutschen Bundestages, die unter dem Eindruck der Petition gegen die “Zensursula”-Netzsperren mit über 130 000 Teilnehmern gegründet wurde, wollte einen 18. Sachverständigen zu Wort kommen lassen: das Volk. Eine Instanz der Liquid-Democracy-Software Adhocracy [1] sollte das möglich machen.
Als es Zeit wurde, die Pläne umzusetzen, waren den CDU-Mitgliedern der Kommission die Kosten zu hoch. Die Netzgemeinde lästerte, dass wohl eher die Angst vor dem Ungeheuer “direkte Bürgerbeteiligung” den Ausschlag gegeben habe. Erst im September letzten Jahres konnte man sich einigen – die Obleute-Runde beschloss, die Bürgerinnen und Bürger zur Mitarbeit einzuladen ([2], [3]).
Andere Parteien taten sich da leichter. Sie erkannten Liquid Democracy als Strategie gegen die zunehmende Politikverdrossenheit und als Mittel, um die eigene Basis besser in die Entscheidungsfindung einzubinden. Die Parteien Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, SPD und FDP experimentieren seit einiger Zeit mit Adhocracy, die Piratenpartei mit Liquidizer [4] und Liquid Feedback [5]. Ein viertes Tool namens Votorola [6] macht von sich Reden, steckt aber noch in der Entstehungsphase (siehe Kasten “Votorola”). Es tritt daher im folgenden Vergleichstest außer Konkurrenz an.
Liquid-Democracy-Tools helfen überall dort, wo es unterschiedliche Strömungen und Meinungen gibt, einen gemeinsamen Weg zu finden. So spricht nichts dagegen, eine solche Software für Abstimmungen bei Open-Source-Projekten einzusetzen und Kompromisse zu erarbeiten, etwa welche Features kommende Programmversionen haben sollen.
Diese Bitparade untersucht, welche Anforderungen die Tools an Server und Webbrowser stellen und wie es um die Skalierbarkeit steht. Darüber hinaus prüft der Test, wie die Systeme Abstimmungen steuern, beeinflussen und auswerten, ob die Tools Diskussionen möglich machen und Stimmen an andere Personen abgeben können. Last but not least, stehen die Privatsphäre der Anwender und die Usability auf dem Prüfstand.
Adhocracy
Adhocracy ist ein Projekt des seit 2009 bestehenden Vereins Liquid Democracy e.V. und der Kandidat mit der größten Einsatzerfahrung. Nicht nur die zuvor genannten Parteien, auch die Stadt München setzte für den “Münchner Tag der Offenen Verwaltung” (Munich Open Government Day, “Mogdy”, [7]) auf Adhocracy (siehe Abbildung 1). Derzeit ist meist Version 1.1 im Einsatz, aber die Entwickler arbeiten bereits am Sprung auf 1.2. Interessierte Nutzer können unter [8] eine kostenlose Instanz testen.

Abbildung 1: Das Projekt Mogdy setzt auf Adhocracy. Mit der Kampagne “Fixmystreet für München” wollen Bürger den Zustand der Straßen verbessern.
Für den Betrieb auf einem eigenen Server benötigt die Python-Software eine Skriptumgebung der Version 2.5 oder höher, PostgreSQL, den Suchserver Solr [9], die Messaging-Anwendung Rabbit MQ [10] und den Cacheserver Memcached [11]. Für den Standard-Mietwebspace ist Adhocracy damit zu anspruchsvoll, ein Rootserver ist die Minimalvoraussetzung für eine eigene Installation.
Im Adhocracy-Paradebeispiel, der Installation der Internet-Enquete, verwaltet das Tool derzeit um die 2000 Anwender mit zirka je 300 Papieren und Vorschlägen, fast 20 000 Ereignisse und 12 000 Stimmen. Die Solr-Suche hat insgesamt über 5000 Dokumente indiziert.
Bei diesem Liquid-Democracy-Tool beginnt der Weg einer neuen Abstimmung mit einem Vorschlag und einer Diskussion: Ritas Kommune betreibt eine Adhocracy-Instanz. Dort legt sie einen Account an, meldet sich an und bringt ihren Antrag ein. Rita möchte weniger Verkehrslärm in ihrer Straße. Helmut, Willy und alle anderen Mitglieder der Instanz können ihre Meinung dazu im Diskussionsbereich äußern. Mit einem kleinen Pfeil-Tool in der oberen linken Ecke stimmen sie dem Vorschlag zu oder lehnen ihn ab. So entsteht ein erstes Meinungsbild.
