Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2011
© Bastografie, photocase.com

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Warum der Linux-Desktop nach 20 Jahren immer noch in der Nische steckt

Teufelskreis

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Eine Linux-Distribution ist nach genauso vielen Mausklicks installiert wie ein aktuelles Windows. Warum verdammt ist das freie System nicht auch genauso erfolgreich?

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Linus Torvalds brachte es kürzlich in einem Interview auf den Punkt: "Linux auf dem Desktop ist unwahrscheinlich, weil der einfach zu interessant ist. Das Server-Zeug ist doch langweilig." [1]

Viel zu interessant

"Zu interessant"? In der Tat verdienen Hard- und Software-Hersteller mit proprietären Produkten für Endkunden viel Geld und behandeln Linux-Desktops, abgesehen von Android, weiterhin eher stiefmütterlich. Hier schließt sich ein Kreis: Die Industrie hat offenkundig kein Interesse am Linux-Desktop, weil dessen Anteil am PC-Markt zu klein ist. Deshalb wächst immer wieder Hardware nach, die Linux ignoriert und enttäuschte Einsteiger hinterlässt, die dem freien System den Rücken kehren, wodurch der Marktanteil klein bleibt.

Hinzu kommen offenkundige Mängel in der Dokumentation und der Strategie der Distributoren, die dazu führen, dass manch motivierter Umsteiger nach einer längeren Testphase enttäuscht aufgibt und zu den proprietären Systemen zurückwechselt.

Die leidige Hardware

Am meisten stören sicherlich Fehler im Umgang mit der Hardware. Wird das Gerät jedoch sauber unterstützt, tut sich dem Anwender eine Fülle von Möglichkeiten auf. Und dann schlägt Linux bei der Langzeitstabilität allen Anpassungen, Installationen und Deinstallationen und Unkenrufen zum Trotz selbst das vergleichsweise solide Windows 7.

Auch Lösungen wären in Sicht: Greg Kroah-Hartman ging mit seinem Linux Driver Project [2] sogar so weit, für interessierte Hardwarehersteller kostenlos offene Treiber zu entwickeln, wenn diese denn bereit wären die Spezifikationen rauszurücken. Das Echo war gewaltig, doch vor allem bei Produkten mit hohen Entwicklungskosten und kurzen Release-Zyklen sitzen die Produzenten auf ihrem geistigen Eigentum. Auch hier fehlt es Linux also an Dokumentation in Form der Hardwarespezifikationen.

Wenn die Hardwaredetails bekannt sind, befindet sich der Linux-Anwender theoretisch auf der Gewinnerseite. Denn anders als bei Windows oder Mac OS kann er in die Quellen schauen, sie ändern, Backports und Patches einspielen und neu kompilieren. Das Problem ist eher, die eigentliche Ursache des Fehlers ausfindig zu machen. Und da kommen dann auch noch die Distributoren in die Quere.

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