Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2011
© CSschmuck, Fotolia

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Epub mit Open-Source-Tools erzeugen

Buch-Macher

Wer E-Books im verbreiteten Epub-Format erzeugen möchte, findet in der Open-Source-Werkzeugkiste reichlich Unterstützung – ob per GUI-Anwendung, Office-Erweiterung oder Kommandozeile sowie mit und ohne XML/XSLT-Kenntnisse. Als Eingabeformate eignen sich ODT, Docbook oder Latex.

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Im Unterschied zu PDFs mit meist festem Seitenverhältnis passt sich das E-Book-Format Epub dem Anzeigegerät an. Der Leser kann zudem Schriftart- und -größe einstellen. Das Format verbreitet sich durch Reader-Hardware und über Content-Anbieter wie I-Tunes (Apple) oder Libreka (Deutscher Buchhandel). Wer Bücher im Epub-Format erzeugen möchte, findet im Open-Source-Bereich ein große Auswahl an Tools.

Offene Bücher

Epub ist ein offener Standard, den die IDPF (International Digital Publishing Foundation) herausgibt [1]. Einfach gesagt ist ein Epub eine Art gezippte Website: Der Text ist in XHTML-Dokumenten gespeichert, Bilder als SVG- oder Bitmap-Grafiken. Dazu kommen CSS-Regeln sowie die Beschreibung von Inhalt und Navigationsstruktur in verschiedenen XML-Formaten. Ein universelles Tool, um Epub-Bücher aus allen möglichen Eingabeformaten zu erzeugen, gibt es nicht. Der Epub-Autor kann derzeit unter einigen Programmen wählen, die jeweils ein oder einige Formate unterstützen.

Der folgende Artikel berücksichtigt als Eingabeformate ODT (Open Document Text), Docbook und Latex. Darüber hinaus beschreibt er das native Schreiben von Epub-Dokumenten mit der Anwendung Sigil. Die Qualität der erzeugten Epub lässt sich mit dem Programm Epubcheck prüfen.

Calibre

Aus ODT lassen sich Epub-Dokumente mit dem Open-Source-Tool Calibre erzeugen [2]. Die GUI-Anwendung gibt es in den Archiven vieler Linux-Distributionen, bei Ubuntu beispielsweise heißt das Paket schlicht »calibre« . Die unter GPLv3 lizenzierte Software liegt derzeit in Version 0.744 vor.

Als ersten Schritt zum Epub fügt der Anwender seine ODT-Eingabedatei der Calibre-Bibliothek hinzu. Dazu wählt er das Bücher-Symbol ganz links in der Werkzeugleiste. Dann legt er Metadaten des zu erzeugenden Buches fest, zumindest Titel und Autor (Abbildung 1). Dazu dient der Info-Button. Im sich öffnenden Dialog lässt sich auch eine Bilddatei für den Titel auswählen.

Abbildung 1: Bei der GUI-Anwendung Calibre nimmt ein Formular die Metadaten für das E-Book auf.

Zum Erzeugen eines Epub betätigt der Anwender den Konvertieren-Button des Calibre-Menüs. Dadurch öffnet sich ein Fenster, in dessen Registern er die Optionen für Epubs einstellt. Die Einstellmöglichkeiten sind durch ausführliche Erklärungen in Tooltips beschrieben. Im Register »Layout« gibt der Benutzer eine Ausgangsschriftgröße an. Calibre ordnet sie der Basisschriftgröße des Eingabedokuments zu.

Alle weiteren Fontgrößen des Eingabedokuments verteilt die Software auf einen Schriftgrößenschlüssel, der sich manuell anpassen lässt. Die minimale Zeilenhöhe bezieht sich prozentual auf die Basisschriftgröße. Das Programm wartet zudem mit Optionen zur Textoptimierung auf: So lassen sich etwa Anführungszeichen nach typografischen Gesichtspunkten korrigieren. Das Feld »Extra CSS« nimmt zusätzliche CSS-Regeln auf.

Im Register »Heuristische Verarbeitung« stehen einige Korrekturverfahren zur Auswahl, die etwa stehen gebliebene Worttrennungen entfernen, sofern das Wort auch einmal ungetrennt im Text vorkommt. Daneben kann der Benutzer Seitenränder einstellen und durch Auswahl eines Ausgabeprofils das Epub für bestimmte Lesegeräte optimieren. Die generischen Voreinstellungen schlagen den goldenen Mittelweg ein.

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