HTML 5 ist im Anflug. Auch wenn die neue Generation der Auszeichnungssprache für Webseiten noch keinen Status als Webstandard hat, scheint das den professionellen Machern von Webseiten egal zu sein. Zu verlockend sind die vielfältigen Möglichkeiten, um auf die finalen Richtlinien des World Wide Web Consortium (W3C, [1]) zu warten.
Die Entwickler von Firefox, Opera und Safari haben zudem längst ihre eigenen Standards formuliert und damit begonnen, die neuen Features zu implementieren [2]. Google Chrome und Internet Explorer 9 unterstützen ebenfalls einen großen Teil der Neuerungen, sodass die Darstellung einer semantisch korrekt ausgezeichneten Seite mit HTML-5-Elementen bereits heute möglich ist.
Während die Bezeichnungen für HTML-5-Elemente und -Attribute in modernen Browsern einheitlich sind, sieht das bei CSS 3 jedoch völlig anders aus. Die damit möglichen abgerundeten Ecken, Textschatten oder Hintergrundverläufe zeigen Browser nur an, wenn die Auszeichnungen deren eigenen Vorgaben entsprechen. So sind momentan zwei bis drei verschiedene Notationen für ein Element nötig, damit sowohl Firefox und Safari als auch Google Chrome und Internet Explorer 9 es korrekt darstellen.
Frameworks und Editoren, die bereits ein Grundgerüst aus HTML und CSS mitbringen, erleichtern Entwicklern die Umstellung auf die neuen Techniken. Unter Linux erhebt sich jetzt Blue Griffon [3] in die Lüfte und flattert den kommenden Standards entgegen.
Treffen der Generationen
Blue Griffon stammt aus derselben Softwareschmiede wie Nvu [4] und dessen Fork Kompozer [5]. Nach rund zweijähriger Entwicklungsarbeit veröffentlichte die französische Firma Disruptive Innovations SAS die erste Alphaversion des Editors im Oktober 2008, zweieinhalb Jahre später erschienen innerhalb weniger Wochen Version 1.0, nach wenigen Tagen 1.1 sowie 1.1.1 – die letzten beiden Releases bereinigten im Wesentlichen Bugs.
Blue Griffon steht gleich unter drei Lizenzen: der Mozilla Public License 1.1 (MPL), der GNU General Public License Version 2 (GPL) und der GNU Lesser General Public License Version 2.1 (LGPL). Das Herzstück ist die Rendering-Engine Gecko in der neuen Version 2, die auch in Firefox 4 verbaut ist. Der Webeditor selbst ist kostenfrei.
Zusätzlich stehen kostenlose und kostenpflichtige Addons bereit [6], die Blue Griffon um interessante Features erweitern. Bei Redaktionsschluss waren alle kostenpflichtigen Extras über ein Paket namens "Silver Offer" für 35 Euro erhältlich. Die Projekthomepage bietet ein Installationsskript für 32- und 64-Bit-Rechner zum Download an. Meldet der Editor nach dem Setup fehlende Rechte für das Profil, sollten Nutzer die Besitzverhältnisse des Verzeichnisses »~/.disruptive\ innovations\ sarl«
kontrollieren.
Eine neue Seite
Blue Griffon bietet einen hilfsbereiten Assistenten, der das Grundgerüst einer neuen Webseite fertigt. In mehreren Schritten fragt der Wizard den Dokumententyp, Metatags für den Header sowie die Gestaltung der Linkfarben, des Hintergrunds, der Seitenbreite und die Spaltenaufteilung ab (Abbildung 1). Der Assistent orientiert sich am CSS-Raster der YUI Grids aus der Yahoo User Interface Library [7]. Der fertige Quelltext enthält bereits Reset-Angaben, um Browsereigenheiten zu neutralisieren.
Abbildung 1: Blue Griffons Assistent hilft Entwicklern dabei, ein Grundgerüst für ihre neue Webseite zu erstellen, und fragt dazu verschiedene Rahmendaten ab.
Unten im Hauptfenster schaltet der Nutzer zwischen dem Wysiwyg-Modus und der Quelltextansicht hin und her. Für Ersteren empfiehlt es sich, die Option »Alle Tags Modus«
unter »Ansicht«
zu aktivieren. Sie blendet kleine gelbe Label an den HTML-Tags ein, die deren Verschachtelung verdeutlichen und für mehr Übersicht sorgen. Um diese HTML-Elemente mit CSS-Code anzureichern, ist der Dokumentpfad unten im Fenster hilfreich. Auch er bildet die Struktur der Seite ab, und ein Klick aktiviert das ausgewählte Element, dem der Nutzer nun mit dem CSS Editor die gewünschten Attribute hinzufügt oder bestehende bearbeitet.