Rita muss aber auch die Umsetzung selbst ausarbeiten, denn ohne die gibt es keine Abstimmung. Da sie sich eine Umgehungsstraße als Lösung des Problems gut vorstellen kann, beschreibt sie in der Umsetzung die Trasse. Willy wiederum findet eine Umgehungsstraße mit Trasse durch das Naturschutzgebiet des keuchenden Buntmarders völlig überflüssig und schlägt daher eine Alternative vor.
Virtuelle Debatte
Die Diskussion geht hoch her. Alle Mitglieder können nicht nur die Vorschläge bewerten, sondern auch jeden Diskussionsbeitrag. Margarete hat dafür aber einfach keine Zeit. Auch wenn ihr der keuchende Buntmarder ziemlich egal ist, Naturschutz ist eines ihrer Lieblingsthemen und sie weiß, dass sie meist der gleichen Meinung wie Willy ist. Deswegen delegiert sie ihre Stimme an Willy, der nun für zwei abstimmen kann.
Nicht alle Vorschläge kommen bis zur Abstimmungsphase, sondern nur solche, die ein gewisses Quorum erreicht haben. Eine Benachrichtigung, dass die Abstimmung beginnt, gibt es nicht. Hier hilft nur, das Thema aktiv zu beobachten. Adhocracy zeigt dann einen weiteren Frame mit »Dafür« -, »Dagegen« – und »Enthalten« -Schaltflächen.
Das Benutzerinterface ist aufgeräumt und deutlich übersichtlicher als bei den anderen Kandidaten. Geübten Foren- oder Social-Media-Nutzern gibt es keinerlei Rätsel auf, sie dürften sich schnell zurechtfinden. Wer solche Plattformen im Internet bisher gemieden hat, der benötigt sicherlich ein bisschen mehr Einarbeitungszeit.
Jede Abstimmung und jeder Beitrag ist in Adhocracy immer einsehbar und Daten überträgt das Tool unverschlüsselt. Privatsphäre ist nur in Form von Pseudonymen gewährleistet, und die sind einigen Nutzern ein Dorn im Auge. So sprach sich der Vorsitzende der Enquetekommission Axel E. Fischer vehement gegen Pseudonyme aus. Um mit Liquid Democracy aber nicht den gläsernen Bürger zu schaffen, arbeitet der Entwicklerverein an Reputationssystemen. Die Implementierung eines Karma-Systems haben die Macher aber vorerst gestoppt.
Liquid Feedback
Liquid Feedback ist ein Kind des Public Software Group e.V. und entstand 2009. Das Tool steht unter der MIT-Lizenz. Der Entwicklerverein arbeitet zwar unabhängig von der Piratenpartei, Entstehung und Entwicklung der Software sind aber eng mit ihr verknüpft.
Liquid Feedback ist in Lua [12] implementiert, arbeitet mit einem PostgreSQL-Backend und benötigt einen CGI-fähigen Webserver. Außerdem verlangt das Tool nach Web MCP [13] und Rocketwiki [14] – beide stammen ebenfalls aus der Schmiede der Public Software Group. Mit gemietetem Webspace spielt Liquid Feedback zusammen, wenn ein Shellzugang und damit auch Zugriff auf den Cron-Dienst zur Verfügung steht. Wer einen Rootserver hat, ist auf der sicheren Seite. Eine öffentliche Testinstanz steht unter [15] bereit, sie eignet sich aber nicht für den produktiven Einsatz.
Auf die Flaggschiff-Installation der Piratenpartei greifen gegenwärtig mehr als 5000 Mitglieder zu, die 2000 Initiativen und 1000 Themen eingestellt haben. Die zugehörige Datenbank ist knapp 600 MByte groß.
Liquid Feedback ist hierarchischer strukturiert als Adhocracy. Jede Instanz besitzt Bereiche, in denen sich die Themen befinden. Diese entsprechen den Vorschlägen in Adhocracy. Wäre Rita ein Mitglied der Piratenpartei, müsste sie ihre Idee für die Umgehungsstraße im Themenbereich “Umwelt, Verkehr, Energie” einordnen (siehe Abbildung 2). Ihre Idee durchläuft dann mehrere Phasen: Zuerst muss sie das Quorum bestehen, in dem zehn Prozent aller angemeldeten Benutzer ihre Idee zumindest als diskussionswürdig befinden müssen. Kommt das Quorum nicht zustande, beendet das System die Initiative automatisch.

Abbildung 2: Liquid Feedback ordnet Themen in bestimmte Bereiche ein. Diese müssen zunächst Stimmen sammeln, bevor ein Vorschlag in die Diskussionsphase gelangt.
Diskussionskultur
Erreicht Ritas Vorschlag das Quorum, beginnt die Diskussion. Helmut und Willy können nun Gegeninitiativen entwerfen. Ein handliches Diskussionstool bietet Liquid Feedback in der derzeitigen Version nicht. Je nach Instanz generiert das System stattdessen automatisierte Links in angeschlossene Forensysteme. Ist auch die Diskussionsphase beendet, gilt die Initiative als eingefroren, was kurzfristige Änderungen am Abstimmungstext verhindern soll. Hat sich die zwischenzeitliche Diskussion als unfruchtbar erwiesen und ist damit die Unterstützerzahl unter die zehn Prozent des ersten Quorums abgesunken, scheitert der Vorschlag und eine Abstimmung findet nicht statt. Blieb das Interesse erhalten, dürfen Rita, Helmut, Willy und Margarete endlich zur virtuellen Urne schreiten.
Hier nehmen sie Ideen an oder lehnen sie ab oder sortieren Konkurrenzideen, die sich eventuell in der Diskussionsphase herausgebildet haben, nach ihren Präferenzen. Willy würde die Umgehungsstraße durchs Naturschutzgebiet wahrscheinlich ganz ans Ende seiner Liste einfügen, eine Straße durch ein weniger problematisches Gebiet an die erste Stelle setzen und Tempo 30 im besagten Wohngebiet als akzeptable Alternative und somit an Position zwei sehen.
Delegationen spielen in Liquid Feedback eine wichtige Rolle. Der Wert einer Delegation beträgt immer genau eine Stimme. Bekommt Willy die Delegationen von 134 Mitgliedern seines Naturschutzvereins übertragen, wiegt seine Stimme für die Alternative zur Umgehungsstraße genau 135 Stimmen. Während bei Adhocracy Delegationen derzeit unbegrenzt bestehen bleiben, hat die Liquid-Feedback-Referenzinstallation der Piraten kürzlich ein Verfallsdatum implementiert. So muss sich beispielsweise Margarete nun in regelmäßigen Abständen Gedanken machen, ob sie ihre Delegation weiterhin auf Willy überträgt oder ob sie inzwischen nicht mehr so ganz von dessen Kompetenz überzeugt ist. Zeigt sie kein Interesse an einer direkten Teilnahme und kümmert sich auch nicht um eine neue Delegation, verfällt die Stimme.
So durchdacht das Wahlsystem und die Abstimmungsphasen bei diesem Tool auch sind, in puncto Usability müssen Anwender deutliche Abstriche machen. Derzeit erfordert die Software genügend Zeit und Willen, sich einzuarbeiten. Ein kleines Entwicklerteam namens Saftige Kumquat ist daher angetreten, um eine Lösung zu finden, und arbeitet an einer alternativen Oberfläche mit Codenamen Bombay Crushed [16].
Ursprünglich bestand Liquid Feedback auf Klarnamen, welche die Betreiber eindeutig den Parteimitgliedern zuordnen konnten. Damit war das Abstimmungsverhalten jedes einzelnen Mitglieds gläsern und alle mit Zugang zum System konnten es nachvollziehen. Nach einigen Diskussionen erweiterten die Entwickler das Tool, es lässt inzwischen Pseudonyme zu. Die sind jedoch vom System weiterhin verifizierbar, um Abstimmungsbetrug zu verhindern.
Liquidizer
Der Informatiker Stefan Dirnstorfer rief Liquidizer 2011 ins Leben. Er hat die Software in Scala implementiert und verwendet das Liftweb Framework [17], Graphviz [18] und Gnuplot [19] sowie Apache Maven [20]. Der Code ist über Github verfügbar und steht unter der MIT-Lizenz. Für den Hausgebrauch geht Liquidizer mit dem Jetty-Webserver [21] und einer H2-Datenbank [22] über Port 8080 in Betrieb. Ein Rootzugang ist nicht nötig, der Einsatz auf einem üblichen Webhosting-Paket könnte aber an Apache Maven scheitern. Alternativ arbeitet Liquidizer mit einem Apache Webserver und einem SQL-Backend zusammen – eine Variante, die bessere Backup- und Replikationsmöglichkeiten bietet.
Ihre Feuertaufe erlebte die Software im Mai 2011 zum Bundesparteitag der Piratenpartei. Um die 1000 Benutzer wählten die bevorzugte Reihenfolge der zur Abstimmung stehenden Anträge. Den Nutzeransturm meisterte Liquidizer problemlos; ein Manipulationsversuch über eine angebliche Sicherheitslücke verhinderte aber den Einsatz der gewonnenen Ergebnisse [23].
Liquidizer setzt auf ein komplexes mathematisches Verfahren, das sich vom binären Ja/Nein verabschiedet. Stattdessen verleiht die Software den Stimmen auf einer Skala von -3 bis +3 ein Gewicht (siehe Abbildung 3). Stehen beispielsweise drei Anträge zur Wahl, in denen der beste Editor der Welt zu küren ist, muss sich der Wähler nicht endgültig für Emacs, Vi oder Joe entscheiden. Stattdessen kann er mit seiner Wertung festlegen, dass er den Joe eigentlich ganz gerne mag, den Vi aber ein bisschen mehr und den Emacs doch nicht so richtig.

Abbildung 3: Liquidizer-Anwender haben insgesamt sieben Möglichkeiten, ihre Präferenzen auszudrücken. Direkt darüber ist das aktuelle Stimmungsbild eingeblendet.
Auch Liquidizer kennt Delegationen, nutzt hier aber ebenfalls mathematische Abhängigkeiten, die den Wert der Stimme und der Delegationen beeinflussen. So ist nicht jede Delegation zwingend eine Stimme.
Votorola
Dieses Projekt stammt von einer kleinen Entwicklergruppe, die weitgehend unabhängig von Vereinen oder Parteien agiert. Die Software befindet sich im Prototyp-Stadium, sieht aber bereits jetzt recht vielversprechend aus. Das Tool steht unter der MIT-Lizenz. Es benötigt Open JDK oder die Java-Laufzeitumgebung von Sun in Version 1.6. Darüber hinaus sind Semantic Mediawiki 1.5.5 und PostgreSQL ab Version 8.4 sowie eine Reihe gängiger Mediawiki-Erweiterungen [25] und die Eigenproduktion der Votorola-Macher namens Mailish Username [26] erforderlich. Momentan testet Metagovernment [27] die Anwendung, weitere Alphatester sind laut Aussagen der Macher aber erwünscht.
Was Votorola vor allem von den anderen Kandidaten unterscheidet, sind die offenen Strukturen und das Konzept der kommunikativen Delegationen. Während Letztere bei Adhocracy, Liquidizer und Liquid Feedback eher ein zusätzliches Feature sind, spielen sie bei Votorola eine zentrale Rolle. Das Konzept ist schnell erklärt: Ein Anwender veröffentlicht nicht etwa eine Idee und sammelt dann Stimmen für diese, sondern sucht bei Votorola andere Wähler, die ihre Stimmen auf seine Version der Idee delegieren. Ein Wähler, der 100 Stimmen auf sich versammelt hat, kann nun mit einem anderen Wähler in Verhandlung treten.
War Anna beispielsweise sehr überzeugend und hat 500 Delegationen für ihre Umgehungsstraße auf sich versammelt und Chris 400 Delegationen, die den keuchenden Buntmarder retten möchten, kann er versuchen, mit Anna ein Übereinkommen zu treffen. Sie erhält dann auch seine 400 Stimmen, wenn sie einer alternativen Trasse zustimmt. Mit nun 900 Stimmen haben sie ganz gute Chancen gegen Bens 600 Stimmen, die er sammeln konnte, weil er die Umgehungsstraße viel zu teuer und eine Tempo-30-Zone völlig ausreichend findet.
Delegationen und Diskussionen befinden sich bei Votorola wahrlich beständig im Fluss. Die Benutzeroberfläche erinnert in der aktuellen Version stark an ein Mediawiki (siehe Abbildung 4). Was aber auf den ersten Blick vertraut wirkt, verwirrt bei genauem Hinschauen. Die Navigation ist zu unübersichtlich und eher etwas für gestandene Techies als für politisch interessierte Normaluser. Noch gibt es also viel zu tun, wollen die Entwickler das flexible und komplexe System selbsterklärend abbilden.
Der Mediator
Dieser Testkandidat eignet sich nicht dazu, absolute Antworten zu finden, fängt aber Stimmungsbilder ein und bildet Kompromisse ab, mit denen die Mehrzahl der Teilnehmer leben könnte. Auch zur Meinungsbildung taugt Liquidizer weniger. Die Diskussionsseiten der Anträge haben nicht viel mehr zu bieten als die Kommentarfunktionen eines Blogs. Das reicht aber, um dem Wähler die Möglichkeit zu geben, sein Abstimmungsverhalten zu begründen, echte Diskussionswerkzeuge fehlen jedoch.
Liquidizer empfängt seine Nutzer auf den ersten Blick mit einem freundlichen und aufgeräumten Interface. Es verschleiert geschickt die Lernkurve und den benötigten Aufwand, wenn der Politikinteressierte wirklich verstehen will, wie das genaue Gewicht seiner Stimme zustande kommt. Die Visualisierung der Delegationen oder des Abstimmungsverlaufs schaffen zwar Transparenz, erschlagen aber den technisch unbedarften Benutzer mit einem Riesenpaket Information.
Auch in Bezug auf ihre Privatsphäre müssen Wähler Zugeständnisse machen. Zwar können sie alle ihre Informationen jederzeit rückstandsfrei aus dem System entfernen, bleiben sie aber dabei, ist ihr gesamtes Abstimmungsverhalten inklusive ein- und ausgehender Delegationen für jeden einsehbar.
Wahlfieber
Bei der Installation und Wartung unterscheiden sich die Kandidaten kaum – alle benötigen mindestens einen Rootserver mit Shellzugriff, ein einfaches Hostingpaket reicht nicht aus. Bei der Wahrung der Privatsphäre hat Liquid Feedback leicht die Nase vorn. Dieses Tool punktet ebenfalls mit einem wohlgeordneten Wahlvorgang. Liquidizer wartet mit einem durchdachten Konzept und mathematischen Feinheiten auf. Sieger im Test ist jedoch eindeutig Adhocracy. Die Software überzeugt am Ende durch ihre Benutzerfreundlichkeit. Ohne lange Einarbeitungszeit kann auch der technisch unbewanderte Politikfan schnell im Abstimmungs- und Wahlkampf mitmischen, und darum geht es letztendlich bei Liquid Democracy.
Es bleibt die Frage, ob dieses Konzept am Ende eine Zukunft hat. Wenn Bündnis 90/Die Grünen laut ihrem Impulspapier “Keine Angst vor Piraten – keine Angst vor den BürgerInnen” [24] Liquid-Democracy-Werkzeuge einsetzen wollen, damit Delegierte an Delegierte delegieren können, sind diese nur noch Hilfsmittel für den reibungslosen politischen Arbeitsablauf ohne jede basisdemokratische Komponente.
Noch pessimistischer drückte es der Politikwissenschaftler Tilman Mayer von der Universität Bonn aus. Zu einer Pressekonferenz der Piratenpartei befragt, äußerte er die Vermutung: “Sie [die Bürger] wollen nicht so eine starke Partizipation.” Ob er angesichts des um sich greifenden Massenprotestes und einer um Antworten in sozialen und ökonomischen Fragen verlegenen politischen Kaste recht behält, wird sich zeigen.
Infos
- Adhocracy: http://code.adhocracy.de
- Bürgerbeteiligung mit Adhocracy: http://www.bundestag.de/internetenquete/Adhocracy/index.jsp
- Adhocracy im Bundestag: http://www.bundestag.de/internetenquete/Online-Buergerbeteiligung_Uebersicht/index.jsp
- Liquidizer: http://liquidizer.github.com
- Liquid Feedback: http://liquidfeedback.org
- Votorola: http://zelea.com/project/votorola/home.xht
- Munich Open Government Day: http://www.muenchen.de/Rathaus/dir/limux/mogdy/index.html
- Adhocracy-Testzugang: http://adhocracy.de
- Apache Solr: http://lucene.apache.org/solr
- Rabbit MQ: http://www.rabbitmq.com
- Memcached: http://memcached.org
- Lua: http://www.lua.org
- Web MCP: http://www.public-software-group.org/webmcp
- Rocketwiki: http://www.public-software-group.org/rocketwiki
- Liquid-Feedback-Testsystem: http://lqfb.de/testlogin
- Alternative Liquid-Feedback-Oberfläche: http://saftigekumquat.wordpress.com
- Liftweb: http://liftweb.net
- Graphviz: http://www.graphviz.org
- Gnuplot: http://www.gnuplot.info
- Apache Maven: http://maven.apache.org
- Jetty: http://www.eclipse.org/jetty
- H2-Datenbank: http://www.h2database.com
- Analyse des Liquidizer-Manipulationsversuchs: http://wiki.piratenpartei.de/Liquidizer/BPT11.1/Attacke
- Impulspapier:http:// [http://gruene-beta.de/offenes-impulspapierhttp://]
- Zusätzliche Mediawiki-Module:http://u.zelea.com/w/Special:Version
- Malish Username: http://zelea.com/project/MailishUsername/MailishUsername.xht
- Metagovernment: http://metagovernment.org







